Stand: 06.12.2016 21:11 Uhr

Fragen und Antworten zu den neuen Windkraft-Plänen

von André Klohn

Mit noch mehr Windrädern will die Landesregierung Schleswig-Holstein zum Top-Windstrom-Exporteur machen. Das Kabinett beschloss am Dienstag neue Regionalpläne für den Ausbau der Windenergie. Mit neuen Vorranggebieten will das Land den Ausbau der Windkraft voranbringen und einen Anlagen-Wildwuchs verhindern. Die Regierung will mehr Platz für Windräder freigeben und rechnet deshalb mit Protesten.

Wie viele Windräder sind vorgesehen?

Die Regierung will das Aufstellen von Windrädern auf 1,98 Prozent der Landesfläche (sogenannte Vorranggebiete) erlauben. Insgesamt sind das mehr als 31.000 Hektar. Etwa ein Viertel der Fläche ist neu. Aktuell stehen zwischen Nord- und Ostsee rund 3.100 Windräder - 1.300 von ihnen außerhalb der künftigen Zonen. Für sie gibt es zwar Bestandsschutz. Sie dürfen aber nicht durch neue ersetzt werden (Repowering). Betreibern alter Anlagen will die Regierung aber Gebiete für neue Anlagen zuweisen. Dort dürfen sie ein neues Windrad aufstellen, wenn sie dafür zwei alte Anlagen abbauen.

Wie viel Windstrom ist an Land geplant?

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Aktuell haben die 3.100 Windräder an Land eine Leistung von zusammen etwa 6,5 Gigawatt. Bis 2025 sind an Land 3.600 Windmühlen mit insgesamt 10 Gigawatt Leistung geplant. Sie produzieren dann laut Landesregierung genug Ökostrom, um nicht nur Schleswig-Holstein zu versorgen, sondern decken auch den Verbrauch Hamburgs ab. Aufgrund seiner vielen Industriebetriebe verbraucht die Hansestadt rein rechnerisch etwa doppelt so viel Strom wie das nördlichste Bundesland.

Wie viel Abstand müssen Windräder zu Häusern haben?

Künftig sollen es zu Einzelhäusern mindestens 400 Meter sein und 800 Meter zu Siedlungen. Immer muss der Abstand aber mindestens dreimal so groß sein wie die Höhe der Anlage. Die Opposition fordert größere Mindestabstände. Wären es 500 und 1.200 Meter, könnten laut Landesregierung die angestrebten knapp zwei Prozent der Landesfläche nicht erreicht werden.

Wie soll die Bevölkerung entlastet werden?

Der sogenannte Wildwuchs aus der Anfangszeit der Windkraft soll in den kommenden Jahren sukzessive verschwinden. Außerdem will die Regierung die "Umzingelungswirkung" mindern. Dabei wird die Dichte der Anlagen jeweils in einem Radius von 2.250 Metern um den Ortsmittelpunkt betrachtet. Je Betrachtungswinkel von 180 Grad müssen mindestens 60 Grad grundsätzlich frei von Anlagen sein.

Die neuen Regionalpläne im Detail

Planungsraum I

Der Planungsraum I umfasst die Kreise Nordfriesland und Schleswig-Flensburg. mehr

Planungsraum II

Im Osten des Landes gehören die Kreise Rendsburg-Eckernförde und Plön zum Planungsraum II. mehr

Planungsraum III (West)

Die Kreise Dithmarschen, Steinburg und Pinneberg liegen im westlichen Teil des Planungsraums III. mehr

Planungsraum III (Ost)

Der östliche Teil des Planungsraums III umfasst die Kreise Segeberg, Ostholstein, Stormarn und Herzogtum Lauenburg. mehr

Welche Besonderheiten gibt es noch?

Teile des Kreises Plön sind zum Schutz der Seeadler komplett ausgenommen. An der Nordsee gibt es einen unterschiedlich breiten Küstenschutz-Streifen. In den Kreisen Dithmarschen und Nordfriesland sollen sich künftig etwas weniger Windmühlen drehen. Dafür sollen deutlich mehr Anlagen im Kreis Rendsburg-Eckernförde stehen.

Wie viele Windräder dürfen neu gebaut werden?

Im Zuge der Neuordnung der Ökostrom-Förderung soll es wegen noch bestehender Engpässe in den weiter leitenden Stromnetzen weniger Tempo beim Windkraft-Ausbau geben. Von den bundesweit jährlich 2.500 Megawatt Windkraft-Leistung, die von 2017 an jährlich neu gebaut werden sollen, dürfen nur maximal 902 Megawatt in "Netzausbaugebieten" in Norddeutschland entstehen. Je nach Größe einzelner Anlagen entspricht das zwischen 120 und 200 Windrädern in Norddeutschland.

Warum muss das Land überhaupt neue Pläne erstellen?

Anfang 2015 hat das Oberverwaltungsgericht die alten Regionalpläne für Windeignungsgebiete gekippt und damit für Verunsicherung gesorgt. Um den Ausbau voranzutreiben und dabei Wildwuchs zu verhindern, entschied der Landtag daraufhin, neue Anlagen vorläufig grundsätzlich zu untersagen, zugleich aber Ausnahmen zu erlauben.

Wie sieht der Zeitplan aus?

Anfang kommenden Jahres werden die detaillierten Pläne ausgelegt. Seit Dienstag kann jeder im Internet sehen, wo die 354 Vorrangflächen konkret liegen. Per Online-Tool können Nutzer vom 27. Dezember an Einwände erheben. Stellungnahmen sind bis Ende Juni möglich. Danach will die Regierung die Einwände auswerten und im Herbst 2017 einen zweiten Entwurf vorlegen. Läuft alles glatt, sollen die Pläne im Sommer 2018 greifen. Alternativ könnte es eine dritte Anhörungsrunde geben.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 06.12.2016 | 17:00 Uhr

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