Stand: 02.09.2018 08:32 Uhr

"Pegasus": Neuer Flügel-Streit bei der AfD

von Carsten Wagner
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"Pegasus" nennt sich die Gruppe um den Initiator und AfD-Bundestagsabgeordneten Dietmar Friedhoff.

Eigentlich ist ein Oktoberfest ja ein Grund zur Ausgelassenheit. In der AfD Niedersachsen aber sorgt ein "politisches Oktoberfest" gerade für großen Ärger. Und das in einer Landespartei, die nach einer langen Zeit der Spaltung und des Streits eigentlich zur Ruhe kommen wollte. Eingeladen zum besagten Oktoberfest hat die parteiinterne Initiative "Pegasus". Und von der hat die Landesvorsitzende Dana Guth nach eigenen Angaben erst aus dem Internet erfahren. Ebenso neu war ihr demnach auch die Tatsache, dass "Pegasus" ein Oktoberfest plant, am 7. September, an einem nicht genannten Ort. Mittlerweile ist bekannt, dass es sich um Isernhagen handelt. Dazu hatte sich die Initiative einen ebenso prominenten wie umstrittenen Gastredner eingeladen: Björn Höcke, Landesvorsitzender in Thüringen, rhetorischer Schöpfer der "erinnerungspolitischen Wende um 180 Grad". Während sich gemäßigte Mitglieder vom AfD-Rechtsaußen Höcke distanzieren, nennt die "Pegasus"-Gruppe ihn auf ihrer Website einen der "besten Denker unserer Partei". Die 350 Karten für das Oktoberfest jedenfalls waren innerhalb weniger Tage vergriffen.

Auf einer Einladung der AfD-Gruppe Pegasus zum politischen Oktoberfest sind Björn Hocke und Dietmar Friedhoff zu sehen.

Neuer Flügelstreit: In der AfD brodelt es

Hallo Niedersachsen -

Eigentlich wollte AfD-Landeschefin Dana Guth die Partei einen. Doch die neue deutschnationale Gruppe Pegasus um Dietmar Friedhoff macht ihr einen Strich durch die Rechnung.

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"Innerparteiliches Politikum" - Höcke sagt ab

Höcke-Fans dürften jetzt umso enttäuschter sein. Denn mittlerweile hat der thüringische Landeschef die Teilnahme abgesagt. In einem Brief an die Vorstände schreibt Höcke, das Oktoberfest habe sich zu einem "innerparteilichen Politikum ausgewachsen". Auf dem Oktoberfest wird es also Bier und Brezeln und auch einige Reden geben - aber eben keine von Björn Höcke.

Guth: Ärger hat nichts mit Person Höcke zu tun

Der Grund: Dana Guth und der Landesvorstand haben interveniert. Sogar der Bundesvorstand hatte sich zwischenzeitlich mit dem Fall "Oktoberfest" befasst. Dabei habe der Ärger überhaupt nichts mit Björn Höcke als Person zu tun, beteuert Dana Guth. Es sei allerdings Absprache in der AfD, dass sich Landesvorsitzende gegenseitig über einen Besuch informierten. Das sei in diesem Fall nicht geschehen, sagt Guth gegenüber dem NDR. Schuld daran habe aber offenbar nicht Höcke, sondern "Pegasus".

"Pegasus"-Vorwürfe gegen Guth: "Aus der Basisdemokratie"

Der Initiator von "Pegasus", der Bundestagsabgeordnete Dietmar Friedhoff, hat dafür kein Verständnis. Er wolle mit dem Oktoberfest lediglich politische Arbeit im Sinne der AfD machen. Weder sei die Initiative "Pegasus" ein Angriff auf den Landesvorstand, noch habe er die Absicht, die Niedersachsen-AfD zu spalten. Allerdings erhebt "Pegasus" nun öffentlich Vorwürfe gegen Dana Guth. Der Landesvorstand wolle die Initiativen von Kreisverbänden zunichtemachen, heißt es in einer Stellungnahme auf der "Pegasus"-Internetseite. "Es wird gerade ein Machtapparat installiert, der das endgültige Aus unserer Basisdemokratie in der AfD darstellen wird."

"Pegasus" direkter Angriff auf Guth?

Dana Guth weist diese Vorwürfe zurück. Ihr Landesvorstand und auch die von ihr geführte Landtagsfraktion arbeiteten sehr transparent, ständig würden die Mitglieder über die Arbeit informiert. Sie wittert hinter "Pegasus" vielmehr einen Angriff auf ihre Person und den Vorstand. Pikant: Im April war Dietmar Friedhoff selbst um den Posten des Landesvorsitzenden ins Rennen gegangen, wurde damals aber lediglich Dritter.

Friedhoff will mehr Schärfe im AfD-Ton - und Regierungsverantwortung

Dass "Pegasus" die Arbeit der Niedersachsen-AfD verändern will, daraus macht Dietmar Friedhoff keinen Hehl. Mit Blick auf das vergleichsweise schlechte Abschneiden bei der Landtagswahl (6,2 Prozent) fordert Friedhoff mehr Schärfe im Ton. "Nicht weich sein, harte Kante zeigen. Wir wollen in Regierungsverantwortung kommen. Und das geht nicht, in dem ich nun anfange, weich zu spülen." Gepaart mit der deutschnationalen Haltung ist das "Pegasus"-Programm ähnlich dem des "Höcke-Flügels" in der Bundespartei. Die Initiative ist derzeit laut, aber eher klein: Gerade mal zwölf Mitglieder hat sie nach eigenen Angaben. Darunter neben Friedhoff allerdings auch die Spitzen einiger Kreisverbände.

Özkara statt Höcke auf Oktoberfest

Zurück zum Oktoberfest: Dietmar Friedhoff und Dana Guth werfen sich rückblickend gegenseitig vor, eine gütliche Einigung unmöglich gemacht zu haben. Das Oktoberfest wird stattfinden, allerdings ohne Björn Höcke. Dafür hat Friedhoff einen anderen Gast angekündigt. Den baden-württembergischen AfD-Landeschef Ralf Özkara. Der fordert die Überwachung aller Moscheen in Deutschland und warnt vor einer Übernahme Deutschlands durch den Islam. Ebenfalls scharfe Rhetorik von Rechtsaußen also.

Dana Guth wird der Veranstaltung fernbleiben. Das Angebot, ein Grußwort zu sprechen, lehnt sie ab. "Mögen die Mitglieder, die hinfahren, viel Spaß haben. Das gönn' ich Ihnen." Angst, dass Pegasus ihrer politischen Arbeit gefährlich werden könnte, habe sie nicht. Und Björn Höcke kommt vielleicht doch noch nach Niedersachsen: Dann aber auf offizielle Einladung des Landesvorstands. Terminvorschläge gibt es schon.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 01.09.2018 | 19:30 Uhr