Stand: 28.01.2019 15:09 Uhr

Baubeginn für dänischen Wildschweinzaun

von Peer-Axel Kroeske

Für den ersten Pfahl hat die dänische Naturbehörde einen Ort nahe dem deutschen Dorf Ellund (Kreis Schleswig-Flensburg) ausgewählt, wo ein Wirtschaftsweg direkt entlang der Grenze verläuft. Hier wird nun erstmals die Erde für den Bau eines vergleichsweise aufwendigen Zauns aufgegraben. Das Gitter gegen Wildschweine soll im Laufe des Jahres auf den gesamten 70 Kilometern entlang der dänisch-deutschen Grenze entstehen - und einen halben Meter in die Erde und 1,50 Meter in die Höhe ragen. Insgesamt soll der Zaun zehn Millionen Euro kosten. Von dänischer Seite wird betont, das Schengener Abkommen für den freien Grenzverkehr werde nicht verletzt. Wo Straßen und Wege sind, bleibt der Zaun unterbrochen.

Auf einen Dänen kommen zwei Schweine

Ziel ist nach Angaben der Naturbehörde, Wildschweine am Grenzübertritt zu hindern, um die dänische Fleischproduktion vor der Afrikanischen Schweinepest zu schützen. Der Wirtschaftszweig hat im Land Gewicht: Nach Angaben des dänischen Statistikamtes werden von mehr als 3.000 Betrieben rund zwölf Millionen Schweine gehalten, die Ferkel nicht mitgerechnet. Vereinfacht gesagt: Auf einen Dänen kommen zwei Schweine. Im März 2018 hatte sich die bürgerliche Regierung mit der rechtsgerichteten Dansk Folkeparti (DF) darauf verständigt, den Zaun zu bauen. Drei Monate später stimmten dann auch die oppositionellen Sozialdemokraten im dänischen Parlament für das Projekt.

Neuer Zaun soll Dänemark vor Schweinepest schützen

Hohes Risiko durch weggeworfene Wurstwaren

Von deutscher Seite überwiegt die Skepsis. Hauptargument ist, dass der Zaun keinen wirkungsvollen Schutz biete, nicht nur wegen der vielen Lücken. Die stark infizierten Gebiete liegen derzeit noch weit entfernt in Osteuropa. Zudem gehe das größte Risiko aus Sicht des Friedrich-Loeffler-Instituts nicht von Wildschweinen aus - sondern von Menschen, die "kontaminiertes Material" wie weggeworfene Wurstwaren einschleppen.

80 Kilometer langer Elektrozaun für Schleswig-Holstein

Nur so sei der örtlich begrenzte Ausbruch der Seuche in Belgien zu erklären, betont Umweltminister Jan-Philipp Albrecht (Grüne). Er stellt fest: "Da hilft auch ein Schweinezaun nichts." Viel wichtiger sei es, über Hygienevorschriften aufzuklären. Für den Fall eines Ausbruchs in Schleswig-Holstein wurden laut Umweltministerium bereits 50 Kilometer Elektrozaun angeschafft, um das betroffene Gebiet dann zu isolieren. Weitere 30 Kilometer seien kurzfristig lieferbar.

Foto-Montage zeigt möglichen Grenzzaun

Es ist ein grün bewachsenes Feld zwischen Schleswig-Holstein und Dänemark zu sehen, mit Zaun zwischen den Ländern in das Bild hineinmontiert © Dänisches Umweltministerium Es ist ein grün bewachsenes Feld zwischen Schleswig-Holstein und Dänemark zu sehen, ohne Zaun zwischen den Ländern © Dänisches Umweltministerium

Das dänische Umweltministerium zeigt auf den beiden Fotos, wie sich Schleswig-Holsteins Nachbar vor Wildschweinen schützen will. Auf dem rechten Bild ist eine dänische Wiese im Ist-Zustand zu sehen. In das linke Foto ist der mögliche, 1,50 Meter hohe Grenzzaun hineinmontiert. Den Regler in der Mitte können Sie mit gedrückter linker Maustaste nach links und rechts schieben.

Kritik: Zaun manifestiert die Grenze

Kommentar

Der Schweinezaun kommt - Sinnvoll ist er nicht!

Dänemark hat mit dem Bau eines Wildschweinzauns entlang der deutschen Grenze begonnen - als Schutz gegen die Afrikanische Schweinepest. Nadina von Studnitz kommentiert. mehr

Für Kleintiere werden in dem dänischen Zaun Löcher gelassen. Tierschützer sorgen sich allerdings, dass er Wölfe, Otter und Goldschakale in ihrem natürlichen Lebensraum stören könnte. In der Region wird der Wildschweinzaun auch aus einem weiteren Grund kritisch gesehen: "So ein Zaun manifestiert in optischer Hinsicht eine Grenze," meint Martin Ellermann, Bürgermeister der Grenzgemeinde Harrislee. Seit drei Jahren kontrolliert Dänemark wieder seine Grenzübergänge. Wenn jetzt der Zaun hinzu komme, sei das kein gutes Symbol für ein zusammenwachsendes Europa.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 28.01.2019 | 08:00 Uhr

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