Stand: 27.02.2020 15:50 Uhr

FAQ: Fragen und Antworten zur Masern-Impfpflicht

Im vergangenen Jahr hat die Bundesregierung die Impfpflicht gegen Masern beschlossen. Ab dem 1. März 2020 müssen deshalb Eltern nachweisen, dass ihre Kinder für Kita und Schule geimpft wurden. Für wen die Impfpflicht sonst noch gilt und warum: Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Warum braucht es eine Masernimpfpflicht?

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Mit der Impfung kann eine Masernerkrankung sehr wahrscheinlich verhindert werden.

Masern gehören zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten. Sie können zu schweren Komplikationen wie Mittelohrentzündung, Lungenentzündungen und Durchfällen führen. In etwa einem von 1.000 Fällen kommt es zu einer Gehirnentzündung, die sogar tödlich enden kann. Säuglinge unter neun Monaten oder Menschen mit Immunschwäche können nicht gegen Masern geimpft werden. Sie sind darauf angewiesen, dass möglichst viele anderen Menschen geschützt sind, damit sich die Krankheit nicht ausbreitet. Dafür ist es notwendig, dass mindestens 95 Prozent der Menschen geimpft sind. Nur dann gibt es den sogenannten Herdenschutz.

Was sind Masern und wie werden sie übertragen?

Als Masern wird eine Erkrankung mit dem hochansteckenden Masernvirus bezeichnet. Die Krankheit verläuft in zwei Phasen: Patienten haben zuerst grippeähnliche Symptome, anschließend tritt ein rötlicher, fleckiger Hautausschlag auf und erneut Fieber. Das Immunsystem ist vorübergehend geschwächt. Eine Behandlung für Masern gibt es nicht. Nur die Symptome können gelindert werden.

Übertragen werden die Masern von Mensch zu Mensch. Dabei reicht schon niesen oder husten, die sogenannte Tröpfcheninfektion. So erkranken häufig alle Personen, die Kontakt zu jemandem mit Masern hatte, wenn sie nicht geimpft sind oder die Masern nicht bereits hatten. Es dauert zehn bis zwölf Tage, bis die Krankheit ausbricht, doch während dieser Zeit können sich bereits andere Menschen anstecken.

Welche Folgen können Masern haben?

Masern können ernsthafte Folgeerkrankungen nach sich ziehen. Laut Kassenärzlicher Bundesvereinigung bekommen 5 von 100 Erkrankten eine Mittelohrentzündung und einer eine Lungenentzündung. 10 von 10.000 Betroffenen erkranken an einer Gehirnentzündung. Bei jedem Dritten davon nimmt das Gehirn Schaden. Selten kann es noch Jahre später zu einer besonderen Form der Gehirnentzündung kommen. Diese sogenannte subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) verläuft immer tödlich. Von 100.000 Masernkranken sind schätzungsweise 4 bis 11 betroffen. Erkrankte Kinder unter fünf Jahren bekommen häufiger SSPE: von 100.000 etwa 20 bis 60. Schätzungen zufolge sterben von 1.000 Erkrankten etwa 1 bis 3 an Masern und deren Folgen. Bei Säuglingen und Erwachsenen kommt es häufiger zu schweren Komplikationen. 

Wie viele Fälle gab es in den vergangenen Jahren in Norddeutschland?

Seit der Einführung der Meldepflicht 2001 ging die Zahl der Masernfälle erheblich zurück. Seit 2005 kommt es jedoch zu schwankenden Zahlen aufgrund von größeren lokalen Ausbrüchen. Um die Masern zu eliminieren, darf es laut WHO jährlich nicht mehr als einen Fall pro eine Million Einwohner geben. Das heißt: maximal 82 Erkrankungen in ganz Deutschland.

Für wen gilt die Impfpflicht?

Die Impfpflicht gilt für Kinder in Kitas, Schulen und sonstigen Gemeinschaftseinrichtungen für Minderjährige. Aber auch die Gemeinschaftsunterkünfte von Asylbewerbern fallen beispielsweise unter diese Regelung. Die Bewohner müssen sich impfen lassen oder nachweisen, dass sie immun sind. Auch Personen, die in diesen Einrichtungen arbeiten, müssen geimpft sein. Dazu kommt das Personal von Krankenhäusern und Arztpraxen. Das gilt auch für Menschen, die ein Ehrenamt ausüben oder ein Praktikum machen.

Gibt es Ausnahmen?

