Stand: 04.06.2018 13:33 Uhr

Dänemark: Schweinezaun soll kommen

Das dänische Parlament hat entschieden: Das Land will einen etwa 70 Kilometer langen Zaun gegen Wildschweine errichten. Er soll Wildschweine daran hindern, von Schleswig-Holstein aus nach Dänemark zu wandern. Der Zaun ist Teil eines Pakets gegen die Afrikanische Schweinepest, auf den sich die liberal-konservative Minderheitsregierung in Kopenhagen und die sie stützende rechtspopulistische Dänische Volkspartei geeinigt hatten. Die Politiker befürchten, dass wandernde Tiere, die mit der Krankheit infiziert sind, die milliardenschwere Schweinefleischindustrie in Dänemark bedrohen.

Zaun hält alle Tiere vom Wandern ab

Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne) kritisiert den Zaun als politisch schwieriges Signal. Gemeinsam mit Umweltschützern zweifelt er die Effektivität so eines Zaunes an und sieht ihn als massiven Eingriff in die Natur. Schließlich können später nicht nur Wildschweine, sondern auch alle anderen Tiere nicht mehr ins Land kommen. Bislang gab es nur Fälle in Osteuropa, in Deutschland ist noch keine Erkankung eines Schweines bekannt.

Auch Menschen fernhalten?

Zuletzt hatte ein Politiker der Dänischen Volkspartei für seine Aussagen Kritik geerntet. Er hatte gefordert, den Zaun höher als die geplanten anderthalb Meter zu bauen, um nicht nur Wildschweine, sondern auch Menschen aus Dänemark fernzuhalten.

Beim Jahrestreffen der Dänen in Schleswig-Holstein sagte Dänemarks Regierungschef Lars Løkke Rasmussen am Wochenende, der Zaun sei kein neuer Grenzzaun, sondern solle nur zum Schutz vor der Schweinepest dienen.

Bis in das Wattenmeer hinein

Nach aktuellen Planungen soll der Zaun 1,50 Meter hoch und 50 Zentimeter tief in die die Erde gehen. Er soll entlang der deutsch-dänischen Grenze verlaufen und bis in die Flensburger Förde und in das Wattenmeer hineinragen. An Wegen sollen Tore installiert werden. Der Grenzverkehr auf der Straße soll nicht beeinträchtigt werden. Mit einem Baustart ist laut dänischem Umwelt- und Lebensmittelministerium nicht vor dem Herbst zur rechnen.

Tschechien hat bereits im vergangenen Jahr einen kilometerlangen Elektrozaun entlang eines Ansteckungsgebiets errichtet. Nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit, kann sich die Schweinepest über weite Strecken verbreiten - allerdings vermutlich eher über menschliche Aktivitäten als über Wildschweine. Risiken bestünden durch kontaminierte Lebensmittel oder nicht ausreichend desinfizierte Viehtransporter.

Pläne kommen im Landtag nicht gut an

In der Landespolitik stößt das Vorhaben auf Kritik. Die FDP-Fraktion sprach von Symbolpolitik. Hygienekontrollen bei Tiertransporten und Bestandskontrolle durch Jagd könnten viel wirksamer schützen als ein teurer Zaun.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 04.06.2018 | 08:00 Uhr

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