Das Wappen der Polizei Niedersachsen auf der Schulter einer/s Polizisten/in. © Picture Alliance Foto: Hauke-Christian Dittrich

Norddeutschland: Razzien bei Islamisten aus Hisbollah-Umfeld

Stand: 19.05.2021 14:46 Uhr

Am Mittwochmorgen haben Spezialeinheiten der Polizei unter anderem in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bremen und Hamburg Vereine aus dem Umfeld der Hisbollah-Bewegung durchsucht.

Nach Angaben des niedersächsischen Innenministeriums handelt es sich um die Vereine "Menschen für Menschen e.V." aus Stade und "Gib Frieden e.V." aus Delmenhorst. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte diese beiden Vereine sowie die "Deutsche Libanesische Familie" am Mittwoch verboten. In Niedersachsen gab es zudem laut einer Polizeisprecherin noch mindestens eine Razzia in Hannover. Details nannte sie nicht.

Vorwurf: Vereine sammeln Geld für den Kampf gegen Israel

Die Sicherheitsbehörden werfen den Vereinen vor, Spendengelder für die pro-iranische Schiiten-Bewegung Hisbollah im Libanon gesammelt zu haben, die in Deutschland als Organisation verboten ist. Ziel der Vereine sei es, "zweckgerichtet den Kampf der Hisbollah gegen Israel" zu unterstützen, hieß es in einer Mitteilung des niedersächsischen Innenministeriums. So sollen die Spenden für Hinterbliebene von getöteten Hisbollah-Kämpfern eingesetzt worden sein. "Wer unter dem Deckmantel vermeintlicher Wohltätigkeit agiert, um militante Organisationen zu unterstützen, muss die Konsequenzen tragen. Es ist nicht nur scheinheilig, sondern auch gefährlich, die Gutgläubigkeit von zahlreichen Bürgern auszunutzen, um damit kämpferische Aktivitäten zu unterstützen", sagte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD).

LKA Schleswig-Holstein bestätigt Razzia in Reinbek

In diesem Zusammenhang waren Fahnder auch an weiteren Orten in Norddeutschland im Einsatz. Das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein bestätigte eine Razzia in Reinbek (Kreis Stormarn). Die Polizei in Hamburg machte keine Angaben und verwies auf die Zuständigkeit des Bundesinnenministeriums. In Bremen bestätigte die Polizei gegenüber "buten un binnen", dass zwei Objekte durchsucht worden seien.

Bargeld, Handys und andere Beweismittel beschlagnahmt

Im Zusammenhang mit dem Verbot der Vereine durchsuchten mehrere Hundert Fahnder nach Angaben des Bundesinnenministeriums mindestens 20 Objekte in sieben Bundesländern. Die Ermittler beschlagnahmten "unter anderem Bargeld, Mobiltelefone und andere Beweismittel", hieß es in einer Mitteilung. Bundesinnenminister Seehofer äußerte sich auf Twitter: "Wer den Terror unterstützt, wird in Deutschland nicht sicher sein. Egal in welchem Gewand seine Unterstützer in Erscheinung treten, sie werden in unserem Land keinen Rückzugsort finden."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 19.05.2021 | 12:00 Uhr

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