Stand: 04.09.2018 18:45 Uhr

Ferkelkastration: Frust über abgelehnten Übergang

Nur noch vier Monate - dann müssen Ferkel betäubt werden, wenn sie kastriert werden sollen. So sieht es eine Änderung des Tierschutzgesetzes vor, welche der Bundestag bereits vor fünf Jahren beschlossen hat - und die zum 1. Januar 2019 greift. Und so wird es wohl nun auch kommen: Eine vom Land Niedersachsen geforderte Verlängerung der Frist für drei Jahre ist vom Ausschuss für Agrarpolitik des Bundesrates abgelehnt worden, genauso wie eine von Bayern und Mecklenburg-Vorpommern geforderte Fristverlängerung um fünf Jahre.

Otte-Kinast: "Bin maßlos enttäuscht"

Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) zeigte sich "maßlos enttäuscht" über die Entscheidung, wie es in einer Mitteilung des Ministeriums hieß. Die bekannten Alternativen der Ferkelkastration ohne Betäubung könnten flächendeckend in Niedersachsen aus "verschiedenen Gründen" nicht umgesetzt werden. Der Verzicht auf eine Fristverlängerung würde daher für viele Sauenhalter in niedersächsischen Familienbetrieben das Ende bedeuten, sagte die Ministerin.

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Niedersachsen setzt sich beim Bund für eine Fristverlängerung bei der betäubungslosen Ferkelkastration ein. Bis Ende 2023 soll demnach eine Übergangsregelung gelten. Video (03:06 min)

Endgültige Entscheidung am 21. September?

Niedersachsen werde sich daher weiter für eine Fristverlängerung einsetzen, so Otte-Kinast. Die nächste Sitzung des Bundesrates ist für den 21. September vorgesehen, dann könnte erneut über eine Fristverlängerung abgestimmt werden. Das Landvolk Niedersachsen, das sich zuvor für einen Aufschub ausgesprochen hatte, hofft auf ein Umdenken bis dahin. Die Chancen, dass es dazu kommt, stehen nach der am Montag erfolgten Ablehnung durch den Ausschuss für Agrarpolitik aber schlecht.

AbL: Viele Betriebe haben sich auf Aufschub verlassen

Überrascht zeigte sich die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Niedersachsen (AbL): Bei der Interessensvertretung von bäuerlichen Betrieben hatte man mit einer Übergangsfrist gerechnet, wie der AbL-Landesvorsitzende Ottmar Ilchmann NDR 1 Niedersachsen sagte. Obwohl der Ausstieg aus der betäubungslosen Kastration schon 2013 beschlossen wurde, hätten sich sogar viele Betriebe auf den Aufschub verlassen, so Ilchmann.

Debatte um Ferkelkastration: Worum geht es?

  • Ferkel werden kastriert, um den von vielen Verbrauchern als störend empfundenen Ebergeruch beim Erhitzen des Fleisches auszuschließen. Viele Tierschützer sind gegen die Kastration.
  • Alternativ stehen laut Agrarministerium mehrere Verfahren zur Verfügung: Die Jungebermast, die Jungebermast mit Impfung gegen den Ebergeruch (die sogenannte Immunokastration) und die chirurgische Kastration unter Inhalations- oder Injektionsnarkose.
  • Als weitere Möglichkeit gilt der in Dänemark angewandte "Skandinavische Weg". Darunter versteht man eine Kastration nach einer Lokalanästhesie, die durch den Landwirt vorgenommen wird. Nach Angaben des Agrarministeriums müssten dafür aber sowohl das Tierschutzgesetz als auch das Arzneimittelgesetz geändert werden.
  • Alle vier Möglichkeiten werden laut Ministerium bereits in der Praxis geprüft, gelten aber nicht als ausreichend wissenschaftlich erforscht.

ISN: Frust bei Schweinehaltern ist groß

Kritik äußert die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) mit Sitz in Damme (Landkreis Vechta): Die Politik müsse praktikable Alternativen möglich machen, bevor das Gesetz in Kraft tritt, sagte eine Sprecherin dem NDR. Die Frustration in den Betrieben sei bereits groß, viele stünden kurz vor der Aufgabe, so die ISN-Sprecherin.

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Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 | 04.09.2018 | 18:00 Uhr

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