Stand: 28.10.2021 00:00 Uhr

"Kein Streit ... ist auch keine Lösung": Verdirbt E-Book-Ausleihe den Buchmarkt?

Bei "Kein Streit ... ist auch keine Lösung" bringt NDR Info Moderatorin Susanne Stichler zwei Gäste mit gegensätzlichen Positionen ins Gespräch. In dieser Ausgabe dreht sich alles um E-Books - oder konkreter: die Onleihe. Das Ausleihen digitaler Bücher ist in Bibliotheken häufig erst ein Jahr nach Veröffentlichung möglich - ganz im Gegensatz zum gedruckten Buch. Ein Gesetzentwurf soll das ändern. Autorinnen und Autoren aber sehen sich dadurch in ihrer Existenz bedroht.

"Kampf der Autor*innen - Verdirbt die E-Book-Ausleihe den Buchmarkt?" - so lautet die Frage, zu der sich die Initiative "Fair Lesen" klar positioniert. Unter dem gleichnamigen Hashtag und mit Anzeigen in großen Tageszeitungen kämpfen mehr als 180 Autorinnen und Autoren, Verlage und Buchhandlungen gegen einen Gesetzentwurf, der die öffentlichen Bibliotheken stärken soll. Demnach sollen diese Häuser künftig auch E-Books ab dem Erscheinungstag verleihen können. Wäre das nicht im gesellschaftlichen Interesse? Oder bedroht es vor allem die Existenz der Autorinnen und Autoren - und damit den Buchmarkt? Darüber diskutieren bei "Kein Streit ... ist auch keine Lösung" die Autorin Elisabeth Herrmann und Frauke Untiedt, die Direktorin der Hamburger Bücherhallen.

VIDEO: "Kein Streit ... ist auch keine Lösung": Verdirbt E-Book-Ausleihe den Buchmarkt? (26 Min)

Zwei Buchliebhaberinnen, zwei Meinungen

Herrmann spricht von einer geplanten Zwangslizenzierung ihrer Werke, die ihr freies Unternehmertum bedrohe. Denn "in den ersten sechs Monaten werden die Haupteinnahmen mit einem Buch erzielt", sagt die Autorin. Bibliotheksbesucher seien zum großen Teil wohlsituiert und könnten sich die E-Books zu Beginn auch kaufen. "Ich glaube nicht, dass das Bildungsniveau hierzulande dadurch eklatant sinkt", so Herrmann.

Dem widerspricht Frauke Untiedt, die Direktorin der Hamburger Bücherhallen. Sie plädiert dafür, Neuerscheinungen auf dem E-Book-Markt zu "angemessenen Bedingungen" ab dem ersten Tag in der Onleihe anbieten zu können. "Ich kann eine Zwei-Klassen-Gesellschaft bei der Literaturversorgung nicht hinnehmen. Denn es lässt sich nicht so einfach trennen, wo Teilhabe an gesellschaftlichen Entwicklungen mit einem Bestseller startet und mit einem drei Jahre alten Buch endet", sagt Untiedt. Einig sind sie sich, dass eine "faire" Neuregelung her muss: Derzeit haben die E-Books einen Anteil von sieben Prozent am gesamten deutschen Buchmarkt. Tendenz jedoch - das hat nicht nur die Corona-Pandemie beschleunigt - stark steigend.

Neues Format will Lösungen aufzeigen

Das neue Streit-Format von NDR Info widmet sich stets einer aktuellen, zugespitzten Frage, von der ausgehend ein politisch und gesellschaftlich relevantes Themenfeld differenziert betrachtet wird. Mit "Kein Streit ... ist auch keine Lösung" will der NDR deutlich machen, wie wichtig und gewinnbringend Streit für die Gesellschaft und die Demokratie sein kann. Da nur zwei Gesprächsgäste zu Wort kommen, können sie ihre Argumente ausführlich darlegen.

Der konstruktive Ansatz nimmt dabei stets einen breiten Raum ein: Wie erreichen wir, dass diese Frage nicht zusätzlich spaltet? Wie könnte ein Kompromiss aussehen? Wo finden wir Verbindendes?

Hier läuft das neue Streit-Format

Das Streitgespräch ist ein crossmediales Produkt von NDR Info. Es wird im Radioprogramm veröffentlicht - ebenso auf NDR.de, der NDR Info App sowie als Podcast.

Das Format ist auch auf den Social-Media-Kanälen von NDR Info, allen voran Instagram und Twitter zu finden. Auch tagesschau24 sendet das rund 25-minütige Streitgespräch. Redaktion: Kathrin Schmid.

Alle Folgen der Reihe im Überblick
Susanne Stichler

"Kein Streit ... ist auch keine Lösung": Alle Folgen im Überblick

In der NDR Info Sendereihe "Kein Streit ... ist auch keine Lösung" prallen gegensätzliche Meinungen zu einem aktuellen Thema aufeinander. Ziel ist es, Lösungen aufzuzeigen. Alle Folgen im Überblick. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 28.10.2021 | 18:05 Uhr

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