Stand: 17.04.2018 12:11 Uhr

Chronik: Was geschah wann im Fall "Chico"?

Der Fall sorgte bundesweit für Aufsehen: In der Nacht zum 4. April biss der Staffordshire-Mischling "Chico" seinen 27-jährigen Halter und dessen 52-jährige Mutter tot. Bei der Aufarbeitung des Falls musste die Stadt Hannover große Versäumnisse einräumen, denn der Hund wurde schon 2011 als aggressiv gemeldet. Das Veterinäramt sollte damals eigentlich den Hund aus der Familie holen - was aber nicht geschah. Eine Chronologie der Ereignisse:

Axel von der Ohe vom Ordnungsdezernat Stadt Hannover

Hundeattacke: Haben die Behörden versagt?

Hallo Niedersachsen -

Nachdem ein Staffordshire-Terrier zwei Menschen totgebissen hat, nimmt die Stadt Hannover Stellung zum Vorfall und räumt Fehler ein: "Das Tier hätte dem Halter entzogen werden müssen."

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2005

Medienberichten zufolge wird die Mutter von ihrem Ex-Mann mit einer Axt angegriffen und schwer verletzt. Nach diesem Vorfall ist sie auf den Rollstuhl angewiesen und ein Pflegefall. Während des Prozesses soll der Ex-Mann Frau und Kinder bedroht haben. Später wird spekuliert, dass sich die Familie "Chico" zum Schutz vor dem Ex-Mann und Vater zugelegt hat.

März 2011

Die Stadt Hannover bekommt vom Amtsgericht Hinweise darauf, dass es Probleme mit der Familie und dem Hund gebe. Die Familie stand zu der Zeit unter gesetzlicher Betreuung. Ein Familienbetreuer und eine Hundetherapeutin schicken Gutachten ans Veterinäramt, auch ein psychiatrisches Gutachten geht beim Amt ein. Das Ergebnis: Der Hund zeige eine gesteigerte Aggressivität und der Sohn sei als Halter ungeeignet. Daraufhin soll der Halter sein Tier begutachten lassen. Dieser Aufforderung kommt er aber nicht nach, sodass die Stadt anordnet, den Hund aus der Familie zu holen - was nicht geschieht. Der Ordnungsdezernent der Stadt Hannover wird das bei einer Pressekonferenz am 9. April 2018 als "großes Versäumnis" bezeichnen.

2014

Eine Inspektorin des Tierschutzvereins Hannover besucht zum ersten Mal die Familie. Nachbarn hatten gemeldet, dass der Hund in einem Zwinger im Zimmer des Sohnes gehalten werde, sein Geschäft auf dem Balkon verrichten müsse und zudem ständig belle. "Chico" ist bei den Besuchen weggesperrt und bellt, die Inspektorin kann aber keine Vernachlässigung feststellen.

Der Staffordshire-Terrier-Mischling "Chico" steht in einem Gehege im Tierheim Hannover. © dpa-Bildfunk Fotograf: Hauke-Christian Dittrich

Tödlicher Hundeangriff: "Wie kann das sein?"

NDR 2 - Der NDR 2 Vormittag -

Wie konnte es zur tödlichen Hundeattacke in Hannover kommen? Hundetrainerin Wiltrud Remstedt, die Chico kennengelernt hat, zeigt sich im NDR 2 Interview fassungslos.

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2016

Die Inspektorin wird ein zweites Mal zur Familie geschickt. Erneut stellt sie keine Vernachlässigung fest.

3. April 2018

Eine Schwester des 27-jährigen Hundehalters hat vergeblich versucht, ihre Familie zu erreichen und fährt deshalb am Abend zur Wohnung im Stadtteil Groß-Buchholz. Sie entdeckt den blutüberströmten Körper ihres Bruders in der Wohnung und ruft die Polizei. Am Telefon warnt sie die Beamten vor "dem Kampfhund" in der Wohnung. In der Nacht brechen Feuerwehrleute die Tür der Wohnung auf und fangen das Tier mit einer Schlinge ein. Danach werden die Leichen des 27-jährigen Hundehalters und seiner 52-jährigen Mutter geborgen.

4. April 2018

Ersten Untersuchungen eines Rechtsmediziners zufolge wurden Mutter und Sohn durch Bisse des Staffordshire-Mischlings getötet. Eine Obduktion der Leichen wird angeordnet. Der Hund wird im Tierheim in Langenhagen untergebracht.

