Stand: 03.08.2020 15:09 Uhr

Westküste: 30 Millionen für Wasserstoff-Projekt vom Bund

Der Bund fördert ein großes Wasserstoff-Projekt im Kreis Dithmarschen mit 30 Millionen Euro. Der Förderbescheid des Bundeswirtschaftsministeriums sei eingegangen, teilten am Montag das Konsortium "Westküste 100" in Hemmingstedt (Kreis Dithmarschen) und die Landesregierung in Kiel mit.

700 Megawatt Leistung geplant

Konkret soll an der Raffinerie Heide eine Elektrolyse-Anlage gebaut werden, in der aus dem überschüssigem Windstrom der Region Wasserstoff hergestellt wird. "Geplant ist eine Leistung von 700 Megawatt", sagt Raffinerie-Geschäftsführer Jürgen Wollschläger. Der Wasserstoff soll dann ins Gasnetz eingespeist und - was übrig bleibt - in unterirdischen Kavernen gespeichert werden. Außerdem plant die Raffinerie Heide, mit dem Wasserstoff umweltfreundlichen Flugzeug-Treibstoff zu produzieren. Weiterhin forschen die Verantwortlichen daran, wie Wasserstoff in industriellen Prozessen genutzt und wie unterschiedliche Stoffkreisläufe innerhalb der Infrastruktur verzahnt werden können.

Albrecht: SH als Wasserstoffpionier

Die Landesregierung in Kiel freute sich über die Förderzusage. "Das ist ein guter Tag für den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Schleswig-Holstein, die Energiewende und den Klimaschutz", sagte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU). Das Reallabor zeige, wie sich Ökonomie und Ökologie in hervorragender Weise verbinden lassen. Energieminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) betonte: "Damit festigt Schleswig-Holstein seinen Ruf als Land der Wasserstoffpioniere." Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) sagte: "Jetzt muss es darum gehen, unsere Landesstrategie darauf auszurichten, diese Entwicklung weiter voranzubringen."

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"Endlich Planung für Elektrolyse-Anlage"

Das Projekt "Reallabor Westküste 100" ist ein Konsortium aus zehn Unternehmen. Unter anderem gehören dazu der Zementhersteller Holcim, die Stadtwerke Heide, thyssenkrupp Industrial Solutions, die Raffinerie Heide, die FH Westküste und weitere Forschungseinrichtungen. Gemeinsam wollen sie alle fast 90 Millionen Euro in das Projekt investieren. Mit den 30 Millionen Euro vom Bund könne man nun endlich die konkrete Planung für die Elektrolyse-Anlage starten, sagte ein Sprecher.

Das Bundeswirtschaftsministerium will im Rahmen seiner nationalen Wasserstoff-Strategie bundesweit 20 große Projekte unterstützen. Denn Wasserstoff soll laut Ministerium einer der Energieträger der Zukunft werden.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 03.08.2020 | 12:00 Uhr

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