Stand: 13.02.2019 14:14 Uhr

Landesjägerschaft fordert Abschuss von Problemwolf

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Helmut Dammann-Tamke fordert den Abschuss von Problemwölfen - Jäger sollten sich allerdings aus der Debatte heraushalten. (Archivbild)

Wenn es nach den Jägern in Niedersachsen geht, sollte der Leitwolf des Rodewalder Rudels aus dem Landkreis Nienburg unbedingt getötet werden. "Wenn ein Rudel sich auf Nutztierrisse spezialisiert hat, sieht sogar die sehr strenge Naturschutzrichtlinie der EU Ausnahmen vor", sagte der Präsident der Landesjägerschaft, Helmut Dammann-Tamke, der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (HAZ). Deshalb sei es nur konsequent, wenn der Umweltminister einen problematischen Wolfsrüden abschießen lassen will. Zudem wachse die Wolfspopulation in Niedersachsen und Europa so stark, dass die Balance im Natur- und Artenschutz gefährdet sei und die Politik um eine Regulierung nicht herumkomme, so Dammann-Tamke. "Der Wolf ist ein Prädator, ein Fleisch fressendes Raubtier, das an der Spitze der Nahrungspyramide steht. Wenn wir ihn lassen, wird er in den nächsten Jahren eine flächendeckende Besiedlung vornehmen", betonte er.

Europäische Naturschutzrichtlinie sollte angepasst werden

Dammann-Tamke, gleichzeitig stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender im Landtag, forderte, die europäische Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH), die den Wolf unter strengen Schutz stellt, anzupassen. Denn die Naturschutzregelung stamme aus dem Jahr 1992 - als es die Wolfsproblematik so noch gar nicht gab. Die FFH-Richtlinie habe dafür gesorgt, dass der Wolf sich in Europa wieder etabliert habe, sagt Dammann-Tamke. Das sei ein Erfolg. Jetzt jedoch müsse dessen rasante Ausbreitung gestoppt werden.

"Die Politik muss das Problem lösen"

Trotz der eigenen klaren Unterstützung der Abschuss-Pläne des Umweltministeriums rät Dammann-Tamke den Jägern, sich aus der Debatte um den Umgang mit dem Wolf herauszuhalten: "Weil wir sonst nur als Menschen dargestellt werden, die nur schießen und nicht die Natur erhalten wollen." Die Politik müsse nun das Problem lösen. Etwa so wie in Frankreich, wo schon seit Jahren ein regulatorischer Abschuss von Wölfen erlaubt sei, so Dammann-Tamke.

Landvolk will Abschuss des gesamten Rudels

Unterdessen fordert das Landvolk Mittelweser den Abschuss des gesamten Rodewalder Wolfsrudels. Der Verband hat nach eigenen Angaben beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) einen entsprechenden Antrag gestellt. Das Landvolk bezweifelt, dass es ausreiche, nur den Leitwolf zu töten. Schließlich gebe es insgesamt drei erwachsene Wölfe in dem Rudel, die ihr Wissen an Jungwölfe und Welpen weitergeben, so ein Sprecher des Landvolkes. Neben der Gefahr für Tiere stelle das Rodewalder Wolfsrudel mittlerweile auch eine latente Gefahr für dort wohnende Menschen dar, heißt es weiter.

Verwaltungsgericht entscheidet über Abschuss

Der Wolfsrüde aus dem Rodewalder Rudel gilt als sogenannter Problemwolf und wird für den Tod von etwa 40 Nutztieren verantwortlich gemacht. Zuletzt hatte das Rudel ein Fohlen auf einer Weide in Neustadt am Rübenberge gerissen. Das Umweltministerium hat das Leittier mit der Code-Nummer "GW717M" mit einer Ausnahmegenehmigung offiziell zum Abschuss freigegeben. Der "Freundeskreis freilebender Wölfe" strengte daraufhin ein Eilrechtsverfahren dagegen an. Die Entscheidung, ob die im Januar erteilte Sondergenehmigung zum Abschuss des Wolfs Bestand hat, muss jetzt das Oldenburger Verwaltungsgericht fällen. Bis dahin bleibt der Wolfsrüde verschont.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 13.02.2019 | 14:30 Uhr

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