Frische Luft, Wellen, aber trübes Wasser: Schwimmkurs im Einfelder See

Stand: 19.07.2021 20:03 Uhr

18 Grad, trüber Himmel und noch trüberes Wasser. 16 Kinder sind trotzdem mit ihren Eltern an den Einfelder See bei Neumünster gekommen. Denn Sie wollen hier in den kommenden zwei Wochen schwimmen lernen.

Nach Angaben der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) können mehr als 60 Prozent der Kinder nach der Grundschule immer noch nicht sicher schwimmen. Die Coronakrise hat das Problem verschärft. Doch Wartelisten für Schwimmkurse sind lang, die Hallenzeiten begrenzt. Da sorgt der Intensivkurs im See für Entlastung und Sicherheit. Für viele der Kinder, die sich ins Wasser wagen, ist es das erste Mal ohne Schwimmhilfe. Anders als im Schwimmbad sehen die Kinder nicht, was unter ihnen ist - nach 20 Zentimetern ist keine Sicht mehr, der Boden ist uneben, dazu noch die Wellen. Bernd Czysch von der DLRG findet: "Das sind die schwersten Bedingungen." Sicherheitshalber lassen Bernd und seine Enkelin Martje deshalb auch nur jeweils acht Kinder ins Wasser. Denn durch das trübe Wasser ergibt sich ein Problem, sagt Martje Czysch: "Man kann den Beinschlag noch nicht mal sehen - und wenn eines der Kinder untertaucht... Man muss hier halt ziemlich aufpassen."

Luft kalt, Wasser warm - oder doch zu kalt?

Ziel für heute, ist es, den Kopf unter Wasser zu tauchen und sich an den See zu gewöhnen - mit Hilfe eines Schwimmbretts. "Die Luft war kalt und das Wasser warm", sagt ein blonder Knirps beim Herauswaten. Spaß hat es ihm gemacht, bestätigt er. Doch so warm war es wohl nicht für alle. Weil einige Kinder bibbern, ist nach 20 Minuten heute Schluss für Gruppe Nummer eins. Viele sind hier, weil sie in der Nähe des Sees wohnen. Eine Mutter erklärt, sie finde es im Sommer einfach schön, so einen Kurs draußen zu machen. Ihre kleine Tochter ergänzt fachmännisch: "Und außerdem ist hier auch schöne, frische Luft und das Wasser kann jederzeit seinen Zustand verändern".

Einfelder Verein organisiert seit sieben Jahren diese Kurse

Doch noch ist es kalt - auch für Gruppe zwei. Dass die Kinder hier schwimmen lernen können, ermöglichen viele Ehrenamtliche vom Verein "Einfeld für Kinder aktiv". Seit sieben Jahren organisieren sie die Seekurse, auch um Badeunfälle zu verhindern. Erst im vergangenen Monat ist hier ein 13 Jahre altes Mädchen ertrunken.

Manfred Mierau vom Verein "Einfeld für Kinder aktiv" will mit diesen Kursen den Kindern helfen, deren Familien sich einen Kurs in der Halle nicht leisten können oder Eltern, die ihre Kinder nicht zum Unterbricht bringen können, weil die Schwimmhalle zu weit weg ist. "Wir sind durch Spenden in der Lage, für 20 Euro ein Komplettpaket anzubieten", sagt Mierau.

Zum Jahresende gibt es das Seepferdchen

Dazu gehören zehn Intensiv-Einheiten inklusive Frühstück für die Kleinen - und dann können sie von November bis Weihnachten nochmal in der Schwimmhalle trainieren. Dort können die Kinder dann auch ihr Seepferdchen oder sogar Bronze machen.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 19.07.2021 | 19:30 Uhr

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