Ein Bagger steht vor einem dichten Waldstück © imago images Foto: Willi Schewski

Flensburger Bahnhofswald: Gericht stoppt Hotel-Bau

Stand: 20.07.2022 15:00 Uhr

Der Bau des umstrittenen Flensburger Bahnhofshotels verzögert sich weiter. Das Verwaltungsgericht hat einem Eilantrag von Naturschützern stattgegeben.

von Johannes Tran

Es ist ein kontrovers diskutiertes Millionenprojekt: der Bau des InterCity-Hotels und eines Parkhauses am Flensburger Bahnhof. Nachdem in der vergangenen Woche Bagger angerollt waren und erste Arbeiten begonnen hatten, ruht das Vorhaben. Nach einem Beschluss der 8. Kammer des Schleswig-Holsteinischen Verwaltungsgerichts vom Montag wird das noch eine Weile so bleiben.

Das Gericht gab einer Klage der Naturschutzorganisation BUND statt. Die hatte einen Eilantrag gegen die sofortige Vollstreckung der Baugenehmigung eingereicht. Denn der BUND klagt auch gegen die Baugenehmigung für das Bahnhofshotel. Der Verwaltungsrichter entschied nun, dass es in diesem Fall "vorrangig" ist, die Rechtmäßigkeit der Baugenehmigung zu prüfen. Das Interesse der Investoren, mit den Bauarbeiten loszulegen, müsse hinten anstehen.

Die Stadt hatte bereits einen Baustopp erlassen

In seiner Begründung verwies der Richter unter anderem darauf, dass die Stadt Flensburg bereits vergangene Woche einen Baustopp erlassen hatte. Die Stadt hatte das damit begründet, dass die Investoren gegen Naturschutzauflagen verstoßen haben sollen.

Wie der Flensburger Stadtsprecher Clemens Teschendorf auf Anfrage von NDR Schleswig-Holstein sagte, hätten die Investoren "nicht ausreichend Maßnahmen zum Schutz der umliegenden Bäume und einer Quelle" ergriffen. Dabei seien solche Schutzmaßnahmen in der Baugenehmigung festgeschrieben gewesen. "Da muss zwingend nachgebessert werden", sagte Teschendorf. Erst danach werde die Stadt den Baustopp wieder aufheben.

Räumung des Grundstücks hatte für Aufsehen gesorgt

Die Immobilieninvestoren - die Flensburger Unternehmer Jan Duschkewitz und Ralf Hansen - wollten sich auf NDR Anfrage nicht äußern. Die Fronten sind derweil verhärtet. Die Stadt Flensburg hat zwar vor eineinhalb Jahren die Baugenehmigung erteilt. Befürworter und Gegner des Projekts stehen sich aber unerbittlich gegenüber. Im Oktober hatten Umweltschützer Bäume auf dem Grundstück besetzt und Baumhäuser errichtet, um den Bau zu verhindern. Sie blieben monatelang. Im Februar 2021 versuchten private Sicherheitsleute schließlich, sie aus den Bäumen zu holen. Es kam zu Protesten. Die Polizei nahm mehrere Demonstranten fest. Die Räumung des Bahnhofswalds hatte damals landesweit für Aufsehen gesorgt.

Nach längerem Stillstand rückten vergangene Woche schließlich die Bagger an und begannen mit den Bauvorbereitungen - auch an für die Natur besonders sensiblen Stellen. Umweltschützer wie Carl-Heinz Christiansen vom BUND-Landesvorstand zeigten sich daraufhin entsetzt: "Durch die Zerstörung eines Biotops sollen Fakten geschaffen werden", sagte Christiansen.

Naturschützer: "Ein maximal ökologisch schädlicher Eingriff"

Dabei befinde sich auf dem Gelände eine sogenannte Sickerquelle, sagt Christiansen: Die Quelle sei schützenswert, weil sie nur selten vorkomme und eine besondere Pflanzenvielfalt hervorbringe. Beispielsweise gedeihe dort die Sumpfpflanze Bachbunge. "Der Bau an diesem Standort ist deshalb ein maximal ökologisch schädlicher Eingriff", sagte der BUND-Vertreter.

Christiansen begrüßte den Beschluss des Verwaltungsgerichts. "Natürlich werten wir das als Erfolg." Noch ist aber unklar, wie lange der Beschluss juristisch Bestand haben wird. Die Investoren haben Beschwerde beim Schleswig-Holsteinischen Oberverwaltungsgericht eingelegt. Damit geht der Streit um das umstrittene Hotel in die nächste Runde.

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