Maske im Einzelhandel bleibt - Niedersachsen lenkt ein

Stand: 21.05.2021 18:16 Uhr

Der niedersächsische Entwurf zur Lockerung der Maskenpflicht im Einzelhandel hat für Empörung gesorgt - unter anderem im Internet. Zudem warnten Experten. Die Folge: Die Landesregierung rudert zurück.

Der Protest gegen die Erwägung, bei einer Inzidenz unter 35 die Maskenpflicht beim Shoppen auszusetzen, war nach Bekanntwerden am Donnerstag so groß, dass die Landesregierung am Freitagnachmittag von dem Plan Abstand genommen hat. Zunächst hatte Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) das am Mittag selbst via Twitter klargestellt.

Viel Kritik im Internet

Unter dem Hashtag #diemaskebleibtauf posteten viele Menschen in den sozialen Netzwerken ihr Unverständnis für die Lockerungspläne Niedersachsens. "Deutschland hat die Maske zu spät aufgesetzt. Jetzt soll sie zu früh abgenommen werden. Das kostet Menschenleben", hieß es da zum Beispiel. Nutzer kündigten außerdem an, kein Geschäft ohne Maskenpflicht betreten zu wollen - und ihre Einkäufe lieber online erledigen zu wollen.

Spahn warnt vor Übermut

Die Länder Hessen, Rheinland Pfalz und Baden-Württemberg etwa teilten am Freitag prompt mit: Die Maskenpflicht beim Einkaufen bleibt. Ebenso äußerte sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU): "Unsere Ungeduld darf am Ende nicht zu Übermut führen", sagte er am Freitag in Berlin. Er habe den Eindruck, "dass im Moment wochenweise in einigen Ländern Lockerungen gemacht werden". Im Vergleich zu anderen Corona-Beschränkungen seien Schutzmasken zwar eine nervige, aber doch auch händelbare Maßnahme, die für die allermeisten Menschen mittlerweile in den Alltag übergegangen sei.

Auch RKI betont Bedeutung von Masken

Auch die wissenschaftliche Einschätzung einer Maskenpflicht ließ nicht lange auf sich warten: Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, sagte, es gebe immer mehr Belege, wie wirksam Masken auch in Alltagssituationen seien. Wenn jetzt gelockert würde, müsse der "Basisschutz" mit Abstand, Hygiene und Masken von allen möglichst beibehalten werden.

Ärzte und Patientenschützer skeptisch

Ärzte und Patientenschützer haben am Freitag ebenfalls vor einer Lockerung der Maskenpflicht gewarnt: Ein solcher Schritt sei erst denkbar, wenn der Anteil der vollständig geimpften Menschen in Niedersachsen 80 Prozent erreiche oder alle Impfwilligen sich hätten impfen lassen können, sagte Hans Martin Wollenberg, Vorsitzender des Landesverbandes des Marburger Bundes. Bisher seien landesweit aber erst rund elf Prozent der Menschen vollständig gegen das Coronavirus geimpft.

Maske ist "einfachste Hygieneregel"

"Nicht ein Produkt wird in Deutschland mehr verkauft, nur weil die Maskenpflicht im Einzelhandel fällt", sagte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, am Freitag. Der Schutz von Mund und Nase sei die einfachste Hygieneregel, solange noch nicht genügend Menschen geimpft seien.

Weitere Informationen
Kinder betreten eine Schule. © picture-alliance Foto: Arne Dedert

Erste Schulen gehen ab Ende Mai in den Regelbetrieb

Das gilt laut Kultusminister Tonne bei einer Inzidenz unter 50. Zudem könnte es bald Impfungen für Schüler geben. mehr

Zwei Männer sitzen bei gutem Wetter in einem Biergarten. © picture alliance/dpa/Tom Weller Foto: Tom Weller

Diese Corona-Regeln gelten jetzt in Niedersachsen

In Kommunen mit Inzidenz unter 100 dürfen Außengastronomie und Handel öffnen. Urlaub im Land ist jetzt für alle erlaubt. (19.05.2021) mehr

Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) spricht bei einer Pressekonferenz. © NDR

Niedersachsens Stufenplan: Was geht bei welcher Inzidenz?

Der "Stufenplan 2.0" soll laut Ministerin Behrens Perspektiven bieten. Stufe 1 und 2 gelten frühestens ab Ende Mai. (11.05.2021) mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 21.05.2021 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

Ein Schüler stapelt Schnelltestverpackungen übereinander. © dpa-Bildfunk Foto: Moritz Frankenberg

Tägliche Corona-Tests für Schüler zum Schuljahresstart

Zunächst sollen sich Kinder und Jugendliche an sieben Schultagen selbst testen. Bei Bedarf könne verlängert werden. mehr