Blick von Hinten auf zwei Personen, die vor einem Gebäude mit dem Logo der Agentur für Arbeit stehen. © picture alliance Foto: Carsten Rehder

Arbeitsmarkt trotz Corona weiter leicht entspannt

Stand: 29.10.2020 10:35 Uhr

Der Arbeitsmarkt im Norden entwickelt sich weiter leicht positiv: Im Oktober gab es etwas weniger Arbeitslose als im September. Corona-bedingt ist die Zahl aber höher als vor einem Jahr.

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist trotz der Corona-Pandemie und vieler Neuinfektionen auch im Oktober noch einmal zurückgegangen - vor allem saisonbedingt. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) vom Donnerstag waren im Oktober 2,760 Millionen Menschen in Deutschland arbeitslos, 87.000 weniger als noch im September, aber 556.000 mehr als im Oktober 2019. Die Arbeitslosenquote sank im Vergleich zum September um 0,2 Prozentpunkte auf 6,0 Prozent.

Der deutschlandweite Trend spiegelt sich auch in den Zahlen der vier norddeutschen Bundesländer Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg.

Niedersachsen: Wirtschaft weiter im Griff der Pandemie

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt in Niedersachsen verbesserte sich auch im Oktober leicht. Die Corona-Folgen zeigen sich im Vergleich zum Vorjahr aber nach wie vor deutlich. Landesweit waren im abgelaufenen Monat etwas mehr als 255.407 Menschen ohne Job registriert, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit mitteilte. Das entsprach einer Abnahme um drei Prozent zum September, als ebenfalls schon ein rückläufiger Trend gemeldet worden war. Die Quote sank um 0,2 Punkte auf 5,8 Prozent.

Allerdings wird mit Blick auf das Vorjahr klar, wie sehr die Pandemie das Wirtschaftsleben im Griff behält: Zuletzt waren über ein Fünftel (21,5 Prozent) mehr Menschen auf der Suche nach einer Stelle als im Oktober 2019. BA-Regionalchef Johannes Pfeiffer sagte: "Die weitere Entwicklung wird von dem Pandemie-Geschehen abhängen und den möglichen Konsequenzen für einzelne Branchen."

Schleswig-Holstein: Unter 25-Jährige profitieren

Auch in Schleswig-Holstein sank die Arbeitslosigkeit im Oktober im Vergleich zum Vormonat. Wie die Regionaldirektion der Agentur für Arbeit berichtete, sind derzeit im Norden 92.174 Männer und Frauen ohne festen Job. Das sind 1,9 Prozent oder rund 1.800 Betroffene weniger als im September. Im Vergleich zum Vorjahresmonat macht sich die Corona-Krise jedoch deutlich bemerkbar: Gegenüber dem Oktober 2019 stieg die Zahl der Arbeitslosen um 15.900 Menschen oder 20,9 Prozent. Die Arbeitslosenquote beträgt nun 5,8 Prozent. Im Oktober 2019 lag sie bei 4,8 Prozent.

"Im Oktober hat sich in Schleswig-Holstein die leichte Entspannung am Arbeitsmarkt fortgesetzt", sagte die Chefin der Regionaldirektion Nord der Arbeitsagentur, Margit Haupt-Koopmann. So sei - im Vergleich zum Vormonat September - nicht nur die Zahl der Arbeitslosen insgesamt deutlich gesunken, sondern auch die Altersgruppe der unter 25-Jährigen konnte überdurchschnittlich von dieser Entwicklung profitieren. Ihre Zahl sei um 880 oder 8,9 Prozent zurückgegangen.

Mecklenburg-Vorpommern: Firmen stellen junge Leute ein

In Mecklenburg-Vorpommern waren laut Regionaldirektion Nord im Oktober 61.347 Menschen arbeitslos. Im Vergleich zum September sei die Zahl um knapp 1.100 oder 1,7 Prozent gesunken. Im Oktober 2019 waren es 7.900 Arbeitslose weniger. Die Erwerbslosenquote liegt nun bei 7,5 Prozent. Im Oktober 2019 lag sie noch bei 6,5 Prozent.

