Stand: 10.10.2017 18:53 Uhr

Neue Ostsee-Fangquoten: Fischer fordern Geld

Die EU-Minister haben sich nach rund 20-stündigen Verhandlungen auf neue Fischfangquoten für die Ostsee verständigt. Die für Deutschland wichtigen Herings-Bestände in der westlichen Ostsee dürfen demnach im kommenden Jahr um 39 Prozent weniger befischt werden. Das teilte der estnische Minister Siim Kiisler mit; sein Land hat den EU-Vorsitz inne. Der Verband der Deutschen Kutter- und Küstenfischer forderte, das in diesem Jahr begonnene Hilfsprogramm für die Dorschfischer nun auf die Heringsfischerei auszuweiten.

Ein Fischerboot in einem Hafen.

Neue Fangquoten bringen Fischer in Not

Nordmagazin -

Die Ostseefischer sind über das Ergebnis der neuen Fangquote für 2018 empört. Sie fürchten um ihre Existenzgrundlage und hoffen nun auf die versprochene Ausgleichszahlung.

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"Damit können wir nicht leben"

"Mit den jetzt verabschiedeten Gesamtfangmengen können wir nicht leben", sagte der Vorsitzende des Verbandes, Dirk Sander. Der Bund müsse für die befristete Stilllegung von Booten einen Ausgleich zahlen. Auch der Vorsitzende des Landesfischereiverbandes Schleswig-Holstein, Lorenz Marckwardt, kritisierte die Beschlüsse der EU-Minister. "Diese ständigen Quotensprünge sind für uns nicht nachvollziehbar, auch wenn sie sich auf Empfehlungen des Internationalen Rates für Meeresforschung stützen", sagte Marckwardt. Die Kürzung der Hering-Fangmenge sei für die Betriebe ähnlich katastrophal wie die Kürzung der Dorsch-Fangmengen um 56 Prozent im vergangenen Jahr, sagte er.

Auch Fischer in Mecklenburg-Vorpommern sind besorgt: "Viele haben Existenzängste, wie sie das Jahr überstehen sollen", sagte der Chef der Fischereigenossenschaft Freest, Michael Schütt. Allein die 26 Fischer seiner Genossenschaft müssten im kommenden Jahr mit Umsatzeinbußen von 350.000 Euro rechnen. Landesweit könnten sich die Einbußen auf 1,6 Millionen Euro belaufen. Schütt sagte, die Fischer seien auf die Hilfe der Politik angewiesen.

Habeck: Fischer werden langfristig von Kürzung profitieren

Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sagte, es sei richtig, die Fangmengen für die Ostsee erneut zu kürzen. "Ich weiß, dass diese Phase für die Fischer hart ist, aber mittel- und langfristig werden sie von gesunden, nachhaltig bewirtschafteten Fischbeständen am meisten profitieren." Habeck versprach, sich bei Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) dafür einzusetzen, dass es auch 2018 Unterstützung für besonders betroffene Fischer gibt. Dazu gehörten unter anderem Prämienzahlungen für zusätzliche "Stillliegetage". Schmidt erklärte auf NDR Info die Bereitschaft zu solchen Zahlungen.

Kommentar

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Gekürzte Fangmengen auch bei Dorsch, Scholle und Lachs

Die EU-Minister beschlossen auch, dass die Fangmengen beim Dorsch in der östlichen Ostsee im kommenden Jahr um acht Prozent gekürzt werden. In der westlichen Ostsee bleibt die Dorschfangquote nach der starken Kürzung vom vergangenen Jahr nun unverändert.

In der gesamten Ostsee dürfen im kommenden Jahr zehn Prozent weniger Scholle und fünf Prozent weniger Lachs gefischt werden. Um 20 Prozent erhöht werden hingegen die erlaubten Fangmengen für Hering in der zentralen Ostsee und geringfügig für Sprotte um ein Prozent in der gesamten Ostsee.

Aalfangverbot kommt nicht

Die Fangmengen für den westlichen Dorsch sollen demzufolge im Vergleich zum Vorjahr unverändert bleiben. Ein Aalfangverbot für die Ostsee konnte die EU-Kommission nicht bei den Ministern durchsetzen. Stattdessen soll eine gesamteuropäische Lösung gesucht werden.

Kompromiss zwischen Fischerei-Interessen und Schutz der Bestände

In den Verhandlungen zu den Fangquoten geht es jedes Jahr darum, Kompromisse zwischen den Interessen der Fischfangindustrie und dem Schutz der Fischbestände zu finden. "Die notwendigen Quotenkürzungen sind schmerzlich für die deutschen Ostseefischer. Aber: Nur gute Bestände sichern langfristig die wirtschaftliche Perspektive der Ostseefischerei", sagte Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt.

Naturschutzorganisation kritisiert Kompromiss

Der Naturschutzorganisation WWF genügt der Schutz nicht. Die Situation der deutschen "Brotfische" in der westlichen Ostsee sei besorgniserregend. Bei den Beständen von Dorsch und Hering hätten die Minister die Bestandserholung bisher nicht in den Griff bekommen, sagte WWF-Fischereiexpertin Stella Nemecky: "Die diesjährige Entscheidung ist zwar ein guter Schritt, wird aber das Ziel der Fischereipolitik, bis 2020 gesunde Bestände zu erreichen, verfehlen."

Über die Fangquoten für die Nordsee und den Atlantik wird voraussichtlich im Dezember entschieden.

Bundesminister Christian Schmidt (CSU). © christian-schmidt.de

Schmidt stellt Fischern Hilfe in Aussicht

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 10.10.2017 | 07:15 Uhr

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