Stand: 14.07.2020 05:00 Uhr

Finanzministerin erwartet weitere Corona-Milliarde

Das Büro ist für Politiker auch immer wieder ein Ort für schwere und schwerwiegende Entscheidungen. NDR Schleswig-Holstein besucht Spitzenpolitikerinnen und -politiker des Landes zum Sommerinterview genau dort. Am Dienstag: Finanzministerin Monika Heinold (Grüne).

Ihr Fahrrad hat die Finanzministerin ganz konsequent da abgestellt, wo sonst der Ministerinnen-Dienstwagen stehen würde. "Da habe ich einen super Parkplatz für mein Fahrrad und blockiere nicht die Fahrradständer der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen", sagt Monika Heinold. Eine grüne Politikerin - die muss ja mit dem Rad zur Arbeit kommen. Oder? "Wann immer ich selbst draußen sein und mich an der frischen Luft bewegen kann, ist das für mich ein schöner Moment", sagt Heinold.

Coronavirus wirbelt Finanzplanung durcheinander

Seit acht Jahren ist sie Finanzministerin. Erfahrung, die sie in Zeiten von Corona braucht. Denn das Virus hat die gesamte Finanzplanung durcheinander gewirbelt. Ein "schleichender Prozess" sei das erst gewesen, berichtet Heinold. Sie habe nach und nach realisiert, was da passiert. "Es gab einen Moment in einer Kabinettssitzung an diesem berühmten Samstag, wo wir beschlossen haben, alles dicht zu machen. Da hatte ich ein sehr mulmiges Gefühl. Und ich wusste nicht: Ist es richtig, ist es falsch?"

"Vielleicht werden es auch zweieinhalb Milliarden"

Eine Milliarde Euro musste Heinold inzwischen für die Bewältigung der Corona-Folgen einplanen. Um Unternehmen zu helfen und Familien zu stützen. Viel Geld. Aber wohl nicht das Ende der Fahnenstange: "Ich gehe schon davon aus, dass aus der Milliarde zwei oder vielleicht auch zweieinhalb Milliarden werden."

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Das hat vor allem mit den erwarteten Steuerausfällen zu tun. Aber auch dann, sagt Heinold, "hätte man hälftig den HSH-Nordbank-Schaden. Da sieht man noch mal, wie groß auch dieser Schaden aus der Finanzkrise war."

Frosch im Büro steht dafür, im Alltag den Blick zu weiten

Besser angelegt als bei der HSH-Pleite sei das Geld für die Bewältigung der Corona-Schäden allemal, sagt Heinold. Denn bei der HSH waren die Steuergelder einfach weg: "Wir haben nichts gesehen, wir konnten nichts damit machen. Bei der Corona-Nothilfe ist es so, dass wir es für die Menschen machen."

Um bei weitreichenden Entscheidungen nicht den Weitblick zu verlieren, hat Monika Heinold einen Frosch mit Fernglas in ihrem Büro stehen. Der hat Weitblick - und soll helfen, im Alltag den Blick zu weiten. "Möglichkeiten suchen, machbar machen, was geht, gestalten", sagt die Finanzministerin, dafür stehe der Frosch. Corona hat er allerdings nicht vorhergesagt.

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Schleswig-Holstein Magazin | 14.07.2020 | 19:30 Uhr

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