Stand: 09.10.2019 21:47 Uhr

Keime in Wurst: Listerien-Fälle in Niedersachsen

Der groß angelegte Rückruf von keimbelasteten Wurstwaren der hessischen Firma Wilke hat Betriebe in ganz Niedersachsen betroffen - von Imbissen über Supermärkte bis zu Krankenhäusern. Dem Landesgesundheitsamt zufolge erkranken in Niedersachsen jedes Jahr etwa 60 Menschen aufgrund von Listerien. Inzwischen habe man drei Fälle von Listerien-Erkrankungen bestätigt, die mutmaßlich auf die Produkte zurückzuführen sind. Die nachgewiesenen Listerien seien genetisch sehr eng verwandt mit denen, die in dem Wurstbetrieb nachgewiesen wurden, sagte Sprecher Holger Scharlach zu NDR 1 Niedersachsen. Verbraucher sollen sich über eine Hotline informieren können.

Landesgesundheitsamt: Kein aktuelles Infektionsgeschehen

Wie kann man Fleischprodukte von Wilke erkennen?

Die Produkte der Firma Wilke sind nicht unter dem Betriebsnamen im Handel erhältlich. Wer also wissen will, ob fertig verpackte Wurst- oder Fleischwaren aus dem inzwischen geschlossenen Betrieb stammen, muss die Betriebsnummer überprüfen. Sie steht in einem Oval als Stempel oder Aufdruck auf den Verpackungen und lautet DE EV 203 EG.

Die Betroffenen seien zwischen 50 und 90 Jahre alt. Zwei von ihnen seien gestorben, so Scharlach, allerdings habe bei der einen Person eine andere Erkrankung zum Tod geführt, bei der zweiten sei die genaue Todesursache unklar. Bei den drei Fällen handele es sich nicht um ein akutes Infektionsgeschehen - zwei der Fälle sind im Frühjahr 2019 registriert worden, ein Fall stammt gar aus dem vergangenen Jahr. Im Landkreis Uelzen ist im September eine 80-Jährige gestorben, die an Listeriose erkrankt war. Das teilte ein Sprecher auf Nachfrage von NDR 1 Niedersachsen mit. Unklar bleibt aber auch hier, ob der Todesfall mit Listerien in Wurstprodukten zusammenhängt.

Kommentar

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80-Jährige aus Uelzen kann nicht zugeordnet werden

Amtsarzt Wermes sagte, das Gesundheitsamt habe den Fall untersucht und Blutproben ins Labor geschickt. Die Infektion sei auch dem Landesgesundheitsamt gemeldet worden. Da die Frau verstorben ist, habe man aber keine weitere Blutprobe für einen Genvergleich der Listerien abnehmen können. Diese Typisierung wäre aber Voraussetzung dafür gewesen, den Fall mit dem in dem Wurstbetrieb aufgetretenen genetischen Typ zu vergleichen.

Verschiedene Symptome möglich

Zwischen der Infektion und den ersten Anzeichen der Krankheit können bis zu zwei Wochen vergehen. Listeriose kann Durchfall, Erbrechen und Muskelschmerzen auslösen. Bei schweren Verläufen können die Keime zudem Organe angreifen oder eine Hirnhautentzündung verursachen. Als gefährdet gelten alte und kranke Menschen, aber auch Schwangere. Die Infektion wird mit Antibiotika behandelt.

Tagesschau.de
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Verbraucherschützer kritisieren Behörden

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen hat unterdessen den Rückruf potenziell belasteter Wurstprodukte kritisiert. Die Behörden hätten nur unzureichend Informationen weitergegeben. Das Problem: Hersteller Wilke hatte nicht nur unter eigenem Namen produziert. Einzelne Abnehmer wie Ikea, Metro und Kaufland haben von sich aus bekannt gegeben, dass sie von Wilke beliefert wurden. Die Verbraucherorganisation Foodwatch forderte deshalb die Behörden auf, eine Kundenliste von Wilke zu veröffentlichen. Ein von der Organisation gesetztes Ultimatum ist am Dienstag allerdings verstrichen. Foodwatch will die Veröffentlichung der Daten nun juristisch durchsetzen. Die Staatsanwaltschaft Kassel hat gegen den Geschäftsführer des Wurstproduzenten ein Ermittlungsverfahren unter anderem wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Tötung eingeleitet.

Hotline eingerichtet

Wie das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz am Dienstagabend mitteilte, soll eine Hotline zur Rückrufaktion eingerichtet werden. Sie soll ab Mittwoch, 9. Oktober, 8 Uhr, unter der Nummer (06151) 12 60 82 erreichbar sein. Von montags bis donnerstags können dort Verbraucher zwischen 8 Uhr und 16 Uhr sowie freitags von 8 bis 15 Uhr Fragen stellen.

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Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 | 08.10.2019 | 18:00 Uhr

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