Niedersachsen will sich besser vor Cyberangriffen schützen

Stand: 17.11.2021 12:42 Uhr

Cyberangriffe stellen eine zunehmende Gefahr dar. Deshalb haben das Land und das Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) am Mittwoch einen Kooperationsvertrag unterschrieben.

Das Abkommen wurde im Rahmen des Cyber-Sicherheitstags in Hannover unterzeichnet. Die beiden Partner haben 17 Maßnahmen identifiziert, mit denen sich das Land stärker vor Hacker-Angriffen schützen will. Die Schritte umfassen etwa gegenseitige Unterstützung sowie einen schnelleren Austausch zwischen dem Land und dem BSI. Digitalisierung könne nur gelingen, wenn gleichzeitig die Sicherheit von Daten, Infrastrukturen und Verwaltungen gewährleistet sei, so Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD). Der Präsident des BSI, Arne Schönbohm, appellierte an Online-Händler, sich auf mögliche Angriffe am Schnäppchen-Tag "Black Friday" in der kommenden Woche vorzubereiten. Das Land und das BSI verabredeten, noch enger zusammenarbeiten und gemeinsame Strategien entwickeln, um das öffentliche und digitale Leben zu schützen. Es sei das erste Abkommen dieser Art zwischen dem BSI und einem Bundesland, so Pistorius.

Pistorius: Jeder und jede ist ein potentielles Opfer

"Cyberangriffe bedrohen uns als Gesellschaft - und das rund um die Uhr", sagte Pistorius. "Potentielle Opfer sind wir alle: Jede und jeder mit privatem Internetanschluss und netzfähigen Geräten, aber genauso Behörden, Unternehmen, Kliniken und kritische Infrastrukturen wie etwa Energieversorger." Die Attacken würden immer häufiger und komplexer. Deshalb müssten alle bedrohten Bereiche sukzessive besser, professioneller und engmaschiger geschützt werden, so der Minister. "Wir müssen zum Beispiel verhindern, dass nach Cyber- Angriffen keine dringend nötigen Operationen in Kliniken möglich sind. Oder, dass für gewisse Zeiträume keine Stromversorgung mehr gewährleistet werden kann", sagt Pistorius. Das Cyber- und Informationssicherheitsniveau in Deutschland insgesamt zu stärken und auf dem höchst möglichen Niveau zu halten, um Cyber-Bedrohung frühestmöglich zu erkennen und abzuwehren, könne nur im Team gelingen, ergänzte Schönbohm.

Bisher keine Angriffe auf Energie- und Wasserversorger

Im Juli war etwa das Klinikum in Wolfenbüttel von Hackern attackiert und die Computer lahmgelegt worden. Angriffe auf Wasserversorger, Atomanlagen und Stromerzeuger sind den Sicherheitsbehörden nach eigenen Angaben bisher aber nicht bekannt. Vollständige Sicherheit gebe es allerdings nicht.

Mehrheit der befragten Firmen von Angriffen betroffen

Auch Unternehmen fürchten, von Kriminellen angegriffen zu werden. Das kriminologische Forschungsinstitut hat Betriebe dazu befragt: Etwa 60 Prozent der Firmen mussten im Zeitraum der Studie auf Cyberangriffe reagieren. Oft konnten sie abgewehrt werden, oft aber auch nicht - je nachdem wie gut die Unternehmen beim Thema IT-Technik aufgestellt sind. Meistens wollten die Hacker Geld von den Firmen erpressen, heißt es. Experten raten sowohl Unternehmen als auch Kommunen, dringend in die IT-Sicherheit zu investieren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 17.11.2021 | 08:00 Uhr

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