Stand: 18.09.2019 17:53 Uhr

Dräger will 120 Millionen Euro einsparen

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Konzernchef Stefan Dräger: "Wir müssen uns zusammenraufen und deutliche Einschnitte machen, um am Markt bestehen zu können."

Nach der Ankündigung des Lübecker Medizin- und Sicherheitstechnikkonzerns Dräger, die Personalkosten senken zu wollen, hat es am Mittwoch eine Betriebsversammlung in der Musik- und Kongresshalle (MuK) der Hansestadt gegeben. Dabei teilte der Vorstand des Unternehmens mit, in den kommenden drei Jahren 120 Millionen Euro netto einsparen zu wollen. Außerdem könnten in Lübeck rund 150 Jobs wegfallen. "Wir müssen uns zusammenraufen und deutliche Einschnitte machen, um am Markt bestehen zu können", sagte der Vorstandvorsitzende Stefan Dräger NDR Schleswig-Holstein nach der dreieinhalbstündigen Sitzung, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand.

Dräger-Mitarbeiter: "Inhaltslose" Versammlung

Wie genau der Sparkurs aussehen soll, blieb unklar - was auf Seiten der Belegschaft für viele ratlose Gesichter sorgte. Einige Mitarbeiter zeigten sich im Gespräch mit NDR Schleswig-Holstein enttäuscht, dass sich die Unternehmensführung nicht an die eigene Nase packe. Niemand spreche von Managementfehlern - wie es zum Beispiel die IG Metall tut. Ein Mitarbeiter sprach gegenüber NDR Schleswig-Holstein von einer "inhaltslosen" Vorstellung des Vorstandes. Er habe mehr Transparenz erwartet. Ein weiterer Beschäftigter klagte, es sei "sehr schwierig herauszufinden, was jetzt passiert".

Die MuK war bis auf den letzten Platz besetzt. Demnach war ein Großteil der 5.146 in Lübeck beschäftigten Mitarbeiter vor Ort. Offizielle Teilnehmerzahlen der Versammlung gab es nicht.

Firma beschäftigt weltweit gut 14.000 Mitarbeiter

Dräger hatte die Kostensenkungen aufgrund der schwachen Ergebnisentwicklung Ende August angekündigt. So solle das Unternehmen wieder effizienter werden. Dräger selbst sieht eine Ursache für das Hineinrutschen in die roten Zahlen in gestiegenen Kosten für den Vertrieb, aber auch in der größer werdenden Konkurrenz im Medizintechnikbereich. Die Firma beschäftigt weltweit mehr als 14.000 Mitarbeiter. "Die nächsten drei Jahre sind sehr wichtig", sagte Vorstandsboss Stefan Dräger NDR Schleswig-Holstein: "Ich hoffe sehr, dass wir die Belegschaft und die Arbeitnehmervertreter dafür gewinnen können."

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Internes Schreiben: Dräger will Tarifrunden nicht mitmachen

In einem internen Schreiben an die Belegschaft, das NDR Schleswig-Holstein vorliegt, wurde die Unternehmensführung etwas konkreter. Demnach sollen die Tarifrunden in den nächsten Jahren nicht mitgemacht werden. Auszubildende sollen nur noch im Bedarfsfall übernommen werden und auch außertariflich beschäftigte Kräfte müssen laut dem Schreiben mit Einschnitten rechnen.

Arbeitnehmer haben angeboten, auf Lohn zu verzichten

Die konkrete Ausgestaltung des Sparplans sei nun Gegenstand der Verhandlungen mit Betriebsrat und IG Metall, sagte Konzernchef Dräger. In welchen Bereichen die 150 Arbeitsplätze wegfallen könnten, ist noch offen. Außerdem sollen die Beschäftigten auf Teile ihres Gehalt verzichten. Die Arbeitnehmer hatten bereits angeboten, auf Lohn zu verzichten, um betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern.

Betriebsratsvorsitzender: Alte Rezepte sind fehl am Platz

Der Betriebsratsvorsitzende von Dräger Deutschland, Siegfried Kasang, hatte bereits im Vorfeld der Betriebsversammlung gemahnt, zukunftsorientierte Veränderung könne nicht gegen die Beschäftigten gelingen. "Vorstand und Management müssen begreifen, dass alte Rezepte aus der Mottenkiste von Unternehmenshandbüchern in der heutigen Zeit, wo der Mensch das höchste Gut eines erfolgreichen Unternehmens ist, völlig fehl am Platz sind", so Kasang in einer gemeinsamen Mitteilung von IG Metall und Betriebsrat.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 18.09.2019 | 18:00 Uhr

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