5. April 2018

Der Tierschutzverein Hannover äußert sich zum Vorfall. Geschäftsführer Heiko Schwarzfeld betont: "Der Hund zeigte damals keine Anzeichen von Vernachlässigung." Stadtsprecher Udo Möller erklärt, dass der Hund bei der Stadt nicht als auffällig oder gefährlich gemeldet gewesen sei. In den vergangenen fünf Jahren habe es keine Beschwerden über den Hund gegeben. Die Besuche durch den Tierschutzverein seien der Stadt ebenfalls nicht bekannt gewesen.

6. April 2018

Die Obduktion ergibt zweifelsfrei, dass Sohn und Mutter an den Bissverletzungen gestorben sind, die ihnen der Staffordshire-Mischling zugefügt hat. Am Abend wird bekannt, dass die Stadt doch schon von "Chico" wusste: Der Hund war den Behörden bereits 2011 aufgefallen. Die genauen Umstände sollen untersucht werden. Im Internet starten Tierschützer eine Petition, mit der sie verhindern wollen, dass "Chico" eingeschläfert wird.

7. April 2018

Unbekannte versuchen, in das Tierheim in Langenhagen einzubrechen, in dem der Hund immer noch untergebracht ist. Sie überwinden einen Zaun und versuchen dann, eine Tür aufzuhebeln, hinter der sich mehrere Zwinger befinden. Der Versuch scheitert.

8. April 2018

Das Tierheim Langenhagen schlägt vor, den Staffordshire-Mischling in einer speziellen Einrichtung für auffällig gewordene Hunde unterzubringen. Diese Einrichtung befindet sich außerhalb Niedersachsens. Die Stadt Hannover kündigt an, den Vorschlag zu prüfen und gemeinsam mit dem Tierheim eine Entscheidung zu treffen.

9. April 2018

Ordnungsdezernent Axel von der Ohe spricht bei einer Pressekonferenz zum Fall von einem "großen Versäumnis" seitens des Veterinäramtes. Warum die Entscheidung, den Hund aus der Familie zu nehmen, damals nicht ausgeführt wurde, sei "kaum erklärlich", so von der Ohe. Man prüfe nun die rechtlichen Konsequenzen, unter anderem die arbeitsrechtlichen Schritte. Zudem sei man mit den Mitarbeitern, die den Fall damals bearbeitet haben, in Kontakt. Einige davon sind noch bei der Stadt beschäftigt.
Christiane Mehl vom Veterinäramt sagt, dass es dem Hund soweit gut gehe. Er sei munter und wohlgenährt. Er habe aber eine "schmerzhafte Umfangsvermehrung am Kiefer", bei der es sich um einen Tumor handeln könnte. Er werde deshalb medikamentös behandelt.

10. April 2018

Die Staatsanwaltschaft beschäftigt sich nun mit dem Fall "Chico". Oberstaatsanwalt Thomas Klinge geht von einer schwierigen rechtlichen Prüfung aus, da der Zeitpunkt, an dem der Fehler begangen wurde, so weit zurückliege.

11. April 2018

Zwei Experten der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) untersuchen den Hund im Tierheim, um zu klären, ob "Chico" bei einem Wesenstest begutachtet werden kann. Für den Test muss der Hund einen Maulkorb tragen, was derzeit wegen einer schmerzhaften Schwellung am Kiefer nicht möglich ist. Erst nach dem Wesenstest soll entschieden werden, ob der Staffordshire-Mischling eingeschläfert wird. Um die Ursache der Schwellung zu klären, ordnen die Experten eine computertomografische Untersuchung (CT) an.

12. April 2018

Heiko Schwarzfeld, Geschäftsführer des Tierschutzvereins Hannover, bestätigt auf Anfrage von NDR.de, dass die Stadt die Kosten für die computertomografische Untersuchung des Staffordshire-Mischlings übernimmt. Auch die Unterbringung im Tierheim zahlt die Stadt. Wie hoch die Kosten insgesamt sind, teilen Tierheim und Stadt nicht mit.

16. April 2018

"Chico" ist zwei Wochen nach der tödlichen Attacke eingeschläfert worden. Dazu entschied sich die Veterinärbehörde nach einer Untersuchung des Mischlings.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 16.04.2018 | 18:00 Uhr

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