Stand: 17.03.2020 13:26 Uhr

Corona: Touristen verlassen die Inseln im Norden

Tausende Urlauber haben nach der angeordneten Sperrung wegen des Coronavirus inzwischen allein die Ostfriesischen Inseln verlassen. So nahmen rund 3.000 Menschen Fähren von Norderney ans Festland. Das teilte die Reederei Norden-Frisia mit. Maximal 300 Menschen hätten dabei eine Fähre besteigen dürfen, um genügend Abstand zueinander halten zu können. "Wir gehen davon aus, dass heute um die 600 Gäste die Insel verlassen", sagte Langeoogs Bürgermeisterin Heike Horn (parteilos). "Bis Donnerstag dann noch jeweils 300 und dann dürfte das langsam auslaufen."

Um zu verhindern, dass sich das Coronavirus weiter verbreitet, hatten alle norddeutschen Küstenländer am Montag begonnen, ihre Inseln für Touristen zu sperren. Darauf hatten sich die Ministerpräsidenten von Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein am Sonntagabend geeinigt. Insgesamt werden Urlauber gebeten, nicht nach Norddeutschland zu reisen. Die Gesundheitssysteme der Inseln seien nicht für eine größere Zahl Corona-Infizierter ausgelegt. Die Maßnahme diene dem Schutz der Gäste und der Einheimischen. 

Schleswig-Holstein: Inseln auf unbestimmte Zeit gesperrt

In Schleswig-Holstein sind die Inseln an Nord- und Ostsee für Touristen abgeriegelt. Betroffen sind laut Landesregierung die Inseln Sylt, Amrum, Föhr, Fehmarn, Pellworm und Helgoland. Hinzu kommen die Halligen Nordmarsch-Langeneß, Hooge, Oland, Gröde, Nordstrandischmoor und die Hamburger Hallig. Die Dauer der Maßnahme ist noch nicht bekannt. Die Polizei schränkt auch die Anreise per Flugzeug nach Sylt ein. "Diejenigen, die dort nicht ihren Erstwohnsitz haben, werden nach der Ankunft wieder zurückgeschickt", sagte der Sprecher des Landespolizeiamts, Torge Stelck, am Dienstag. Es gebe allerdings kein Landeverbot auf der Nordseeinsel. Gegen Montagmittag wurde es am Autozug in Westerland voller. Die Wyker Dampfschiffsreederei spricht von einer ruhigen und entspannten Lage an den Fähranlegern. Am Montagnachmittag sollte ein weiteres Schiff auf die Strecke, um die Urlauber geordnet von den Inseln zu bringen.

Nur Personen, die ihren ersten Wohnsitz auf den Inseln haben oder dort arbeiten, sind von den Zugangsbeschränkungen ausgenommen. Wer seinen Erstwohnsitz auf einer der Inseln hat, soll laut Landesregierung möglichst zügig an den Heimatort zurückkehren. Sollten Urlauber oder Menschen mit Zweitwohnsitz die Inseln nicht freiwillig verlassen, werde man "Maßnahmen finden, die Leute dazu zu bringen", ergänzte Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP). Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) bat Touristen auch, ihren für die nächsten Wochen geplanten Urlaub nicht anzutreten. Der Leiter des Instituts für Infektionsmedizin an der Kieler Universität, Helmut Fickenscher, sagte in der NDR 1 Welle Nord Sendung Zur Sache, dass er es für sinnvoll halte, auch Touristenorte auf dem Festland für Urlauber abzuriegeln. Auch die Grenze nach Dänemark ist nun geschlossen. Dänemark hatte die Grenze seinerseits bereits am Sonnabend geschlossen.

Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern massiv einschränken

Auch die bei Urlaubern beliebten Ostseeinseln Rügen, Usedom, Poel und Hiddensee in Mecklenburg-Vorpommernwerden schrittweise abgeriegelt. Die Urlauber sind aufgerufen, die Heimreise umgehend anzutreten. Die erste Nacht verlief nach Polizeiangaben an den Kontrollstellen ruhig. Die Rügenbrücke ist für den Verkehr komplett dicht. Die Autofahrer werden derzeit über den Rügendamm umgeleitet.

"Wir werden den Tourismus für ganz Mecklenburg-Vorpommern massiv einschränken und fangen mit den Inseln an - Schritt für Schritt", sagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) NDR 1 Radio MV. Schwesig rief außerdem dazu auf, sich nicht auf den Weg nach Mecklenburg-Vorpommern zu machen, um ein Hotel oder eine Ferienwohnung zu beziehen.

Niedersachsen: Ostfriesische Inseln für Urlauber tabu

Viele Touristen machten sich am Montagmorgen auf die Heimreise von den Ostfriesischen Inseln. Die Schiffe von Norderney seien gut gefüllt, sagte ein Sprecher der Reederei Frisia im Gespräch mit NDR 1 Niedersachsen. Bei der Reederei AG Ems, die nach Borkum fährt, wurden Fahrgäste beim Ticketverkauf aufgefordert, ihre Ausweise zu zeigen. Erste Passagiere seien abgewiesen worden, weil sie als Urlauber auf die Insel wollten, sagte eine Reederei-Sprecherin. Am Montagabend wurden Touristen vom niedersächsischen Gesundheitsministerium aufgefordert, bis zum 26. März abzureisen. Die Maßnahmen sind zunächst befristet bis 18. April.

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