Stand: 11.10.2017 15:56 Uhr

Uni bildet Psychologen für Gefängnisse aus

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Mit dem neuen Studienschwerpunkt der Uni Hildesheim sollen mehr Psychologen für die Arbeit in Gefängnissen fit gemacht werden. (Archivbild)

Ein neuer Studienschwerpunkt soll helfen, einem Mangel an Psychologen im niedersächsischen Maßregel- und Justizvollzug vorzubeugen. Studierende an der Universität Hildesheim können von diesem Wintersemester an den Schwerpunkt Rechtspsychologie wählen, sagte Uni-Vizepräsident Matthias Kreysing am Mittwoch. Für das neue Angebot wurde der Berliner Kriminalpsychologe Professor Klaus-Peter Dahle an die Universität berufen und der Master-Studiengang Psychologie von 40 auf 60 Plätze ausgeweitet. Bis zu vier Studenten pro Jahr werden nach Angaben des Justizministeriums mit einem Stipendium gefördert. Sie erhalten demnach monatlich 1.200 Euro. Im Gegenzug verpflichten sie sich, nach ihrem Abschluss mindestens fünf Jahre im Justiz- und Maßregelvollzug zu arbeiten.

Bundesweit einmaliges Studienangebot

"Von diesem neuen Studienangebot, das bundesweit einmalig ist, profitieren nicht nur die Gefangenen in Justizvollzugsanstalten und die Patientinnen und Patienten des Maßregelvollzugs, sondern vor allem auch die Bürgerinnen und Bürger", sagte Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD). Die praktische Arbeit mit den Betroffenen sei umgesetzte Kriminalprävention. Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne) verwies darauf, dass bis zu 70 Prozent der Strafgefangenen psychische Auffälligkeiten zeigten. Die neuen Fachkräfte würden nicht nur in der Psychotherapie gebraucht, sondern auch, um Prognosen für die Straftäter zu erstellen. "Die Psychologen haben einen unmittelbaren Auftrag von hoher gesellschaftlicher Relevanz", so die Ministerin.

Beitrag für straffreies Leben nach Haftentlassung

Die enge Verzahnung von Forschung und Praxis soll dazu beitragen, gut ausgebildeten Nachwuchs für die Vollzugseinrichtungen zu gewinnen. "Ich finde es spannend, künftig mit Strafgefangenen zu arbeiten und dazu beizutragen, dass sie nach ihrer Haftentlassung ein straffreies Leben führen können", sagte die 22-jährige Psychologie-Stipendiatin Lisann Killig. Sie freue sich darauf, im praktischen Teil ihres Studiums schon erste Erfahrungen in ihrem zukünftigen Arbeitsfeld sammeln zu können.

Auch Justizbedienstete und Gefängnisärzte werden gesucht

Auch der Vorsitzende des Verbandes Niedersächsischer Strafvollzugsbediensteter (VNSB), Uwe Oelkers, befürwortet die Anstrengungen zur Gewinnung von Psychologen. Zusätzlich müssten aber auch Strategien entwickelt werden, um Justizbedienstete und Gefängnisärzte zu finden. "Wir haben ein großes Problem, geeigneten Nachwuchs zu bekommen", sagte Oelkers. In den 14 niedersächsischen Justizvollzugsanstalten arbeiten laut Landesregierung derzeit etwa 100 Psychologen. In den zehn psychiatrisch-forensischen Kliniken des Maßregelvollzugs in Niedersachsen sind 54 Psychologen tätig.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 11.10.2017 | 14:30 Uhr

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