Stand: 01.11.2017 15:21 Uhr

Terrorverdacht: Haftbefehl gegen Syrer erlassen

Der am Dienstag in Schwerin wegen Terrorverdachts festgenommene Yamen A. sitzt in Untersuchungshaft. Die Bundesanwaltschaft erwirkte am Mittwochnachmittag einen Haftbefehl wegen des dringenden Tatverdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat beim Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs. Der 19-jährige Syrer soll einen Sprengstoffanschlag in Deutschland geplant haben. Spezialkräfte der Bundespolizei und des Bundeskriminalamtes hatten den mutmaßlichen Islamisten am frühen Dienstagmorgen im Schweriner Stadtteil Neu Zippendorf festgenommen. Nach Angaben der Polizei wurden bei dem Einsatz drei Wohnungen in umittelbarer Nähe zueinander durchsucht. Laut Polizei bestand während des Einsatzes keine Gefahr für die Öffentlichkeit.

Bundesanwaltschaft: "Islamistisch motivierten Anschlag vorbereitet"

Nach den bisherigen Ermittlungen sei der Syrer Yamen A. dringend verdächtig, "einen islamistisch motivierten Anschlag mit hochexplosivem Sprengstoff in Deutschland geplant und bereits konkret vorbereitet zu haben". Anhaltspunkte für eine Mitgliedschaft des Beschuldigten in einer terroristischen Vereinigung bestünden jedoch nicht, hieß es am Dienstag.

Beschuldigter kam im Herbst 2015 nach Deutschland

An der Festnahme am frühen Dienstagmorgen waren nach Informationen von NDR 1 Radio MV rund 100 Beamte und 20 Einsatzfahrzeuge beteiligt. Ein Spezialkommando der Bundespolizei war aus Ratzeburg gekommen. In den Wohnungen hielten sich offenbar weitere Personen auf. Sie wurden als Zeugen vernommen. Der Beschuldigte A. wohnte demnach mit zwei weiteren Syrern zusammen.

A. war im Herbst 2015 als Flüchtling nach Deutschland gekommen, wie Landesinnenminister Lorenz Caffier (CDU) am Dienstagabend mitteilte. Demnach habe A. im Februar 2016 in Mecklenburg-Vorpommern einen Asylantrag gestellt. Seit April 2016 sei er im Besitz einer befristeten Aufenthaltserlaubnis gewesen und habe subsidiären Schutz gehabt - dabei handelt es sich um einen Status, der vergeben wird, wenn Personen weder Anspruch auf Asyl haben noch nach der Genfer Konvention als Flüchtling anerkannt werden. Auffällig sei der 19-Jährige laut Caffier bisher nicht gewesen.

Parallel stürmt Polizei eine Wohnung in Hamburg

Im Zusammenhang mit der Festnahme von A. in Schwerin stürmten in Hamburg Polizeikräfte eine Wohnung in Wandsbek in der Ahrensburger Straße. Dort wurde ein Mann von der Polizei festgenommen, der offenbar als Zeuge befragt werden soll. Offenbar war er erst vor Kurzem aus der Schweriner Wohngemeinschaft von A. nach Hamburg gezogen. An dem Arbeitsplatz des Mannes, einer Baustelle in St. Georg, wurde ein Aufenthaltscontainer durchsucht. Mit der Maßnahme sollen offenbar Kontakte des terrorverdächtigen 19-Jährigen aus Schwerin überprüft werden.

Kontakte im Internet zu "Soldaten des Kalifats"

A. habe laut der Sprecherin der Bundesanwaltschaft Frauke Köhler Kontakte zur islamistischen Szene in sozialen Netzwerken gesucht. Insbesondere eine Person, die sich selbst als "Soldat des Kalifats" (offenbar ein Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat IS) bezeichnete, hielt offenbar Kontakt zu A., so Köhler weiter. Die Ermittler wüssten aber nicht, wer diese Person sei oder ob er den Verdächtigen in seinen Plänen bestärkt habe. Es gebe keine belastbaren Anhaltspunkte dafür, dass weitere Personen an der Anschlagsvorbereitung beteiligt waren.

Neu Zippendorf: Leere Häuserblocks für Flüchtlinge

Im Stadtteil Neu Zippendorf sind in den vergangenen Jahren vermehrt Flüchtlinge untergebracht worden. Bereits leer geräumte Häuserblocks wurden für den Bezug durch Flüchtlinge wieder verwendet. Anwohner berichteten hinter vorgehaltener Hand von "Ghettobildung" und Prügeleien unter Flüchtlingsgruppen.

Bundesinnenminister: "Schwerer Anschlag in Deutschland verhindert"

Wie Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) in einer Stellungnahme sagte, habe die Festnahme einen "schweren Terroranschlag in Deutschland" verhindert. "Nach allem was wir wissen, erfolgte der Zugriff zum richtigen Zeitpunkt: spät genug, um Beweise zu sichern und gleichzeitig früh genug, um die Gefahr zuverlässig zu bannen", so der Bundesinnenminister. Angesichts der anhaltenden Bedrohung durch islamistischen Terrorismus würden die Sicherheitsbehörden "wenn nötig entschlossen und konsequent" handeln.

Caffier pflichtet Bundeskollegen bei

Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Caffier bedankte sich bei den Sicherheitsbehörden. Durch deren koordinierte und konsequente Ermittlungsarbeit habe zielgerichtet eingegriffen und eine offensichtlich konkrete Gefahrenlage verhindert werden können. Außerdem brachte er eine weitere Stärkung der Sicherheitsbehörden ins Spiel.

Offenbar bereits Bauteile für Sprengsatz beschafft

Laut der Bundesanwaltschaft habe A. nach den bisherigen Erkenntnissen "spätestens im Juli 2017" den Entschluss gefasst, in Deutschland einen Sprengsatz zu zünden, "um eine möglichst große Anzahl von Personen zu töten und zu verletzen". Dazu beschaffte sich A. Anleitungen, Bauteile und Chemikalien zur Herstellung eines Sprengsatzes im Internet. Offenbar versuchte er, den Sprengstoff TATP selbst herzustellen. Ob der Beschuldigte bereits ein konkretes Ziel für seinen Sprengstoffanschlag ins Auge gefasst hatte, sei derzeit noch unklar.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 01.11.2017 | 16:00 Uhr

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