Holpriger Start für neue Corona-Testverordnung

Stand: 01.07.2022 08:20 Uhr

Informationen zur Neuregelung der neuen Corona-Testverordnung des Bundesgesundheitsministeriums sind denkbar kurzfristig veröffentlicht worden. Betreiber von Testzentren müssen jetzt schnell reagieren - und haben viel Spielraum für Interpretationen.

von Anina Pommerenke

Auf der Internetseite von Corona Freepass war es vorübergehend nicht möglich, Tests für Termine im Juli zu buchen. Als Grund wurde auf die Umstellung wegen der neuen Testverordnung verwiesen. Denn die Details der Neuregelegung kamen denkbar kurzfristig und bieten viel Raum für "Kaffeesatz-Leserei", wie Axel Strehlitz es formuliert. Er betreibt mehrere Testzentren in Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

Auch Selbstzahlertests werden angeboten

Bei seinem Angebot sollen die Kunden schon auf der Internetseite einen konkreten Grund auswählen und somit entscheiden, ob sie Anrecht auf einen kostenlosen Test haben, für einen Drei-Euro-Zuzahlungstest berechtigt sind oder aber den gesamten Preis von 9,95 Euro zahlen müssen. Den Betrag sollen sie direkt bei der Buchung online zahlen. "Ob wir den Selbstzahler-Test überhaupt anbieten, darüber haben wir lange diskutiert", so Strehlitz, sein Team sei sich aber sicher, dass viele Menschen nicht lügen wollen, um sich einen vergünstigten Test zu sichern.

Schild "Maskenpflicht" am Hamburger Steindamm © NDR Foto: Alexander Heinz
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Hürden für vergünstigte Corona-Schnelltests sind niedrig

Denn die Hürde für einen vergünstigten Test ist denkbar niedrig. Schließlich berechtigt bereits eine Freizeitveranstaltung im Innenraum zu einem Drei-Euro-Zuzahlungstest: "Wenn ich mich jetzt mit meinen Kegelbrüdern drinnen treffe, habe ich darüber ja nicht unbedingt einen Nachweis", so Strehlitz. Anders sei dies etwa bei Konzertkarten, da werde er die Option anbieten, dass die Konzertkarte vor Ort abfotografiert und auf einem sicheren Server gespeichert wird. Er geht davon aus, dass sich die Regelungen mit den Erfahrungen noch etwas schärfen werden. Bei anderen Testzentren scheint es auch noch nicht ganz klar zu sein, welche Nachweise man für einen vergünstigten Test akzeptieren wolle.

Weiterhin kostenlose Tests beim DRK in Lüneburg

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat angekündigt, in Lüneburg weiterhin kostenlose Tests anzubieten. Der Gedanke dahinter ist ein sozialer: "Wer am Kühlschrank merkt, dass es am Geldbeutel knapp wird, soll für den Test nichts zahlen müssen", sagt Joachim Elspaß vom DRK Kreisverband Lüneburg. Jeder, der zum Testzentrum kommt, werde gefragt, ob er mit Eigenanteil getestet werden möchte. Wer mit nein antworte, erhalte den Test weiter kostenlos. Elspaß hofft darauf, dass nur Menschen das Angebot in Anspruch nehmen, die sich die drei Euro wirklich nicht leisten können. Das Modell soll erstmal für zwei Monate laufen, dann werde geprüft, ob man sich den sozialen Gedanken auch langfristig erlauben könne. Zusätzlich werden aber auch Tests zu sieben Euro angeboten, die also keinerlei Nachweis brauchen.

Johanniter stellen öffentliche Testzentren ein

Auch die Johanniter hatten im gesamten Norden mehrere Testzentren eröffnet. Die meisten seien bereits aufgrund der geringen Nachfrage in den vergangenen Wochen und Monaten geschlossen worden. Mit dem Start der neuen Testverordnung wurden auch zwei Testzentren im Landkreis Harburg geschlossen. Lediglich am Uniklinikum in Hamburg wollen die Johanniter weiter ein Testzentrum betreiben, es wird aber anders als bisher nicht mehr öffentlich genutzt werden können. Dort können sich nur noch Mitarbeitende und Studierende des Uniklinikums, sowie Besucher und Patienten kostenlos testen lassen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 30.06.2022 | 14:00 Uhr

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