Stand: 02.02.2020 06:00 Uhr

Wie Moore dem Klimaschutz dienen könnten

von Marie Löwenstein

Heute wird der Welttag der Feuchtgebiete begangen. Für Norddeutschland typische Feuchtgebiete sind Moore. Sie bieten nicht nur vielen Pflanzen und Tierarten Heimat, sie können auch besonders viel Kohlendioxid speichern. Deswegen fordern Politiker und Forscher ihre Renaturierung.

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So sind ein Moor aus, das nicht entwässert worden ist: das Naturschutzgebiet Hellbachtal im Kreis Herzogtum Lauenburg in Schleswig-Holstein.

Sie galten früher als unheimlich und gefährlich. Heute weiß man: Moore können einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Denn durch Moor-Pflanzen gelangt Kohlendioxid in den Boden, das dort im Torf gespeichert wird - aber nur so lange, wie der Grund mit Wasser bedeckt ist. Wird er entwässert, um Wiesen und Ackerland zu gewinnen, gibt der Boden den Kohlenstoff wieder in die Atmosphäre ab. "Das geschieht durch Gräben, die gezogen werden, um die Flächen besser zu bewirtschaften", sagt Franziska Tanneberger, Moor-Expertin an der Universität Greifswald. "Heute wissen wir, dass das zur Belüftung der Moorböden führt und dadurch zu sehr hohen Kohlendioxid-Emissionen."

Nur noch ein Bruchteil der Moorfläche

Jährlich machen die Ausdünstungen aus ehemaligen Moorböden mehr als fünf Prozent der deutschen Kohlendioxid-Emissionen aus. In moorreichen Bundesländern wie Mecklenburg-Vorpommern liegt dieser Wert sogar noch höher. Dort stoßen trockengelegte Moorböden fast 30 Prozent der jährlichen Kohlendioxid-Emissionen aus.

Umso wichtiger sei es, dass die wenigen noch intakten Moore nicht entwässert und dort kein Torf mehr abgebaut werde, betont Tanneberger. "Wir haben in Deutschland leider nur noch einen Bruchteil unserer früheren Moorfläche. Daher ist es eine riesige Aufgabe, dass wir diese verbliebenen Reste bei uns schützen."

Landwirte könnten Schilf anbauen

Nur vier Prozent der Moorböden in Deutschland sind heute noch Feuchtgebiete. Das müsse aber nicht so bleiben, meinen die Forscher aus Greifswald. Große Flächen könne man wieder vernässen und damit verhindern, dass sie weiter Kohlendioxid ausstoßen. Und das mit recht einfachen Mitteln: Sobald man die Entwässerungs-Gräben beseitige, entstehen mit der Zeit automatisch wieder Moorlandschaften, die sogar zusätzliches Kohlendioxid einlagern könnten.

Die Flächen könnten auch weiter landwirtschaftlich genutzt werden - zum Beispiel für den Anbau von Schilf für Reetdächer. Das Schilf werde zurzeit hauptsächlich aus dem Ausland importiert.

Für Bauern gebe es aber derzeit wenig Anreize, ihre Moorböden anders zu nutzen, kritisiert Tanneberger. Denn dann falle die EU-Förderung weg: "Ich kann nachvollziehen, dass ein Landwirtschaftsbetrieb, der nicht die Sicherheit hat, dass diese nassen Flächen auch in der Agrarförderung bleiben, erhebliche Bedenken hat, höhere Wasserstände für den Klimaschutz zuzulassen", räumt die Wissenschaftlerin ein.

Bio-Bauern sind für Renaturierung

Entsprechend zurückhaltend reagiert der Bauernverband auf Forderungen, die Moore wiederherzustellen. In der Klimaschutz-Strategie des Verbandes heißt es, solche Maßnahmen stellten "einen sehr weitreichenden Eingriff in bestehende Eigentums- und Produktionsverhältnisse dar". Alternative Bewirtschaftungsformen seien zudem noch in der Pilotphase. 

Offener zeigen sich die Bio-Bauern. Ihr Dachverband fordert explizit eine Renaturierung der Moorböden. Die Politik müsse die Bauern aber mit neuen Finanzierungsinstrumenten unterstützen.

"Ein Umdenken ist nötig"

Das fordert auch Steffi Lemke, Grünen-Abgeordnete im Bundestag. Zudem sei ein wirtschaftliches Umdenken der Bauern nötig: "Das wird sich nicht alles dauerhaft mit immer neuen Förderprogrammen finanzieren lassen. Dafür reichen die öffentlichen Gelder über die Jahrzehnte einfach nicht aus. Deshalb sind beide Partner, also der Staat und die Bauern, gefragt."

Viele Treibhaus-Emissionen ließen sich einsparen

Das neue Klimaschutzprogramm der Bundesregierung sieht bereits mehr Förderung vor. Allerdings müssten diese Maßnahmen viel konkreter ausgestaltet werden, fordern die Moor-Forscher in Greifswald. Denn das Klimaschutz-Potenzial für die Landwirtschaft sei enorm, rechnet Franziska Tanneberger vor: Mit der Vernässung der Moorböden, die nur sieben Prozent der landwirtschaftlichen Fläche ausmachen, könnte die Branche mehr als ein Drittel ihrer Treibhaus-Emissionen einsparen.

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NDR Info | Aktuell | 01.02.2020 | 09:38 Uhr