Stand: 17.04.2020 15:30 Uhr

Pro und Kontra: Die Sommerferien verkürzen?

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat eine Verkürzung der Sommerferien ins Gespräch gebracht. "Bis auf Ausnahmen bleiben die Schulen noch einige Zeit geschlossen. Daher frage ich mich, ob die Verantwortlichen in den Ländern darüber nachdenken, die Schulferien in der Sommerzeit etwas zu verkürzen", sagte der CDU-Politiker der Zeitung "Augsburger Allgemeine" Ein solcher Schritt böte Schülern die Gelegenheit, den durch die Corona-Pandemie versäumten Unterrichtsstoff nachzuholen.

Die NDR Info Redakteure Michael Weidemann und Nils Kinkel haben dazu unterschiedliche Ansichten. Wie ist Ihre Meinung? Schreiben Sie uns - unten auf dieser Seite.

Pro

"Die Klassen haben etliches nachzuholen", meint Michael Weidemann.

NDR Info Redakteur Michael Weidemann
Die Ferien-Zeit könne man im Herbst besser nutzen, meint Michael Weidemann.

Wolfgang Schäuble liegt richtig: Nach der langen unfreiwilligen Auszeit an Deutschlands Schulen wäre eine Verkürzung der Sommerferien in diesem Jahr sicher sinnvoll. Denn auch wenn sich die Lehrerinnen und Lehrer mit ihrem improvisierten Online-Unterricht große Verdienste erworben haben: Viel Stoff ist zwangsläufig unvermittelt geblieben, Gymnasiasten wie Gemeinschafts- und Stadtteilschulkinder haben etliches nachzuholen.

Und woher nimmt man sinnvollerweise die dafür fehlende Zeit? Von den traditionell sechs Wochen dauernden Sommerferien, die die Schülerinnen und Schüler mit ihren Familien in diesem Jahr ohnehin nicht wie gewohnt werden nutzen können. Urlaubsreisen sind in jenen Monaten eher unwahrscheinlich: Und ob die jungen Leute angesichts der dann immer noch vorherrschenden Ausnahmesituation wirklich abschalten können, ist auch mehr als fraglich.

Da macht es Sinn, zwei oder drei Wochen weiterzulernen - wieder in den Klassenzimmern, wie man heute nur hoffen kann. Wobei Ferienkürzung nicht einfach Ferienstreichung heißen darf. Denn natürlich brauchen Schüler und Pädagogen ausreichend Zeit zur Regeneration. Die Ferienwochen, die im Sommer ausfallen, müssen später ausgeglichen werden: im Herbst oder im kommenden Frühjahr, wenn die Pandemie abgeflaut und der fehlende Unterrichtsstoff nachgeholt worden ist.

Schüler wie Lehrer dürften dann deutlich mehr haben von der schulfreien Zeit, auf die sie in diesem Sommer erst einmal verzichten müssten.

Kontra

"Macht die Klassenzimmer auf - auch in der Ferienzeit, aber freiwillig", meint Nils KInkel.

Nils Kinkel © NDR Foto: Christian Spielmann
Nils Kinkel macht sich keine Sorgen, dass seine Kinder durch den Schulausfall verblöden.

Finger weg von den Schulferien! Bei allem Chaos im Familienleben möchte ich mich wenigstens auf die Sommerferien mit meinen Kindern freuen. Dann, wenn es warm ist und wir raus können.

Mal kurz zur Erinnerung. Die letzten Herbstferien hat es in Norddeutschland zwei Wochen durchgeregnet. Das klingt vielleicht sehr egoistisch, aber die strengen Vorgaben mit Schulbeginn um acht Uhr morgens und Ferienregelung je nach Laune einer Staatskanzlei können in Zeiten von Homeschooling gerne mal wieder grundsätzlich hinterfragt werden.

Eine Schulpflicht wird es dieses Jahr sowieso nicht mehr geben. Das ist nur fair für alle Risikogruppen, die lieber einen sicheren Weg in der Corona-Zeit gehen wollen. Und eine Schule ist auch kein Rundum-Sorglos-Paket für berufstätige Eltern. Keine Frage: Für benachteiligte Kinder, für schwächere Schüler oder Alleinerziehende muss es jetzt schon Räume, Rechner und Pädagogen geben, die in der schwierigen Zeit helfen. Macht die Klassenzimmer also auf für kleine Gruppen, gerne auch in der Ferienzeit. Aber freiwillig. Als zusätzliches Angebot, um vielleicht auch noch mal eine Prüfung nachzuholen.

Für alle anderen Eltern gibt es Fußballcamps oder Kinderfreizeiten. Das klappt in unserer Leistungsgesellschaft doch jetzt schon ganz gut.

Ich persönlich mache mir nämlich keine Sorgen, dass meine Kinder durch den Schulausfall verblöden. Unsere Lehrer unterstützen uns wirklich großartig: Sie schicken Aufgaben mit der Post, sie rufen die Kinder an, auch wenn das den persönlichen Kontakt natürlich nicht ersetzen kann. Und den Rest lernen wir jetzt am Computer, zusammen.

Ich bin übrigens auch mal in Kanada zur Schule gegangen. Zwei Wochen Weihnachtsferien, zwei Wochen Frühlingsferien und zwei Monate Sommerferien! Gar nicht doof, oder?

 

Anmerkung der Redaktion: Liebe Leserin, lieber Leser, die Trennung von Meinung und Information ist uns besonders wichtig. Meinungsbeiträge wie dieser Kommentar geben die persönliche Sicht der Autorin/des Autors wieder. Kommentare können und sollen eine klare Position beziehen. Sie können Zustimmung oder Widerspruch auslösen und auf diese Weise zur Diskussion anregen. Damit unterscheiden sich Kommentare bewusst von Berichten, die über einen Sachverhalt informieren und unterschiedliche Blickwinkel möglichst ausgewogen darstellen sollen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentar | 17.04.2020 | 17:08 Uhr

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