Stand: 30.04.2020 14:49 Uhr

Energiewende im Windschatten der Corona-Pandemie

Windräder mit dahinterliegendem Kohlekraftwerk © photocase.de Foto: birdys
Niedersachsen fordert bei den wegen der Corona-Pandemie nötigen Wirtschaftsprogrammen auf klimafreundliche Technologien zu setzen. (Archivbild)

Das niedersächsische Umweltministerium will zusammen mit den Niedersächsischen Unternehmerverbänden (UVN) und dem Deutschen Gewerkschaftsbund die Energiewende voranbringen - im Windschatten der Corona-Pandemie. Die Akteure haben gemeinsam einen Appell an die Bundesregierung formuliert: "Energiewende jetzt!", fordern sie. Der Bund solle "ein Konjunkturprogramm mit Blick auf wichtige klimapolitische Ziele" aufstellen. Am Montag beraten sich die Energieminister in einer Konferenz.

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Umweltminister: Arbeitsplätze für die "Märkte der Zukunft"

"Angesichts der absehbaren staatlichen Milliarden-Investitionen nach der Corona-Krise brauchen wir ein klimapolitisches Konjunkturprogramm als Treiber für die Wirtschaft mehr denn je", erklärte Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD). Da mit diesen Programmen die Zukunft des Landes gestaltet würde, müssten die Investitionen in klimafreundliche Technologien und Produkte fließen, so der Minister. So könnten nach der Corona-Krise Arbeitsplätze für die "Märkte der Zukunft" entstehen. Bereits heute seien die Folgen des Klimawandels in Gestalt von Dürreperioden zu spüren. "Im Klimaschutz steckt auch die große Chance für die Wirtschaft. Wenn wir nicht handeln, werden alle dabei verlieren."

Energiewende als Wirtschaftsfaktor

Nach Ansicht von Volker Müller, Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen, könnten klimafreundliche Technologien durch ein europäisches und nationales Konjunkturprogramm im Zuge der Pandemie gefördert werden. Konkret fordert Müller beispielsweise eine "nationale Wasserstoffstrategie, eine technologie- und materialoffene Forschung und Entwicklung, kürzere Entwicklungs-, Marktreife- und Genehmigungsprozesse, innovative Finanzierungsansätze und Marktmechanismen sowie noch mehr Kooperationsmöglichkeiten." Geistiges Eigentum und der Schutz von Geschäftsgeheimnissen müssten gewahrt bleiben. Der Vorsitzende des DGB-Bezirks Niedersachsen-Bremen-Sachsen-Anhalt, Dr. Mehrdad Payandeh, betonte, wie wichtig es sei, in der aktuellen Krise die "Wirtschaft zu stabilisieren und Arbeitsplätze zu sichern." Es sei "höchste Zeit" für Investitionen. "Wachstum, Gute Arbeit und Dekarbonisierung sind dabei keine Gegensätze", so Payandeh.

Windrotor als Wirtschaftsmotor?

Umweltminister Lies forderte im Vorfeld der Energieminister-Konferenz am kommenden Montag zudem eine "Senkung der Steuer- und Abgabenlast auf den Strompreis bis zum europarechtlich zulässigen Minimum." Windkraft, Solarenergie, Offshore-Windenergie sowie Stromnetze und Speichertechnologien müssten ausgebaut werden. Bürger sollten an Windanlagen beteiligt werden. Niedersachsen könne "zum ökologischen Wirtschaftsmotor Deutschlands" werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 30.04.2020 | 16:00 Uhr

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