Die ehrenamtliche Rettungsschwimmerin Anneke und ihr Kollege Luca überwachen einen Badestrand an der Nordsee bei Schillig. © dpa/picture alliance Foto: Mohssen Assanimoghaddam

DLRG: Ehrenamtliche 2020 sechs Millionen Stunden im Einsatz

Stand: 19.05.2021 19:39 Uhr

Die Rettungsschwimmer der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) haben im vergangenen Jahr 901 Menschen vor dem Ertrinken bewahrt. Die Retter warnen: Es gebe immer mehr Nichtschwimmer.

Am Mittwoch gab DLRG-Präsident Achim Haag in Hannover die Bilanz-Zahlen für 2020 bekannt. Insgesamt halfen die Rettungskräfte demnach in 24.747 Fällen Seglern, Surfern und Bootsbesatzungen an den deutschen Küsten und Binnengewässern. Bei 28 Einsätzen brachten die Retterinnen und Retter den Angaben zufolge dabei ihr eigenes Leben in Gefahr.

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"Leichtsinn, Selbstüberschätzung und Unkenntnis"

Besonders im Sommer sei die Arbeit der DLRG bedeutend, sagte Haag. "In 2020 waren die innerdeutschen Küstenabschnitte und Binnengewässer coronabedingt deutlich stärker besucht als in den Vorjahren", so der Präsident. "Gerade der Monat August hat die Rettungseinsätze in die Höhe schnellen lassen. Leichtsinn, Selbstüberschätzung oder Unkenntnis über die Gewässer bleiben weiter die häufigsten Ursachen."

Ehrenamtliche investieren sechs Millionen Stunden

Rund 41.000 Retterinnen und Retter habe die DLRG im vergangenen Jahr eingesetzt. Sie bewachten 1.375 Freigewässer und 1.479 Schwimmbäder. Insgesamt haben Mitglieder der DLRG im vergangenen Jahr ehrenamtlich knapp sechs Millionen Stunden abgeleistet, wie Haag mitteilte. Nach vielen Jahren des Mitgliederzuwachses habe die Gesellschaft im vergangenen Jahr aber einen Rückgang der Mitgliederzahlen hinnehmen müssen. Die Zahl sei um knapp vier Prozent gesunken auf jetzt 551.664 Mitglieder.

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Nichtschwimmer bereiten den Rettern Sorgen

Stark zurückgegangen ist auch die Zahl der Schwimmprüfungen im vergangenen Jahr. 23.458 Prüfungen haben Ausbilderinnen und Ausbilder laut DLRG abgenommen - damit seien knapp 75 Prozent weniger Menschen zu sicheren Schwimmern ausgebildet worden als 2019 (92.913). 14.566 Seepferdchen wurden demnach ausgehändigt - ein Rückgang um mehr als 70 Prozent. "Der Zusammenhang mit der Pandemie liegt hier auf der Hand. Dieser dramatische Rückgang nahezu aller Zahlen bereitet uns große Sorgen", sagte der DLRG-Präsident. "Hier sprechen wir mittlerweile von mindestens einem, wenn nicht sogar schon von zwei verlorenen Jahrgängen in der Schwimmausbildung."

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Haag warnt vor der Schließung von Schwimmbädern

Haag betonte, dass die Bedingungen für die Schwimmausbildung schon länger verbesserungsfähig seien. Schon vor der Corona-Pandemie konnten ihm zufolge fast 25 Prozent aller Grundschulen keinen Schwimmunterricht anbieten, weil ihnen kein Schwimmbad zur Verfügung stand. "Durch die Schließung der Bäder wird der Kampf gegen das Ertrinken deutlich erschwert. Durch Corona und seine Folgen haben wir signifikant mehr Nichtschwimmerinnen und Nichtschwimmer in Deutschland, was nicht zuletzt ein dauerhaft erhöhtes Ertrinkungsrisiko innerhalb der Bevölkerung zur Folge hat", mahnte Haag.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 19.05.2021 | 15:00 Uhr

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