Was bedeutet "Bundes-Notbremse" für Niedersachsens Schüler?

Stand: 22.04.2021 20:41 Uhr

Die Vorgaben der sogenannten Bundes-Notbremse sehen Schulschließungen erst ab einer Inzidenz von 165 vor, in Niedersachsen liegt die Grenze aktuell bei 100. Das Land will die Regeln anpassen.

Ab Mitte Mai will Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) an allen Schulformen Wechselunterricht ermöglichen - auch bei höheren Inzidenzen. Voraussetzung sei jedoch, dass die Schnellteststrategie reibungslos und verlässlich funktioniere, sagte der Minister der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Es gebe immerhin 3.000 Schulen zu beliefern, da ruckele es noch an der einen oder anderen Stelle.

Das gilt zurzeit in Niedersachsen

Aktuell ist Wechselunterricht in Niedersachsen bis zu einer Inzidenz von 100 Neuinfektionen pro Woche auf 100.000 Einwohner möglich. Danach müssen die Schülerinnen und Schüler in den Distanzunterricht, das sogenannte Homeschooling. Eine Ausnahme gilt für Grundschüler, Förderschüler mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung und Abschlussjahrgänge. Im Wechselmodell geht jeweils die Hälfte der Klasse zum Unterricht in die Schule, die andere lernt zu Hause. Die Gruppen wechseln sich dann tage- beziehungsweise wochenweise ab. In Niedersachsen lagen (Stand: Mittwoch, 21. April) gerade einmal 15 Landkreise und kreisfreie Städte unter einem Inzidenzwert von 100.

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Tonne: Testungen als Schutz für System Schule

"Wenn wir feststellen, dass wir mit den Testungen den Schutz für das System Schule hochziehen können, kann man auch über Bewegung bei Inzidenzzahlen reden", sagte Tonne der Zeitung. "Unser Versprechen ist, dass wir Schulen keinen einzigen Tag unnötig geschlossen halten, wenn wir andere Grundlagen dafür haben." Bei 165 sei allerdings aufgrund der "Bundes-Notbremse" Schluss. Diesen Wert überschreiten aktuell fünf Landkreise und Städte in Niedersachsen.

Landesschülerrat unterstützt Vorstoß

Der Landesschülerrat in Niedersachsen begrüßt die Pläne des Kultusministers, auch bei höheren Inzidenzen Unterricht nach dem Szenario B zu ermöglichen. "Die Selbsttests bilden einen weiteren Baustein des Infektionsschutzes an Schulen. Diesen Sicherheitsfortschritt sollten wir nutzen, um auch wieder mehr Präsenzunterricht zu ermöglichen", sagte Marike Leder, stellvertretende Vorsitzende des Landesschülerrates. Viele Schülerinnen und Schüler seien aufgrund der 100er-Inzidenz als oberer Grenzwert für das Szenario B seit Weihnachten nicht mehr in den Schulen gewesen. Der Schritt müsse jedoch mit einer erneuten Sensibilisierung einhergehen, Hygienekonzepte müssten gegebenenfalls überarbeitet und angepasst werden. "Wir sind überzeugt, dass eine Beschulung im Wechselmodell mit Masken, Abstand und Tests sehr sicher umsetzbar ist", so Leder.

Lehrerverband kritisiert Pläne als unverantwortlich

Der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte (VNL) lehnt die Pläne des Kultusministers als "unverantwortlich" ab. Aktuell genügten die Angebote für Selbsttests und Impfungen von Lehrern nicht, zudem seien die Tests unzuverlässig. "Wir können nur davor warnen, unsere Schulen voreilig öffnen zu wollen, auch wenn wir alle unsere Schülerinnen und Schüler lieber im Präsenzunterricht sehen würden", teilte der Verband am Donnerstag mit. Wichtiger seien konkrete Überlegungen, wie der versäumte Unterrichtsstoff kompensiert werden könne.

Selbsttests an Schulen filtern 554 Infektionen heraus

Die neue Schnellteststrategie, die seit den Osterferien an Niedersachsens Schulen gilt, ist ein wichtiger Baustein im Kampf für den Präsenzunterricht. Am Donnerstag veröffentlichte das Kultusministerium erste Zahlen. Demnach haben 2.450 von rund 3.200 Schulen erste Rückmeldungen gegeben. Seit dem 12. April seien 1,4 Millionen Testkits an Schülerinnen und Schüler sowie mehr als 250.000 Testkits an Schulbedienstete und Personal verteilt worden. Bei Schülerinnen und Schülern wurden 698 positive Selbsttest-Ergebnisse ermittelt. Bei 490 davon bestätigte die PCR-Nachtestung eine Infektion. Bei den Schulbeschäftigten gab es 79 positive Selbsttests, von denen die PCR-Variante 29 bestätigten. Zudem wurden bei anlassbezogenen Tests weitere 29 Infektionen festgestellt. "Das ist ein deutlicher Indikator dafür, dass Selbsttests Schule noch sicherer machen. Die herausgefilterten Infektionen dürften dabei in der Regel nicht aus dem Schul-Kontext kommen, sondern aus der Ferienzeit stammen", sagte Kultusminister Tonne.

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