Stand: 03.04.2018 16:15 Uhr

Unbekannte entfernen Hakenkreuz von Glocke

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Vorher - nachher: Mit einer Flex sollen die unbekannten Täter das Hakenkreuz entfernt haben.

Die umstrittene Hakenkreuz-Glocke in Schweringen hat die Menschen in der Gemeinde im Landkreis Nienburg in den vergangenen Monaten schwer beschäftigt. Nun wurde das verbotene Symbol und der Teil einer Inschrift aus der Zeit des Nationalsozialismus entfernt. Allerdings nicht von offizieller Seite - die hatte neulich noch entschieden, dass die Glocke zunächst weiter läuten soll. In Schweringen haben bisher unbekannte Täter die Initiative ergriffen.

Hackenkreuz auf der Glocke.

Hakenkreuz von Kirchenglocke entfernt

Hallo Niedersachsen -

Unbekannte haben das Hakenkreuz an der Schweringer Kirchenglocke entfernt. Doch ist das Problem der Gemeinde damit gelöst?

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Täter hatten wohl Schlüssel

Irgendwann in der Karwoche sei das geschehen, sagte Gemeindepastor Jann-Axel Hellwege gegenüber NDR.de und bestätigte einen entsprechenden Bericht der Zeitung "Die Harke". Die Täter seien vermutlich mit einem Schlüssel in die Kirche gelangt, so Hellwege weiter. Einbruchsspuren gebe es nicht.

Mutmaßliche Täter nennen Entfernung "Frühjahrsputz"

Dafür hinterließen die Täter offenbar ein Bekennerschreiben an der Kirchentür. Die Überschrift: "Frühjahrsputz 2018", so schreibt "Die Harke". Die Worte auf dem Zettel sind deutlich: "Schweringen hat ein schmutziges, matschiges, nasses, kurz gesagt: ein extrem häßliches halbes Jahr hinter sich und es wurde Zeit, daß der Frühjahrsputz frischen Wind ins Dorf bringt." Weiter ist die Rede von "Dreck der Nationalsozialisten, der nach 80 Jahren noch drohte, die Dorfbevölkerung zu spalten". Die Glocke sei jetzt "clean". Man wolle sich nun in Schweringen wieder auf das Dorfleben konzentrieren und friedvoll eine Dorfgemeinschaft aufbauen.

"Schweringen nicht entzweien"

"Der öffentliche Druck auf die Gemeinde durch die Diskussionen um die Glocke hat auch die Menschen in der Gemeinde vor eine unerhörte Herausforderung gestellt", sagte Pastor Hellwege. Einige von ihnen hätten die Sache nun selbst in die Hand genommen. Für den Geistlichen steht fest: "Die Diskussion um die Glocke darf uns in Schweringen nicht entzweien." Das Problem sei aber durch das Entfernen des Symbols und Teile der Inschrift im Grunde nicht behoben, so Hellwege, der von einer Anzeige absehen will.

Gutachter soll Klang der Glocke überprüfen

Eine strafrechtliche Verfolgung ist dennoch möglich: Der Polizei in Nienburg liegt zwar bislang keine Anzeige vor, die Polizei prüft aber, ob sie von Amts wegen Ermittlungen aufnehmen wird. Rechtliche Schritte behält sich auch die hannoversche Landeskirche vor. Man werde das "sorgfältig prüfen", sagte Landessuperintendentin Petra Bahr. Zudem hat die Landeskirche einen Gutachter mit der Untersuchung beauftragt, inwieweit die Beschädigung den Klang der Glocke verändert.

Bahr: Diskussion soll weitergehen

Zuletzt standen sich in der öffentlichen Diskussion zwei Seiten unversöhnlich gegenüber: diejenigen, die die Glocke weiterläuten lassen, aber offen über die Vergangenheit der Kirche reden wollten. Und diejenigen, für die es unerträglich war, den Ton einer Glocke zu hören, die mit einem 35 mal 35 Zentimeter großen Hakenkreuz geprägt wurde. Für Landessuperintendentin Bahr ist dieser Diskussionsprozess aber - trotz dem Entfernen des Hakenkreuzes - nicht beendet. Bahr sieht die Verantwortlichen in der Kapellengemeinde "unverändert in der Pflicht, die Aufarbeitung der Geschichte der Schweringer Kirchenglocke weiterzuführen."

"Geschichte lässt sich nicht durch Wegflexen entsorgen"

Deutliche Kritik äußerte der Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Jens-Christian Wagner: Er hält die Glocke für ein zeithistorisches Dokument für die engen Verbindung, die große Teile der protestantischen Kirchen mit dem Nationalsozialismus eingegangen seien. Das Hakenkreuz wegzuflexen sei der denkbar falscheste Umgang mit Geschichte gewesen. "Geschichte lässt sich nicht durch Wegflexen entsorgen, sondern muss kritisch aufgeklärt werden", sagte Wagner.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 03.04.2018 | 12:00 Uhr

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