Stand: 19.01.2020 17:18 Uhr

Bad Segeberg setzt ein Zeichen gegen rechts

Sie sind zusammengekommen, um zu zeigen: Rechtsextremismus hat in Bad Segeberg keinen Platz. Die Initiative "Segeberg bleibt bunt" hat am Sonnabend auf dem Spielplatz in der Süderstadt ein Lichterfest organisiert. Seit der stadtbekannte Rechtsextremist Bernd T. aus der Justizvollzugsanstalt (JVA) entlassen wurde, sorgt er nach Angaben der Bewohner für Unruhe. Eine Frau und ihre Familie werden nach eigenen Angaben sogar bedroht. Die Bürger wollten mit dem Fest Zivilcourage beweisen. Schon im November hatte es in Bad Segeberg eine Demo gegen rechts gegeben.

Einschüchterung durch Präsenz

Bernd T. gilt als gefährlich und gewaltbereit, ist seit den 1990er-Jahren in der rechtsextremen Szene in Schleswig-Holstein bekannt. Er saß lange ein, weil er einen Obdachlosen so schwer verprügelt hatte, dass dieser starb. "Ich höre davon, dass Leute eingeschüchtert werden, dass Leute vor Dönerläden einfach stehen und zwei Stunden durch die Scheibe gucken", erzählt ein Mann, "und dann geht einer rein und fragt: 'Haben Sie sich eigentlich schon überlegt, wann Sie in die Türkei zurückgehen?'" Eine Frau schildert Berichte, dass Rechte schon Jugendliche und Kinder ansprechen. Nach Angaben der Polizei hat Bernd T. schon kurz nach seiner Entlassung eine Gruppe von 10 bis 15 Leuten um sich geschart - doch das reiche nicht, um aktiv zu werden: Solange T. keine konkreten Straftaten ankündigt, seien den Beamten die Hände gebunden, sagen Rechtsexperten.

Rechtsextreme drohen einer Familie

Wie die Rechten vorgehen, muss eine Bewohnerin ertragen - und will deswegen ihren Namen geheim halten. Sie geriet bei einer Klimademo mit Bernd T. aneinander, kurz darauf hätten die Bedrohungen angefangen: "Ich ging zu meiner Haustür und sah erst einmal drei rechtsradikale Aufkleber an meinem Briefkasten." Als sie mit ihren Kindern darüber spricht, erzählt der Sohn, dass jemand geklingelt und gesagt habe, dass die Familie vorsichtig sein soll. Eine diffuse Aussage, die aber unterschwellig für sehr konkrete Angst sorgt. "Dann war es so, dass die tatsächlich mehrere Tage stundenlang vor unserem Haus ausharrten", sagt die betroffene Frau. "Wir hatten wirklich Angst, das Haus zu verlassen."

Anwohnerin: Südstadt "No-Go-Area" für Migranten

Auch um andere Anwohner ist sie in Sorge: Die Bad Segeberger Südstadt habe günstige Wohnungen, in dem Viertel würden viele Migranten wohnen. "Es leben hier Kinder, die aus anderen Ländern kommen, die eine andere Hautfarbe haben und die sich nicht mehr zur Schule trauen." Frauen, die stets Kopftuch getragen haben, hätten Angst, das Haus zu verlassen, berichtet die Bewohnerin. "Die Südstadt ist eigentlich für einen Teil der Bevölkerung zur 'No-Go-Area' geworden." Bernd T. wollte sich dazu nicht äußern: Konkrete Fragen, die der NDR Schleswig-Holstein an ihn hat, wollte er nicht beantworten.

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Hilfe für Aussteiger aus der Neonazi-Szene

Wie kommt man raus aus der rechten Szene? Für Ausstiegswillige gibt es verschiedene Beratungs- und Hilfsangebote. Eine Kontaktaufnahme ist auch anonym möglich. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 18.01.2020 | 19:30 Uhr

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