In einem Gerichtssaal ist auf einem Tisch das Schild "Angeklagter" aufgestellt. © picture alliance/dpa/Swen Pförtner Foto: Swen Pförtner

Zusätzliche Stellen für Kampf gegen Kinderpornografie

Stand: 23.09.2021 21:11 Uhr

Die Zahl der Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit Kinderpornografie ist in den vergangenen Jahren in Niedersachsen stark gestiegen. Das Land will nun zusätzliches Personal einstellen.

Die zuständige Zentralstelle bei der Staatsanwaltschaft Hannover werde im kommenden Jahr um zehn Stellen verstärkt, sagte Justizministerin Barbara Havliza (CDU) am Donnerstag. Darunter seien acht Staatsanwälte. In diesem Deliktbereich sei das ein so noch nicht dagewesener Zuwachs. Dieser sei allerdings auch dringend notwendig, so Havliza. Bei der Zentralstelle in Hannover arbeiten bislang Staatsanwältinnen und -anwälte mit insgesamt 10,3 Vollzeitstellen.

51 Verurteilte wegen schwerem Kindesmissbrauch

Die Zahl der Ermittlungsverfahren wegen gewaltdarstellender, pornografischer oder sonst jugendgefährdender Schriften in Niedersachsen ist zuletzt deutlich angestiegen. Nach Angaben des Justizministeriums kletterte die Zahl von 1.630 Verfahren im Jahr 2016 auf 4.532 im vergangenen Jahr. In 51 Fällen wurden zudem Männer im Jahr 2020 wegen schwerem sexuellen Missbrauchs von Kindern schuldig gesprochen. Das sind zwei mehr als 2019.

Mehr Menschen wegen Beleidigung vor Gericht

Die Daten des Justizministeriums zeigen, dass in Niedersachsen immer mehr Straftäter wegen des Vorwurfs der Beleidigung verurteilt werden. Demnach ist in den vergangenen zehn Jahren die Zahl entsprechender Prozesse um mehr als 20 Prozent gestiegen. Allein im vergangenen Jahr wurden landesweit knapp 2.600 Männer und Frauen verurteilt, weil sie andere beleidigt haben. In der Gesellschaft gehe es rauer zu, sagte Thomas Hackner, Strafrechts-Experte im Justizministerium dem NDR in Niedersachsen. Corona habe diesen Trend noch verschärft.

Havliza: "Nicht nur der Ton wird rauer"

Eine "erschreckende Entwicklung" sieht das Justizministerium auch bei Attacken insbesondere auf Polizisten. Rund 670 Täter wurden im vergangenen Jahr deswegen verurteilt - fast dreimal soviel wie im Jahr 2018 (234). "Nicht nur der Ton wird rauer. Die Taten werden es auch", sagte Havliza. Es handele sich um ein gesellschaftliches Problem, worauf man hinweisen müsse, damit es nicht unterschätzt wird.

Weniger Straftaten insgesamt - aber mehr Morde

Insgesamt weist die Strafverfolgungsstatistik für das Jahr 2020 einen Rückgang der Verurteilungen aus. Knapp 66.500 Urteile wurden verhängt, rund 2.500 weniger als im Jahr davor. Allerdings: In 21 Fällen wurden Menschen wegen Mordes verurteilt - das sind mehr als doppelt so viele wie im Jahr 2019 (10). Insgesamt waren 82 Prozent der verurteilten Täter männlich. Etwa 70 Prozent der Verurteilungen entfielen auf deutsche Staatsbürger.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 23.09.2021 | 13:00 Uhr

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