Stand: 29.07.2020 13:02 Uhr

Corona: Kaum noch Nachfrage nach Masken

Schaufensterpuppen mit Masken und Mützen im Schaufenster. © picture alliance Foto: geisler fotopress Snapshot Tobias Seeliger
Von Mangel keine Spur mehr: Mittlerweile ist der Markt für Masken gesättigt. (Themenbild)

In Niedersachsen herrscht derzeit kein Mangel an Schutzmasken. Während zu Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr der Mund-Nase-Schutz noch ein knappes Gut war, sind die Lager bei vielen Unternehmen jetzt voll. Auch niedersächsische Unternehmen waren im Frühjahr in die Maskenproduktion eingestiegen, so auch der Osnabrücker Automobilzulieferer Zender. Die Firma fertigte über Wochen keine Interieur-Verkleidungsteile für Nobelautos, sondern Atemmasken. Statt Kurzarbeit zu beantragen, wurden kurzfristig 300 Leiharbeiter eingesetzt, sagte Lena Guth, Leiterin des inzwischen gegründeten Geschäftsbereichs für persönliche Schutzausrüstung. "Wir konnten die bestehenden Anlagen auch für die Masken-Produktion nutzen."

Nachfrage im Juni eingebrochen

Seit im Juni die Nachfrage eingebrochen ist, herrscht in der Produktionshalle wieder Ruhe. Der Markt sei inzwischen gesättigt, die Lager der Krankenhäuser und Ärzte mit Masken gut gefüllt, sagte Guth. Dennoch will Autozulieferer Zender, der zu einer italienischen Muttergesellschaft gehört, auch künftig Masken produzieren: "Das ist ein neuer Geschäftsbereich, in den wir mit großer Ernsthaftigkeit eingestiegen sind." Das Unternehmen habe begonnen, sich einen Kundenkreis zu erarbeiten.

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Unternehmer: "Produktion rechnet sich nicht"

Von April bis Anfang Mai wurden in Deutschland schätzungsweise 22 Millionen Masken pro Woche produziert, davon etwa 2,5 Millionen FFP-Masken, 7,5 Millionen OP-Masken und 12 Millionen Alltagsmasken. Das hat eine Umfrage des Gesamtverbandes der deutschen Textil- und Modeindustrie ergeben. Wie die Situation jetzt, im Sommer 2020, ist, weiß keiner. "Diese Umfrage haben wir nur einmal gemacht", sagte eine Verbandssprecherin. Längst nicht alle Hersteller seien dem Geschäftsfeld treu geblieben. "Wir sind aus der Produktion längst wieder ausgestiegen", sagte etwa Klaus Otte vom Rennbekleidungshersteller Bebek-Racewear aus Bevern im Landkreis Holzminden.

Zum eigentlichen Geschäftsfeld zurückgekehrt

Aufgenommen worden sei die Produktion auch nur eher aus Gefälligkeit für einen benachbarten Unternehmer, der dringend 150 Masken für seine Mitarbeiter brauchte, sie wegen der weltweiten Lieferschwierigkeiten aber nicht bekam. 150 Mundschutz-Masken seien hergestellt worden. Dadurch seien andere Abnehmer hinzugekommen, so dass insgesamt 5.000 Stück hergestellt worden seien. Für die Produktion der Masken seien sogar Überstunden gefahren worden, sagte Otte. "Aber jetzt haben wir wieder angefangen, Rennanzüge zu machen." Wirtschaftlich lohne sich die Produktion in Deutschland nicht angesichts der Konkurrenz aus China.

Für Ärzte gilt Wirtschaftlichkeitsgebot

Das liegt vor allem an den hohen Lohnkosten in Deutschland im Vergleich zu China. Mediziner dürften nicht ohne weiteres teurere Produkte kaufen, um heimische Unternehmen zu unterstützen selbst wenn sie wollten, sagte Uwe Köster aus der Pressestelle der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN): "Wir haben das Wirtschaftlichkeitsgebot in der medizinischen Versorgung." Andererseits hätten die Erfahrungen aus dem Frühjahr gezeigt, dass heimische Produktionskapazitäten sinnvoll seien. Sollte der Staat wollen, dass auch deutsche Produzenten trotz möglicher Preisnachteile zum Zuge kommen, müsste also erst der rechtliche Rahmen geändert werden.

Jetzt sind Produktionsanlagen Mangelware

Auch Lena Guth von Zender sagte, dass sich eine Produktion in Deutschland nur bei einer vollautomatischen Produktion lohne. Die Maschinen dazu seien entwickelt. Allerdings gebe es im Moment einen Engpass bei der Lieferung eben dieser Maschinen wegen der großen Nachfrage. Die Entwicklung auf dem Markt sei sehr dynamisch. "Das hat sich alles verschoben - erst waren Masken und das Rohmaterial knapp, inzwischen sind es die Produktionsanlagen."

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 29.07.2020 | 12:00 Uhr

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