Stand: 21.06.2016 21:28 Uhr

Länder sollen selbst über Fracking entscheiden

Die Große Koalition hat sich überraschend im Streit um die Erdgasfördermethode Fracking geeinigt. Sie überlässt den Bundesländern die Entscheidung: Probebohrungen sollen nur mit Zustimmung der jeweiligen Landesregierung erfolgen dürfen, sagte SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann. Eine Expertenkommission müsse auch einen Erfahrungsbericht erstellen. "Ich glaube, damit schaffen wir Sicherheit für die Unternehmen, vor allen Dingen aber Schutz für die Bürger", sagte Oppermann.

Unkonventionelles Fracking wird ganz verboten

Dies betrifft allerdings nur das sogenannte konventionelle Fracking, das in Niedersachsen seit den 1960er-Jahren praktiziert wurde, zuletzt aber im Rahmen eines freiwilligen Moratoriums der Förderunternehmen eingestellt worden war. Die Unternehmen hatten das Moratorium kürzlich aufgekündigt. Unkonventionelles Fracking soll bundesweit unbefristet verboten werden.

Konventionelles und unkonventionelles Fracking

Beim konventionellen Fracken wird das Gestein in Tiefen von bis zu fünf Kilometer aufgebrochen. Unternehmen betonen, in dieser Tiefe gebe es keine Gefahr für das Grundwasser. Zudem seien die Chemikalien unbedenklich und würden offengelegt. In Deutschland wird bereits seit Jahren konventionell gefrackt.

Beim unkonventionellen Fracking, wie es in den USA auch praktiziert wird, wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem Druck in Ton- oder Schiefergestein gepresst, das relativ nahe an der Oberfläche liegt. Diese Schichten werden auf diese Weise aufgebrochen, um bisher unerschlossene Gasreserven freizusetzen. Der Rückfluss des Gemisches muss dann entsorgt werden, was aus Umweltschutzgründen ebenfalls als bedenklich gilt. Welche Chemikalien eingesetzt werden, muss zudem nicht offengelegt werden. Folgeschäden sind bisher kaum erforscht. Diese Art des Frackings ist in Deutschland inzwischen verboten.
(Quelle: tagesschau.de)

Entscheidung nach langer Wartezeit

Schon am Freitag soll der Bundestag das Gesetz verabschieden. Plötzlich geht alles ganz schnell, nachdem der Gesetzentwurf mehr als ein Jahr lang auf Eis gelegen hatte. Das war auch die Begründung der Förderer, ihren Fracking-Verzicht einzustellen: Sie hätten jetzt lange genug auf eine Entscheidung gewartet. Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) begrüßte, dass diese nun gefallen ist: "Damit hat sich der Druck, den ich in den letzten Tagen noch einmal aufgebaut habe, ausgezahlt", sagte Lies.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 21.06.2016 | 19:00 Uhr