Reno-Insolvenz: In Filialen fehlt Ware fürs Frühlingsgeschäft

Stand: 30.03.2023 16:00 Uhr

Am Mittwoch hat der Schuhhändler Reno aus Osnabrück Insolvenz angemeldet. Der vorläufige Insolvenzverwalter Immo Hamer von Valtier hat erklärt, so viele Arbeitsplätze wie möglich erhalten zu wollen.

Betroffen von der Insolvenz sind rund 1.000 Beschäftigte. Derzeit betreibt das Unternehmen bundesweit 180 Filialen, in Niedersachsen sind es zwölf. Das Amtsgericht Hameln hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass das Insolvenzverfahren sowohl gegen den Mutterkonzern Reno Schuhcentrum GmbH als auch gegen die Tochter Reno Schuh GmbH eröffnet worden sei. Laut Insolvenzantrag sind nur die deutschen Filialen betroffen, nicht die Schwester-Unternehmen in Österreich und der Schweiz.

Komplexe Eigentümerstruktur erschwert Rettung

Hamer von Valtier sagte am Donnerstag, er könne noch keine verbindlichen Aussagen bezüglich der weiteren Schritte im Insolvenzverfahren treffen. Ein Grund sei die komplexe Eigentümerstruktur bei Reno. Die Schuh-Kette war erst vor etwa sechs Monaten von der HR Group an die cm.sports GmbH in Kooperation mit GA Europe verkauft worden. Bereits vor der Übernahme durch einen neuen Gesellschafter im Herbst 2022 sei eine Insolvenz nicht auszuschließen gewesen, hieß es in einer Mitteilung. Das Unternehmen befinde sich derzeit in Abstimmung mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter, um aus der Insolvenz heraus einen Neustart zu ermöglichen, hatte der für Finanzen zuständige Reno-Geschäftsführer Dieter Metz am Mittwoch mitgeteilt.

VIDEO: Reno: Zweitgrößter Schuhhändler Deutschlands ist insolvent (29.03.2023) (1 Min)

Filialen ohne Strom und Ware für den Frühling

Hamer von Valtier hatte noch am Mittwoch in Osnabrück eine Betriebsversammlung einberufen. Dort kündigte der Jurist an, er werde versuchen, den Betrieb so weit wie möglich wieder aufzunehmen. Derzeit hätten einige Filialen nicht einmal Strom. Ein zentrales Problem für einen Weiterbetrieb sei fehlende Ware, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter. Gerade im Saisongeschäft mit Schuhen sei dies eine Herausforderung vor dem Frühling. Im zweiten Schritt gehe es dann darum, Reno grundlegend zu sanieren.

Schuhhandel steckt in der Krise

Reno ist kein Einzelfall. Große Teile des Schuhhandels stecken wegen der Corona-Pandemie und aufgrund der durch den Ukraine-Krieg ausgelösten Preisexplosion in der Krise. Mehr als jedes zehnte Schuhgeschäft habe im vergangenen Jahr seine Türen für immer geschlossen, berichtete kürzlich der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Textil Schuhe Lederwaren (BTE), Rolf Pangels. Insgesamt verringerte sich die Zahl der Schuhgeschäfte nach Berechnungen des Verbands binnen Jahresfrist um 1.500, beziehungsweise um 13 Prozent auf rund 10.000.

Neuer Investor für Görtz

Auch bekannte Namen haben zu kämpfen. So musste der Hamburger Schuhhändler Görtz schon im vergangenen September Rettung in einem Schutzschirm-Insolvenzverfahren suchen. Das Unternehmen mit damals noch 160 Filialen in Deutschland und Österreich begründete den Schritt mit den Auswirkungen des Ukraine-Krieges, der hohen Inflation und den steigenden Energiepreisen. Inzwischen hat sich für Görtz ein neuer Investor gefunden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 30.03.2023 | 15:00 Uhr

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