Stand: 05.12.2018 18:00 Uhr

Die Meinungen zum Wolf gehen weit auseinander

Dutzende Risse, tote Schafe und gestresste Nutztierhalter zum einen - Naturschützer und Wolfsbefürworter zum anderen. Seit Wochen spaltet das Raubtier Schleswig-Holstein. Heute durften beide Seiten im Umwelt- und Agrarausschuss des Landtags in Kiel sprechen. 15 Vertreter, darunter Landwirte, Ziegen- und Schafzüchter, Milchviehhalter, Naturschützer und Wolfsbetreuer waren in den Plenarsaal des Landeshauses geladen, um ihre Meinung zum Wolf mitzuteilen. Auch die Bürgerinitiative für ein wolfsfreies Eiderstedt durfte vor den Abgeordneten sprechen.

Das Umweltministerium geht derzeit davon aus, dass sich bisher zwei bis drei junge Wölfe im Land fest angesiedelt haben. Hinzu kommen Tiere, die Schleswig-Holstein queren.

200 Wolfsgegner demonstrierten vor dem Landtag

Schon vor Beginn der Sitzung im Umwelt- und Agrarausschuss demonstrierten mehrere Mitglieder der Nutzerverbände aus Schleswig-Holstein vor dem Landeshaus. Unter dem Motto "Weide oder Wolf! Gemeinsam für die Weidetierhaltung in Schleswig-Holstein" protestierten sie gegen eine Ansiedlung des Wolfes. Neben dem Bauernverband hatten zu der Kundgebung unter anderem der Landesverband Schleswig-Holsteinischer Schafzüchter, der Landesjagdverband, die Landjugend und Landfrauen aufgerufen. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich daran etwa 200 Menschen.

Sachliche Diskussion trotz unterschiedlicher Meinungen

Trotz unterschiedlicher Meinung zum Wolf fiel die Anhörung im Agrarausschuss recht sachlich aus. Von klarer Ablehnung des Wolfes bis zur Forderung, der Mensch müsse halt lernen, mit dem Raubtier zu leben, reichte das Spektrum der Meinungen. Laut Wolfsbetreuer Björn Schulz wurden in diesem Jahr im Land vier verschiedene Wölfe genetisch nachgewiesen. Zwei davon fielen mit vielen Rissen auf. Ein Rudel gibt es bisher nicht. Ob der Norden als Lebensraum für Wölfe geeignet sei? "Wir wissen es nicht", sagte Schulz.

In die Wolfspopulation müsse eingegriffen werden, bevor sie zu groß wird, sagte der Vizepräsident des Bauernverbandes, Klaus-Peter Lucht. Andernfalls drohten Landwirte nur noch in Stallhaltung zu investieren und nicht mehr in Weidehaltung. "Wir sind nicht für die Ausrottung des Wolfs", sagte Lucht. Mit einzelnen durchziehenden Tieren könne man leben, aber eine Rudelbildung sei zu verhindern. Der Bauernverband fordert wolfsfreie Gebiete und Obergrenzen.

Weidehaltung und Naturschutz nicht gegeneinander ausspielen

Ann Kristin Montano vom Naturschutzverband BUND warnte davor, Weidehaltung und Naturschutz gegeneinander auszuspielen. Weidetiere, Wolf und Mensch müssten friedlich zusammenleben können. Abschüsse seien kein Ersatz für Herdenschutz. Die Schafhalter stünden selbst in der Verantwortung, ihre Tiere so weit wie möglich zu schützen, sagte Fritz Heydemann vom Nabu. Im Übrigen sei aufgrund der natürlichen Gegebenheiten und der Verkehrsdichte keine großflächige Besiedlung von Wölfen im Land zu erwarten.

Das klarste Nein zum Wolf kam von der Bürgerinitiative Wolfsfreies Eiderstedt. In diesem Jahr habe es 49 Übergriffe von Wölfen mit 75 toten Lämmern und Schafen gegeben, sagte deren Vertreter Peter Theodor Hansen. Für die Halter seien das Schreckensszenarien. "Den Wolf hat es auf Eiderstedt noch nie gegeben", sagte Hansen. Dort gebe es nur wenige Wildtiere, die in das Beuteschema des Wolfs passten. Ein verträgliches Miteinander von Wolf und der auf Eiderstedt praktizierten Landwirtschaft könne es dort nicht geben.

Minister Albrecht setzt auf neue Technik bei Zäunen

Die betroffenen Schafhalter müssten eine große Last im Zusammenhang mit der Rückkehr des Wolfes tragen, sagte Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne). Deshalb habe er die Unterstützung in Form von Herdenschutzmaßnahmen deutlich aufgestockt. "Mit neuer Technik wollen wir dafür sorgen, dass Wolfschutzzäune schneller und einfacher aufgebaut werden können." Die Einzäunung mit Netzen und der Einsatz von Herdenschutzhunden seien keine Lösung des Problems, sagte Janine Bruser vom Landesverband der Schaf- und Ziegenzüchter. Sie verwies auf die hohen Kosten und den Zeitaufwand.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 05.12.2018 | 12:00 Uhr

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