Stand: 12.06.2020 08:34 Uhr

Erstmals keine Corona-Neuinfektionen in Göttingen

Das Iduna-Zentrum in Göttingen. © dpa-Bildfunk Foto: Swen Pförtner
Ein Hochhaus am Rande der Innenstadt gilt als Schwerpunkt des Corona-Ausbruchs in Göttingen.

Erstmals seit dem Corona-Ausbruch vor zwei Wochen sind in der Stadt Göttingen am Donnerstag keine Neuinfektionen hinzugekommen. Nach Angaben des örtlichen Krisenstabs waren in der Stadt und im Landkreis Göttingen am Donnerstag 183 Menschen mit dem Coronavirus infiziert - und damit 21 weniger als am Vortag. Die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner liegt damit der Stadt zufolge bei 25,63. Ende der Woche hatte man noch befürchtet, dass diese Zahl die kritische Grenze von 50 Neuinfektionen übersteigen und damit weitere Einschränkungen notwendig machen würde. Nun entspannt sich die Lage im Landkreis weiter. Ab Montag sollen alle Schulen wieder öffnen, die die Stadt geschlossen hatte, um das Virusgeschehen einzudämmen. Auch zwei betroffene Kitas dürfen den Betrieb wieder aufnehmen.

Stadt sperrt Wilhelmsplatz über Nacht

Unterdessen wird der Wilhelmsplatz in der Innenstadt künftig von abends 19 Uhr bis morgens um 6 Uhr gesperrt. Laut Stadt hatten sich dort nachts immer wieder Gruppen von Menschen aufgehalten, die die Abstandsgebote und Kontaktbeschränkungen nicht beachtet hätten. Das Verbot gilt bis zum 22. Juni.

60 Infizierte leben in Iduna-Hochhaus

Die Stadt Göttingen sieht private Familienfeiern zum Ende des Ramadan als Ausgangspunkt für den massiven Corona-Ausbruch vor zwei Wochen. Nach Angaben von Sozialdezernentin Petra Broistedt vom Dienstag hat die Stadt im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten 175 Infizierte identifiziert, 30 im Landkreis, den Rest in der Stadt Göttingen. Allein 60 von ihnen wohnen in einem Hochhauskomplex am Rande der Innenstadt. Bei einem Massentest untersuchte die Stadt am vergangenen Wochenende fast alle rund 600 offiziell gemeldeten Bewohner des Hochhauses auf eine Corona-Infektion. Rund 80 Bewohner seien nicht zum Test erschienen. Ein Teil von ihnen habe dafür Gründe genannt, sagte ein Stadtsprecher. In den anderen Fällen werde noch ermittelt, warum sie nicht kamen. Die Tests würden in jedem Fall erneut angeordnet.

Integrationsrat warnt vor Hetze

Der Göttinger Integrationsrat kritisierte unterdessen, dass Menschengruppen als Sündenböcke stigmatisiert würden. Es gebe eine "Welle der rassistischen und diskriminierenden Hetze" in den sozialen Medien gegen Bewohner des Wohnkomplexes. Der Integrationsrat appellierte an die Medien, keine Vorverurteilungen vorzunehmen und forderte die Stadtverwaltung auf, den Sachverhalt genau aufzuklären.


10.06.2020 12:56 Uhr

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version haben wir über mehr als 170 Infizierte in dem Hochhauskomplex berichtet. Tatsächlich sind von den dort lebenden Menschen derzeit 60 mit dem Coronavirus infiziert. Die unterschiedlichen Zahlen beruhen nach Angaben der Stadt Göttingen auf einem Übermittlungsfehler.

 

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NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 12.06.2020 | 06:30 Uhr

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