Stand: 26.09.2019 09:40 Uhr

Waldgipfel: Niedersachsen hat mehr Geld erwartet

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Der Bund wolle nicht Schäden ersetzen, sondern dem Wald helfen, sich an das verändernde Klima anzupassen, so Bundesagrarministerin Klöckner.

Häufige Dürren, Hitze, Stürme und dadurch ausgelöster Schädlingsbefall haben auch Norddeutschlands Wälder seit 2017 stark geschwächt. Laut Bundeslandwirtschaftsministerium sind bundesweit 180.000 Hektar zerstört - die Fläche entspricht mehr als 250.000 Fußballfeldern. Der Bund Deutscher Forstleute (BDF) befürchtet, dass im Laufe dieses Jahres sogar bis zu 250.000 Hektar verloren gehen werden. 11,4 Millionen Hektar Wald gibt es in Deutschland. In Berlin trafen sich am Mittwoch Vertreter der Holzwirtschaft, Forscher, Umweltverbände und Politiker zum nationalen Waldgipfel. "Der Wald stirbt in einigen Teilen", sagte Bundesforstministerin Julia Klöckner (CDU) zum Auftakt. "Der Klimawandel hat uns deutlich schneller getroffen als erwartet."

Niedersachsen unzufrieden mit Höhe der Bundesmittel

Die Teilnehmer berieten über kurzfristige Hilfen und langfristige Maßnahmen. Etwa 800 Millionen Euro sind laut Klöckner für die kommenden vier Jahre zu vergeben - 547 Millionen Euro davon vom Bund. Der Verband der privaten Waldeigentümer sowie der Bund Deutscher Forstleute gehen davon aus, dass Aufforstung und Schutz deutlich mehr als von Klöckner veranschlagt, nämlich etwa zwei Milliarden Euro kosten werden. Zahlreiche Bundesländer wie Niedersachsen hatten in den vergangenen Wochen bereits Soforthilfen für Waldbesitzer zugesagt. Forstministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) sagte nach dem Treffen, für Niedersachsen seien für die kommenden vier Jahre 116,8 Millionen Euro aus Bundes- und Landesmitteln vorgesehen. Otte-Kinast zeigte sich damit unzufrieden; das Land hatte sich mehr als die 68,8 Millionen Euro Bundesmittel erhofft.

Wanderer laufen durch einen abgestorbenen Fichtenwald. © dpa-Bildfunk Foto: Swen Pförtner

Waldgipfel: "Für eine echte Wende braucht es mehr"

NDR Info -

Der Klimawandel setzt dem Wald zu. Greenpeace-Experte Christoph Thies gehen die Beschlüsse des Waldgipfels der Bundesregierung nicht weit genug.

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Klimawandel setzt Wald unter Druck

Klöckner rief in Berlin dazu auf, ideologische Debatten zu vermeiden. Beim Aufforsten seien Mischwälder mit einem breiten Spektrum heimischer, standortangepasster Baumarten zu bevorzugen. Der Bund wolle nicht Schäden ersetzen, sondern bei der Klima-Anpassung helfen. Bei der Aufforstung sollen daher Klimaschutz-Kriterien eine Rolle spielen. Eine Schlüsselursache für die Waldschäden der vergangenen Jahre ist laut Fachleuten der klimabedingte Wandel mit immer mehr Extremwetter. Nach Angaben der Umweltschutzorganisation BUND ist es die Summe aus Luftverschmutzung und Klimastress, welche die heimischen Wälder an ihre Grenze bringt. Monokulturen mit Nadelholz seien anfälliger als Mischwälder.

"In der Lüneburger Heide werden Fichten in Zukunft zu wenig Wasser bekommen, aber auch angepflanzte Buchen haben einen zu hohen Wasserbedarf", sagte Constantin von Waldthausen, Leiter eines der größten Forstbetriebe Niedersachsens, der Klosterforsten. Wald müsse sehr langfristig geplant werden: "Bei Bäumen denken wir in Jahrzehnten und Jahrhunderten."

11.000 neue Fachkräfte nötig

Beim Gipfel ging es auch um wirtschaftliche Fragen wie Lagerung und Verkauf von Holz bei niedrigen Marktpreisen. Diese Fokussierung kritisierte zum Beispiel Förster Peter Wohlleben auf tagesschau.de: "Ein Ziel des Gipfels ist es ja, den Holzverbrauch zu steigern. Das ist kontraproduktiv. Wir müssen den Holzbedarf runterfahren, um Platz für Schutzflächen zu schaffen, um Platz für Übergänge zu schaffen."

Der Deutsche Forstwirtschaftsrat und die IG BAU forderten zudem deutlich mehr Fachkräfte. 11.000 neue Beschäftigte seien nötig. "Der klimagerechte Umbau des Forstes ist eine Mammutaufgabe, die sich nur mit zusätzlichem Personal stemmen lässt", sagte der Vize-Vorsitzende der IG BAU Harald Schaum.

  • Wem gehört der Wald in Niedersachsen?

    28 Prozent der Waldfläche in Niedersachsen sind im Besitz des Landes, fünf Prozent hält der Bund. Acht Prozent sind Körperschaftswald. Das Groß der Waldflächen - 59 Prozent - ist Privat­ und Genossenschaftswald. (Quelle: Niedersächsiches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz)

  • Wem gehört der Wald in Schleswig-Holstein?

    Mit rund 51 Prozent befindet sich ein hoher Anteil des schleswig-holsteinischen Waldes in privatem Besitz. 34 Prozent des Waldes sind im Besitz des Bundes oder der Landesforsten, 15 Prozent sind Körperschaftswald. (Quelle: Landesregierung Schleswig-Holstein)

  • Wem gehört der Wald in Mecklenburg-Vorpommern?

    46 Prozent der Waldflächen in Mecklenburg-Vorpommern gehören dem Land, 39 Prozent sind in Privatbesitz. (3 Prozent Treuhand, 10 Prozent Kommunalwald, 1 Prozent Kirchenwald, 1 Prozent anderer öffentlicher Wald) (Quelle: Landesforst Mecklenburg)

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NDR Info | Aktuell | 25.09.2019 | 17:45 Uhr

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