Agrarreform: Bauernverband lobt, NABU kritisiert

Stand: 21.10.2020 13:46 Uhr

Der Bauernverband bewertet die neuen Vorschläge zur Agrarreform als großen Wurf. Agrarforscher und Umweltverbände in SH sind dagegen enttäuscht.

Nach zähen Verhandlungen haben sich die Landwirtschaftsminister der EU in der vergangenen Nacht in Luxemburg auf erste Einzelheiten der geplanten Agrarreform geeinigt. Im Kern stimmten sie dem Kompromissvorschlag ihrer deutschen Kollegin Julia Klöckner (CDU) zu. Der sieht vor, dass 20 Prozent der Direktzahlungen nur dann ausgezahlt werden, wenn sich die Landwirte an bestimmte Öko-Regelungen halten. In Schleswig-Holstein stößt diese Idee auf unterschiedliche Reaktionen.

Bauernverband lobt Klöckner

Der Kompromiss zwischen den 28 EU-Mitgliedern sei ein großer Wurf, meint der Generalsekretär des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, Stephan Gersteuer. Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner sei es gelungen, auch die anderen europäischen Länder dazu zu bringen, zukünftig einen Teil der Direktzahlungen in Umwelt- und Klimaschutz zu investieren.

Agrarforscher Taube: Gesamtes Fördersystem der EU überarbeiten

Als enttäuschend hingegen bezeichnet der Agrar- und Umweltforscher Friedhelm Taube von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) den EU-Kompromiss: "Die Freiheitsgrade, die nach wie vor bestehen, um dieses System im Sinne von Umweltleistung auszuhöhlen, sind uneingeschränkt da." Seiner Meinung nach müsste das gesamte Fördersystem der EU überarbeitet werden. Landwirte dürften nur Geld erhalten, wenn sie ausschließlich ökologisch arbeiten.

VIDEO: Die Weidebauern von Wilstermarsch (5 Min)

NABU hofft auf Ergänzungen des EU-Parlamentes

Ähnlich wie Friedhelm Taube sehen es Umweltschützer. Man sei über den bisherigen Verlauf der Verhandlungen extrem enttäuscht, sagte NABU-Sprecher Ingo Ludwichowski. Er hofft, dass das EU-Parlament in Brüssel, das über die Reform noch abstimmen muss, den Kompromiss noch um weitere Umweltauflagen ergänzt.

Klöckner verteidigt Kompromiss

Klöckner verteidigte die Einigung der EU-Staaten. Es werde ein Systemwechsel eingeläutet, sagte die CDU-Politikerin in Berlin. Es werde "keinen Euro" an Subventionen mehr geben, der nicht an höheren Umwelt-Leistungen hänge: "Keine Leistung mehr ohne Gegenleistung." Für die sogenannten Direktzahlungen, die den größten Teil der Milliarden-Subventionen ausmachen und sich hauptsächlich nach der Fläche richten, gebe es neue Auflagen für mehr Umweltschutz. Zusätzlich könnten Landwirte für zusätzliche Leistungen für Umwelt und Klima nun über die sogenannten Eco-Schemes, also Öko-Aufgaben, entlohnt werden. Mindestens 20 Prozent der bisherigen Direktzahlungen sollen künftig für solche Aufgaben reserviert sein, allerdings mit der Möglichkeit, Mittel zu verschieben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 21.10.2020 | 12:00 Uhr

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