Stand: 01.02.2019 21:16 Uhr

Bekommt Geesthacht bald ein Wasserkraftwerk?

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Geesthacht lässt prüfen, ob ein Wasserkraftwerk am Stauwehr machbar ist.

Die Stadt Geesthacht im Kreis Herzogtum Lauenburg träumt schon lange davon: ein Wasserkraftwerk. Seit fast 60 Jahren stürzt das Wasser der Elbe hier über die Staustufe. Bereits damals gab es Pläne, ein Wasserkraftwerk zu bauen. Doch die Hamburger Elektrizitätswerke verwarfen die Ideen, denn die DDR hatte der Stauhöhe von 5,65 Metern wegen zu niedriger Deiche widersprochen. Die Parteien und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Geesthacht wollen die alten Pläne jetzt wieder aufleben lassen.

Turbinentechnik wäre längst einsatzbereit

"Im Zusammenhang mit der Forschung gab es eine Weiterentwicklung der Turbinentechnik. Wir glauben, dass es jetzt sowohl unter wirtschaftlichen als auch unter ökologischen Gesichtspunkten durchaus verwirklicht werden kann", sagt Sven Minge, CDU-Ratsmitglied in Geesthacht. Bereits vor zehn Jahren hatten Ingenieure der Technischen Universität (TU) Braunschweig und die Salzgitter AG die Idee der Wasserräder weiterentwickelt. Diese wären jetzt längst einsatzbereit. "Man ist fast schon traurig, dass man bisher schon 60 Jahre verloren hat", meint SPD-Ratsmitglied Werner Flindt.

Wasserräder mit Naturschutz vereinbar

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So könnten die Wasserräder am Stauwehr in Geesthacht aussehen.

Würden diese Wasserräder zum Einsatz kommen, könnten zwischen 30.000 und 40.000 Haushalte mit Strom versorgt werden, meint Christian Seidel, Ingenieur der TU Braunschweig. Die Schaufelräder könnten an unterschiedlichen Positionen am Wehr montiert werden. Jedes einzelne dreht sich nur ein bis drei Mal in der Minute - daher sogar vereinbar mit dem Naturschutz. "Die Maschine ist so groß, dass Fische da reinschwimmen und wie im Paternoster unten wieder rausschwimmen können", erklärt Seidel. Auch für den BUND ist das ein wichtiger Aspekt. Da der Fluss durch das Stauwehr an dieser Stelle eh unterbrochen ist, sei es sinnvoll, die vorhandene Kraft mit Hilfe der Wasserräder zu nutzen, so Bettina Boll vom BUND Geesthacht.

Kosten noch nicht bekannt

Um die Pläne zu realisieren, hat die Stadt jetzt Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) gebeten, eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben. Die Bauarbeiten dazu würden laut Bürgermeister Olaf Schulze (SPD) mehr als zehn Jahre dauern. Wie hoch die Kosten für den Bau schließlich ausfallen, ist noch nicht bekannt. Klar ist aber: Geesthacht braucht einen finanziellen Partner - der Energieversorger Vattenfall ist dafür im Gespräch.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 01.02.2019 | 19:30 Uhr

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