Ja. Die Impfpflicht gilt erst für Kinder die ein Jahr alt sind. Wer außerdem aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden kann, kann sich mit einem Attest befreien lassen. Wer vor 1970 geboren wurde, ist ebenfalls befreit. Damals war die Impfung noch nicht eingeführt und ein Großteil der Menschen hatte die Masern. Wer die Krankheit einmal überstanden hat, gilt laut dem Robert Koch-Institut als lebenslang geschützt. Die Ständige Impfkommission rät allen Erwachsenen, die die Masern noch nicht hatten, die Impfung nachzuholen.

Was ist zu tun?

Die Impfung soll künftig bei allen Arztpraxen außer Zahnarztpraxen möglich sein. Der Impfpass gilt anschließend als Nachweis. Für Kinder, die nach dem 1. März 2020 in die Kita oder Schule kommen, muss der Nachweis von Beginn an vorliegen. Für Kinder, die bereits im Kindergarten oder in der Schule sind, ist der späteste Termin der 31. Juli 2021.

Wie funktioniert eine Masernimpfung?

Das Robert Koch-Institut empfiehlt, Kinder im Alter zwischen 11 und 14 Monaten das erste Mal gegen Masern impfen zu lassen. Nach frühestens vier Wochen ist eine zweite Impfung notwendig, um den kompletten Schutz sicherzustellen. Diese sollte spätestens gegen Ende des zweiten Lebensjahrs erfolgen. Häufig wird mit den Masern auch gegen Mumps und Röteln geimpft. Vielen Jugendlichen und Erwachsenen fehlt die zweite Impfung. Experten empfehlen sie deswegen nachzuholen. Bei gesetzlich Versicherten übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Impfung. Privat Versicherte bekommen sie in der Regel ebenfalls erstattet.

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Sind über 95 Prozent der Menschen geimpft, ist das ein Schutz für Menschen, die nicht geimpft werden können.

Bei der Impfung gegen Masern handelt es sich um eine sogenannte Lebendimpfung. Dafür werden Erreger der Krankheit so gezüchtet, dass sie nur sehr schwach sind und die Krankheit nicht verursachen können. Trotzdem vermehren sie sich im Körper und trainieren so die Immunabwehr.

Welche Risiken birgt die Impfung?

Schwere Komplikationen nach einer Masernimpfung sind extrem selten. Etwa 5 von 100 Menschen reagieren leicht auf die Impfung, sodass um die Einstichstelle eine Rötung oder Schwellung zu beobachten ist. Kurzfristig können auch leichte Temperaturerhöhung oder Kopfschmerzen durch die Anregung der körpereigenen Abwehr auftreten. In der zweiten Woche nach der Impfung bekommen fünf Prozent einen Hautausschlag, sogenannte Impfmasern. All diese Reaktionen sind in der Regel nur vorübergehend und klingen ohne Folgen wieder ab.

Wieso gibt es Kritik an dem Gesetz?

Kritiker des Masernschutzgesetzes führen häufig an, dass die Impfpflicht dem Recht auf körperliche Unversehrtheit widerspreche. Dagegen spricht jedoch das Recht der Mitmenschen auf körperliche Unversehrtheit. Da das Risiko, das von einer Masernimpfung ausgeht, wesentlich geringer ist als das einer Masernerkrankung, ist die Impfung hinzunehmen.

Was passiert, wenn Eltern sich der Regelung widersetzen?

Können Eltern nicht nachweisen, dass ihre Kinder geimpft sind, müssen Kitas die Kinder ablehnen. Da es in Deutschland die Schulpflicht gibt, müssen Kinder spätestens dann geimpft werden, wenn sie in die Schule kommen. Andersfalls begehen die Eltern eine Ordnungswidrigkeit. Es kann ein Bußgeld von bis zu 2.500 Euro verhängt werden. Diese Geldbuße kann auch Einrichtungen treffen, die nicht geimpfte Kinder aufnehmen.

Wie wird die Impfung kontrolliert?

Mit dem Impfpass, dem Kinderuntersuchungsheft oder einem ärztlichen Attest kann bei Einrichtungen die Impfung bzw. die bereits erlittene Krankheit oder ein Ausschlussgrund nachgewiesen werden. Auch die Bestätigung durch eine zuvor besuchte Einrichtung ist zulässig. Verweigern Eltern den Nachweis bei den Einrichtungen, sind diese verpflichtet, den Fall an das Gesundheitsamt weiterzuleiten.

Masernschutzgesetz tritt am 1. März in Kraft

Hallo Niedersachsen -

Am 1. März tritt das Masernschutzgesetz in Kraft. Kinder, Jugendliche, Lehrer und Erzieher müssen dann ihren Impfschutz nachweisen. Das Gesetz hat viele Befürworter, aber auch Kritiker.

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NDR Info | Infoprogramm | 28.02.2020 | 06:08 Uhr