Der menschenleere Kröpke-Platz in Hannover an einem regnerischen Tag. © picture alliance/dpa Foto: Ole Spata

Handelsverband: Lockdown für Geschäfte eine "Katastrophe"

Stand: 13.12.2020 21:48 Uhr

Der Handesverband in Niedersachsen befürchtet, dass durch den Lockdown mindestens ein Viertel des Weihnachtsgeschäfts wegbrechen wird. Die angekündigten Finanzhilfen werden begrüßt.

Die am Sonntag veröffentlichten Pläne für einen bundesweiten Lockdown haben vielfältige Redaktionen hervorgerufen. Nach Schätzung des Handelsverbands Niedersachsen-Bremen wird dem stationären Handel ein wesentlicher Teil des Geschäfts fehlen. "Auch wenn wir Verständnis für die Notwendigkeit schärferer Maßnahmen bei steigendem Infektionsgeschehen haben, mindestens ein Viertel unseres Weihnachtsgeschäfts wird dadurch abgeschnitten", so Mark Alexander Krack, Hauptgeschäftsführer des Verbands. In einem Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte Krack, für viele niedersächsische Innenstadthändler seien die Schließungspläne "eine Katastrophe".

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Kundennähe und Online-Präsenz sollen helfen

Es fehle nicht nur das Geschäft vor Weihnachten, auch die umsatzstarke Zeit zwischen den Jahren, wo etwa Geldgeschenke eingelöst werden, werde durch den Lockdown stark eingeschränkt. Die Hoffnung des Innenstadthandels liegt laut Krack nun auf Kundennähe und den Versand übers Internet. Viele Händler hätten im ersten Lockdown die Zeit genutzt, ihre Online-Präsenz auszubauen und digitale Angebote zu schaffen. Der Handelsverband befürchtet, dass der Lockdown sich über den 10. Januar hinaus weiter verlängert. Ungeachtet dessen sei sicherzustellen, dass die zugesagten Hilfsgelder zügig fließen.

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Ladenschluss erst um 23 Uhr?

Der Handelsverband Harz-Heide glaubt, dass viele Menschen am Montag und Dienstag in die Innenstädte strömen werden, um sich vor dem Lockdown noch schnell mit Weihnachtsgeschenken einzudecken. In Uelzen hat bereits am Sonnabend Bürgermeister Jürgen Markwardt (SPD) an die ortsansässigen Händler appelliert, die verbleibenden Tage bis zum Lockdown bis 22 oder 23 Uhr zu öffnen. Der Handelsverein Uelzen hat signalisiert, diesen Wunsch umsetzen zu wollen.

Hat die Politik nur die Mitte im Blick?

Kritik am Lockdown kam auch von der Landesarmutskonferenz Niedersachsen. Arme Menschen seien vom Lockdown am härtesten betroffen, würden bei den Hilfsmaßnahmen aber nur wenig berücksichtigt, sagte deren Sprecher Klaus-Dieter Gleitze am Sonntag in Hannover. Die Politik habe die Wirtschaft und die sogenannte Mitte der Gesellschaft, also Familien mit Einkommen und Kindern, im Blick. Arme würden dabei vernachlässigt. "Die Landesarmutskonferenz fordert Bund, Länder und Kommunen auf, Sofortmaßnahmen für Menschen zu treffen, die von Armut und Ausgrenzung bedroht sind", so Gleitze.

Kirchen zeigen Verständnis

Verständnis für die geplanten Maßnahmen zeigten sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche. Der Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, bezeichnete den Maßnahmenkatalog als eine "sehr vernünftige Lösung". Eine Sprecherin der Evangelischen Kirche (EKD) sagte, man werde an Weihnachten wieder verstärkt auf Online-Angebote setzen. "Zusätzlich zu den Gottesdiensten, die unter strengen Schutzkonzepten stattfinden, werden wir über Online-Formate und Fernsehgottesdienste wie schon an Ostern viele Millionen Menschen erreichen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 14.12.2020 | 06:00 Uhr

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