Stand: 23.04.2020 20:37 Uhr

Corona: Erste Reihentests im Kreis Aurich laufen

Knapp 9.600 Corona-Infizierte soll es in Niedersachsen laut Gesundheitsministerium geben. Doch die Zahlen sind oft ungenau. Vor allem nach Wochenenden und Feiertagen wie Ostern gibt es einen Verzug, weil Labore Proben nicht durchgehend untersuchen. Zudem geben die Zahlen laborbestätigte Fälle wieder - aber es wird nicht jede Bürgerin und jeder Bürger getestet. Der Landkreis Aurich hat nun für sich einen Ansatz gefunden, um die Dunkelziffer auszuleuchten: eine Reihenuntersuchung.

Aurich testet 2.000 Menschen in zwei Phasen

Diese Reihenuntersuchung soll in zwei Schritten erfolgen und rund 2.000 Tests umfassen. In einem ersten Schritt nehmen Gesundheitsbehörden im Landkreis und der Stadt Emden 1.000 Abstriche. Der Fokus liege auf Mitarbeitern von Kliniken und Pflegeeinrichtungen, sagte der Gesundheitsdezernent des Landkreises, Frank Puchert (parteilos). Zudem habe man Firmen angeschrieben, an der Testreihe teilzunehmen. Deren Mitarbeitende sollen eine Vergleichsgruppe bilden. Diese Phase hat vergangenen Donnerstag begonnen und soll diese Woche andauern. In einem zweiten Schritt sollen sich voraussichtlich ab Mai 1.000 Bürgerinnen und Bürger freiwillig testen lassen können. So wolle man einen repräsentativen Querschnitt erreichen. Die Kosten übernehme der Landkreis. Allein die erste Phase wird mit 60.000 Euro veranschlagt.

Kritik vom Land und den Krankenkassen

Beim niedersächsischen Gesundheitsamt hält sich die Begeisterung über den Reihentest in Aurich in Grenzen. Hauptkriterien für einen Test seien auf Grundlage der Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) das Auftreten von Symptomen sowie der Kontakt mit Covid-19-Erkrankten. Eine große Anzahl an Menschen zu testen, halte man nicht für sinnvoll. "Jemand, der heute negativ getestet wurde, kann am nächsten Tag dennoch positiv werden", sagte ein Ministeriumssprecher. Reihentests würden erst eine größere Rolle spielen, wenn die ersten verlässlichen und exakten Antikörpertests verfügbar sind, um zu sehen, wie viele immun sind. Kritik kam auch von der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). "Es gibt immer die eine Seite des Sinnvollen und die andere Seite des Machbaren. Sinnvoll ist es natürlich, wenn man die gesamte Bevölkerung der Bundesrepublik testen könnte", sagte ein Sprecher. Das sei allerdings "absolut utopisch".

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 20.04.2020 | 09:30 Uhr

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