Ein Jugendlicher fährt Ski im Snow Dome. © picture alliance/dpa | Philipp Schulze Foto: Philipp Schulze

Skihalle, Spaßbad: Wie viel Energie darf Vergnügen kosten?

Stand: 21.07.2022 16:07 Uhr

Während Privathaushalte zum Sparen aufgerufen sind, haben Freizeitangebote mit extrem hohem Energiebedarf weiter geöffnet, so auch der Center Park und die Skihalle in Bispingen im Heidekreis.

"Berg & Tal Abenteuer Resort" nennt sich die Anlage inzwischen, die viele noch als Snow Dome kennen. Doch es bleibt dabei: Dort kann man zu jeder Jahreszeit Ski und Snowboard fahren. Die Energie-Expertin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, Claudia Kemfert, hat deshalb Bedenken. Grundsätzlich halte sie es für fragwürdig, dass man auch im Sommer bei 30 Grad Ski fahren kann, sagte Kemfert dem NDR.

Kemfert: Die meisten touristischen Anlagen laufen mit fossilen Energien

Claudia Kemfert | Bild: NDR/Wolfgang Borrs © NDR/Wolfgang Borrs Foto: Wolfgang Borrs
Claudia Kemfert | Bild: NDR/Wolfgang Borrs

"Tourismus-Anlagen, die viel Energie verbrauchen, sollten das - wie alle anderen auch - nach Möglichkeit mit erneuerbaren Energien tun", sagte Kemfert, die zudem Professorin für Wirtschaftswissenschaften an der Leuphana Universität in Lüneburg ist. "Dann können sie auch verschwenden - oder mehr verschwenden, als wenn es um fossile Energien geht." Problematisch sei es aber gerade jetzt, wenn diese Anlagen mit fossilen Energien betrieben werden.

Kemfert ist zwar nicht grundsätzlich gegen den Betrieb von Skihallen oder tropischen Badelandschaften, wie sie sagt. Allerdings müsse einiges nach- und umgerüstet werden. "Wenn diese Tropenparadiese oder touristischen Attraktionen schon heute Solarenergie, Windenergie oder Biomasse nutzen, dann kann man das durchaus auch aktuell weiter gewährleisten. Aber häufig ist es eben so, dass in erster Linie fossile Energien genutzt werden", erklärte Kemfert. In der aktuellen Lage der Energieversorgung seien Prämienzahlungen oder Entschädigungen ein Mittel, damit der Energieverbrauch heruntergeht.

Gemeinde Bispingen sucht nach Einspar-Möglichkeiten

Wie sich die Situation in der Energieversorgung auch bei touristischen Unternehmen entwickeln werde, sei schwer vorhersehbar, sagte Bispingens Bürgermeister Jens Bülthuis (parteilos) dem NDR. "Ich glaube aber, es ist allgemeiner Konsens, dass wir uns auf Einschnitte einstellen müssen". Die Gemeinde Bispingen überlege schon, ob Straßenlaternen demnächst nach 22 Uhr ausgeschaltet werden, um Strom zu sparen. Für eine Notlage in der Energieversorgung gebe es auch für touristische Anlagen Notfallpläne. "Alarmpläne sind vorhanden - gerade für den Center Park kann ich das berichten", sagte der CDU-Politiker.

Betreiber: Rechtzeitig Energie an der Börse gekauft

Zwei Besucher in Sommerkleidung und mit Snowboard-Ausrüstung laufen zur Ski-Halle. © dpa-Bildfunk Foto: Sina Schuldt
Rein in den Schnee, und das mitten im Sommer in der Heide: Das kostet Energie. (Archivbild)

Der Betreiber der Skihalle in Bispingen hat nach eigenen Angaben bislang noch keine höheren Ausgaben für Energie. Die habe man an der Börse vor der Krise in ausreichenden Mengen gekauft, so Jürgen Steffen von der Geschäftsleitung. Auch im Sommer wird die Halle an der A7 so gekühlt, dass immer Schnee auf der Piste liegt. Ein energetischer Sündenfall, sagen Kritiker. Steffen hält dagegen: Schon im Jahr 2012 habe man sich auf dieses Thema eingeschossen, sagte er. "Damals wurde die ganze Hallenkühlung erneuert." Dadurch seien 70 Prozent der ursprünglichen Energiekosten eingespart worden. Der Bedarf der Halle liegt nach Angaben der Betreiber bei der Hälfte des Bedarfs des Berliner Luxushotels Adlon.

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Ein Skifahrer bremst ab in der Skihalle Snow Dome in Bispingen. © picture alliance/dpa Foto: Sina Schuldt

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NDR Info | 20.07.2022 | 09:10 Uhr

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