Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident Niedersachsen, steht vor der Staatskanzlei bei einem Pressestatement zu der bevorstehenden Bund-Länder-Schalte zu Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

Trübe Aussichten: Der Corona-Lockdown wird wohl verlängert

Stand: 03.01.2021 18:20 Uhr

Kurz vor dem Bund-Länder-Treffen zur Corona-Lage am Dienstag zeichnet sich eine Verlängerung des Lockdowns ab. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat sich dafür ausgesprochen.

Er erwarte, dass der Lockdown in Deutschland bis Ende Januar verlängert wird, sagte Weil im Gespräch mit dem NDR Niedersachsen. Die Infektionszahlen seien weiterhin viel zu hoch - und außerdem unzuverlässig, weil Praxen und Labore über die Feiertage geschlossen waren, betonte der Ministerpräsident. Mit belastbaren Daten rechne er erst wieder Mitte des Monats. Deshalb müsse der Lockdown fortgesetzt werden. Weil geht aber trotzdem davon aus, dass die Schulen am 11. Januar wieder starten können. Darüber, wie genau der Schulstart aussehen kann, will die Landesregierung am Mittwoch informieren - also am Tag nach den Bund-Länder-Gesprächen.

Einigkeit über Verlängerung von Lockdown

Die Bundesländer seien sich Medienberichten zufolge bereits einig, den Lockdown über den 10. Januar hinaus zu verlängern. Die Chefs der Staatskanzleien hätten sich bei einer Telefonkonferenz am Sonnabend aber noch nicht einigen können, ob die Verlängerung zunächst für zwei oder drei Wochen beschlossen werden soll. Ein weiterer Streitpunkt neben der Dauer der Verlängerung ist der Umgang mit Schulen und Kitas. Die Kultusminister wollen am Montag über eine Öffnung von Kindertageseinrichtungen und Grundschulen nach den Ferien beraten. Ebenfalls am Montag sprechen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten laut "Welt am Sonntag" (WamS) in einer Schalte mit fünf führenden Virologen und Wissenschaftlern über die Auswirkungen der Feiertage und die Aussicht auf die kommenden Wochen. Am Dienstag steht der Gipfel der Kanzlerin mit den Länderchefs auf dem Programm.

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Reimann schließt Verschärfungen nicht aus

Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) hatte am Sonnabend gegenüber dem NDR in Niedersachsen ebenfalls von einer Verlängerung der Corona-Beschränkungen gesprochen. "Ich sehe keinen Spielraum für Lockerungen", sagte die Ministerin. "Die Infektionszahlen, die wir jetzt sehen, sind nicht ganz belastbar durch die Feiertagssituation. Die Zahlen in den Krankenhäusern sprechen allerdings eine deutliche Sprache", so Reimann. Es gebe jeden Tag mehr Corona-Patienten, die intensivmedizinisch behandelt würden. Sie könne daher auch weitere Verschärfungen der Corona-Maßnahmen nicht ausschließen.

"Lockdown", "Shutdown", "Exit" - Neues in der Alltagssprache

"Lockdown", "Shutdown", "Exit"-Strategie - das Vokabular in der Corona-Pandemie ist bisweilen mit Anglizismen durchsetzt und transportiert neue Worte in die Alltagssprache. Nicht immer trifft die Übersetzung den Kern des Ursprungsbegriffs, erklärt Annette Klosa-Kückelhaus, Bereichsleiterin in der Abteilung Lexik am Leibniz-Institut für Deutsche Sprache in Mannheim.

"Lockdown", "Shutdown" und "Exit"
Die Begriffe sind dem Englischen entlehnt und bezeichnet einen Zustand der regionalen Isolation oder Eindämmung aus Sicherheitsaspekten (Lockdown) beziehungsweise die zeitlich nicht weiter definierte Schließung eines Geschäfts oder einer Fabrik (Shutdown). Der Begriff "Exit" ist die englische Bezeichnung für "Ausgang" oder "Notausgang". Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie bezeichnet "Exit" die Beendigung von "Lockdown"- oder "Shutdown"-Maßnahmen - also einen Ausweg aus dem gesellschaftlichen Stillstand.

Einführung in die Alltagssprache
Die Worte werden seit Ausbruch der Corona-Pandemie auf einen Zustand entlehnt, für den es im Deutschen ganze Sätze benötige, so Klosa-Kückelhaus: Das Herunterfahren beziehungsweise den Stillstand des privaten, öffentlichen und/oder wirtschaftlichen Lebens zur Eindämmung des Infektionsgeschehens. Bisher seien diese Verwendungen nur für die Corona-Pandemie zu beobachten. Um diese Bedeutungen allgemeinsprachlich zu verfestigen, bedürfe es der Verwendung in anderen Kontexten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 04.01.2021 | 08:00 Uhr

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