Stand: 24.09.2019 18:36 Uhr

IfW-Studie: In SH fehlen gut bezahlte Industriejobs

von Marc Kramhöft

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Wenn es um Konjunkturdaten geht, dann gehört das Kieler Institut für Weltwirtschaft zu den ersten Adressen in Deutschland.

Die Arbeitnehmer in Schleswig-Holstein verdienen deutschlandweit mit am wenigsten. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW). Die Untersuchung, die am Mittwoch offiziell veröffentlicht wird, liegt NDR Schleswig-Holstein bereits exklusiv vor.

Den Experten zufolge hat die Wirtschaft in Schleswig-Holstein in den untersuchten Jahren zwischen 2010 und 2018 zugelegt: Sie wuchs pro Jahr um 1,7 Prozent. Außerdem hatten im vergangenen Jahr so viele Menschen im Land einen Job wie seit der Deutschen Einheit nicht mehr. Das Problem ist jedoch, dass diese Jobs längst nicht mehr so gut bezahlt sind.

Mitautor: "Industrie war hier schon imme eine Schwäche"

"Das hat etwas mit Strukturwandel zu tun. Jobs werden im Dienstleistungssektor geschaffen, der eben nicht so gut bezahlt wie die Industrie", erklärt Klaus Schrader, einer der Autoren der Studie. "Die Industrie war immer schon eine Schwäche Schleswig-Holsteins, und das hat sich weiter fortgesetzt. Hier fehlen einfach gut bezahlte Industriejobs."

Nur ostdeutsche Bundesländer schneiden schlechter ab

Das durchschnittliche Bruttogehalt des Schleswig-Holsteiners lag laut der Untersuchung im vergangenen Jahr bei 38.000 Euro. Das bedeutet im bundesweiten Vergleich Platz elf von 16. Nur die ostdeutschen Bundesländer schneiden noch schlechter ab. Zum Vergleich: Hamburg lag mit knapp über 50.000 Euro ganz vorne. Der Schnitt in ganz Deutschland betrug 43.000 Euro.

"Die Analyse wirft Fragen für die Standortpolitik des Landes auf", sagt Mitautor Schrader: "Die Zahl der Start-Ups und der internationalen Patentanmeldungen sind in Schleswig-Holstein vergleichsweise niedrig."

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Minister Buchholz will "gemeinsame Haltung mit Hamburg"

Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) sieht in der Studie eine Bestätigung der eigenen Analysen. "Wir sind in den letzten Jahren durch die starke mittelständische Prägung mit einem wenig stark ausgeprägten Fokus auf die Industriepolitik unterwegs gewesen", sagte er NDR Schleswig-Holstein. Das solle sich nun ändern. Das Ziel: Bis zum Ende der Legislaturperiode im Jahr 2022 soll die Zahl der Industriearbeitsplätze wieder deutlich steigen.

Buchholz sieht einen Ansatz: "Wir brauchen eine gemeinsame Haltung mit Hamburg, dass Betriebe, die nicht mehr in Hamburg unterkommen, im Hamburger Rand unterwegs sind." Dafür brauche es allerdings entsprechende Industrieflächen. Außerdem setzt der Minister zum Beispiel darauf, dass die Hochschulen und mittelständischen Unternehmen in Schleswig-Holstein noch enger zusammenarbeiten, um sich in der Forschung austauschen zu können.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 24.09.2019 | 19:30 Uhr

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