Wie Regionaldirektionschefin Haupt-Koopmann sagte, konnte die Gruppe der unter 25-Jährigen mit einem Minus von zehn Prozent überproportional von dieser Entwicklung profitieren. "Hier wird deutlich, dass die Betriebe insbesondere die Chance genutzt haben, junge Fachkräfte einzustellen, die nach ihrem erfolgreichen Ausbildungsabschluss nicht übernommen wurden und daher kurzfristig in den Sommermonaten arbeitslos waren." Die niedrigste Arbeitslosenquote in Mecklenburg-Vorpommern wies im Oktober der Landkreis Rostock mit 5,4 Prozent auf, die höchste Quote gab es im Landkreis Vorpommern-Rügen mit 8,5 Prozent.

Hamburg: Nur wenige freie Stellen gemeldet

In Hamburg gab es Ende Oktober etwas weniger Arbeitslose. "In diesem Monat zählen wir insgesamt 84.131 Arbeitslose, ein Rückgang zum Vormonat um 1.460 oder 1,7 Prozent", erklärte der Chef der Hamburger Agentur für Arbeit, Sönke Fock. Im Vergleich zum Vorjahresmonat liege die Zahl der Arbeitslosen jedoch um 19.754 oder 30,7 Prozent über dem aktuellen Wert. Die Arbeitslosenquote sank den Angaben zufolge von September zu Oktober um 0,1 Punkte auf 7,9 Prozent, liegt aber 1,8 Punkte über der Arbeitslosenquote vom Oktober 2019.

Seit Beginn der Pandemie im März haben nach Angaben der Agentur bis Ende Oktober 58.932 Hamburger ihre sozialversicherungspflichtige Beschäftigung verloren und mussten sich arbeitslos melden. Dies sei ein Plus von 7.000 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit 51.902 Personen. Die Hamburger Unternehmen meldeten derzeit deutlich weniger freie Arbeitsstellen. Dies liege unter anderem an der unsicheren Wirtschaftslage, die "eine gewisse Einstellungszurückhaltung" nach sich ziehe. Darüber hinaus befänden sich noch mehr als 10.000 Betriebe in der Kurzarbeit. Dort schlössen sich Neueinstellungen aus.

 

Weitere Informationen
Themenbild Arbeitsmarkt © dpa

FAQ: Erklärungen zu Arbeitsmarkt-Begriffen

Monatlich veröffentlicht die Bundesagentur für Arbeit Zahlen zur Beschäftigungssituation auch im Norden. Hier erklären wir die wichtigsten Begriffe, die darin auftauchen. mehr

Hinter Abrissmarken warten im Arbeitsamt Menschen auf ihren Aufruf. © picture-alliance/ dpa/dpaweb Foto: Uwe Zucchi

Was die offizielle Arbeitslosen-Statistik verbirgt

Jeden Monat veröffentlicht die Bundesagentur für Arbeit die Arbeitslosenstatistik. Doch wer gilt als arbeitslos? Und wer fehlt in den Daten? Tagesschau.de gibt Antworten. extern

Bei einer Frau wird ein Corona-Abstrich in der Nase gemacht. © picture alliance Foto: Daniel Bockwoldt

Corona-News-Ticker: Bundesweite Inzidenz auf 95,1 gestiegen

Seit Mai war der Wert nicht mehr so hoch. 19.572 Menschen in Deutschland haben sich neu angesteckt. Mehr Corona-News im Live-Ticker. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 29.10.2020 | 10:00 Uhr

Mehr Nachrichten

Ein Mann steht an der Kaimauer während der Sturmflut im Anschluss an das Sturmtief "Sabine". (Archivfoto) © dpa-Bildfunk Foto: Sina Schuldt/dpa

Herbststurm: Es bleibt ungemütlich im Norden

Auch wenn Tief "Hendrik II" etwas abflaut, ist heute erneut mit teils schweren Sturmböen zu rechnen. Auch Sturmfluten sind möglich. mehr