Stand: 13.12.2017 17:30 Uhr

Krabbenfischer erhalten nun doch Öko-Siegel

Ein jahrelanger Streit über den Schutz des Nationalparks Wattenmeer ist beigelegt. Seit Mittwoch ist klar: Die Krabbenfischerei der deutschen, niederländischen und dänischen Nordseeküste erhält nun doch das MSC-Zertifikat für nachhaltige Fischerei. Die Fischer dürfen ihre Produkte nun mit dem blauen Öko-Label vermarkten, das bereits viele Fischprodukte tragen. Dies teilten der MSC (Marine Stewardship Council) und die Naturschutzverbände WWF und NABU am Mittwoch in Hamburg mit.

Naturschützer handelten besseren Schutz aus

Der WWF, der NABU und die Schutzstation Wattenmeer hatten im August 2017 Widerspruch gegen die geplante Zertifizierung eingelegt, da sie die MSC-Kriterien als nicht erfüllt und die Schutzziele des Nationalparks Wattenmeer als gefährdet ansahen. Für die Umweltschützer ist besonders problematisch, dass die Kutter im Wattenmeer fischen, das in Deutschland, Dänemark und den Niederlanden den Status eines Nationalparks besitzt.

Nach schwierigen Verhandlungen zwischen Naturschutzverbänden und Krabbenfischern zogen die Verbände den Einspruch nun zurück - und machten den Weg für das blaue MSC-Siegel frei. In der Vereinbarung verpflichtet sich die Fischerei zu zusätzlichen Anstrengungen für den Schutz von Arten und Lebensräumen.

Überfischung soll verhindert werden

Das Zertifikat für die Krabbenfischer gilt als Meilenstein für den Schutz der Bestände. Die Nordseegarnele unterliegt keinen gesetzlichen Fangquoten und war bislang nicht reguliert. Nun soll sichergestellt sein, dass die Bestände nicht überfischt werden - unter anderem durch kürzere Fangzeiten bei rückläufigen Beständen. Auch gegen unerwünschten Beifang wurden spezielle Maßnahmen vereinbart.

Was ist das MSC-Siegel?

Der Marine Stewardship Council (MSC) ist eine gemeinnützige, unabhängige Organisation zum Schutz der Meere. Das MSC-Siegel ist ein weltweit anerkanntes Zeichen für nachhaltige Fischerei. Unternehmen können mit dem Siegel werben - und ihren Kunden zeigen, dass sie sich für nachhaltigen Fischfang einsetzen.

"Fischerei noch nicht nationalparktauglich"

"Wir freuen uns über die mit der Krabbenfischerei vereinbarten Fortschritte bei der Beifang-Vorsorge und beim Schutz des Meeresbodens", sagte Hans-Ulrich Rösner vom WWF. Eine MSC-Zertifizierung sei nun möglich, aber bis die Krabbenfischerei tatsächlich nationalparktauglich sei, bleibe "noch ein Wegstück zu gehen". "Erst wenn große Teile der Wattenmeer-Nationalparks nicht mehr befischt werden und die Natur sich dort wieder frei entwickeln kann, ist eine Balance zwischen Schutz und Nutzung erreicht", meinte Rösner.

"Alles andere als ein Selbstläufer"

Auch der NABU hält die Einigung für einen Fortschritt. "Die MSC-Zertifizierung der Krabbenfischerei war alles andere als ein Selbstläufer", sagte Kim Detloff vom NABU. "Die feinen Maschen der über den Meeresgrund geschleppten Netze beeinträchtigen die empfindlichen Lebensgemeinschaften im Wattenmeer." Viel zu viele junge Schollen, Seezungen und Kabeljaue verendeten als ungewollter Beifang. "Durch die jetzt vereinbarten Auflagen hoffen wir auf echte Verbesserungen", sagte Detloff.

Schutzstation Wattenmeer hofft auf Besserungen

Bild vergrößern
So sieht eine Nordseegarnele aus - Forscher nennen sie Crangon crangon, alle anderen: Krabbe.

Die Schutzstation Wattenmeer sieht das Öko-Siegel für die Krabbenfischerei skeptisch. "Wir haben der MSC-Zertifizierung nur mit großen Bauchschmerzen zugestimmt. Nun müssen die dafür gemachten Auflagen und die Selbstverpflichtungen von der Krabbenfischerei auch umgesetzt werden", sagte Harald Förster von der Schutzstation Wattenmeer. "Wir hoffen, künftig mit der Krabbenfischerei gemeinsame Wege zu finden, den Schutz des Wattenmeeres zu verbessern, den Nationalpark-Zielen gerecht zu werden und verschwundenen Arten eine Rückkehr zu ermöglichen."

Die vereinbarten Auflagen sollen in fünf Jahren überprüft werden, wenn das Siegel abläuft und erneut erteilt werden muss.

400 Krabbenkutter im Wattenmeer

Die grenzüberschreitende Krabbenfischerei im Wattenmeer umfasst rund 400 Kutter. Gemeinsam fangen sie etwa 30.000 Tonnen Krabben pro Jahr. Das entspricht 90 Prozent des gesamten Fangs der Nordseegarnele.

Weitere Informationen

In Paul Walters Adern fließt Salzwasser

Paul Walter ist der einzige Sylter, der noch Krabben fischt - und seinen Fang selbst gleich am Hafen verkauft. Einen Nachfolger hat er bislang nicht. Dafür aber 50 Jahre Erinnerungen. mehr

1985: Wattenmeer wird zum Nationalpark

Am 1. Oktober 1985 entsteht in Schleswig-Holstein der größte Nationalpark Deutschlands - zum Unmut vieler Küstenbewohner. Sie fürchten um ihre wirtschaftliche Existenz. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 13.12.2017 | 10:30 Uhr

NDR Info

Auf der Suche nach dem schlauen Fischernetz

04.10.2017 08:20 Uhr
NDR Info

Fischer klagen über EU-Fangquoten, Naturschützer über zu viel Beifang in den Netzen. Experten vom Thünen-Institut für Ostseefischerei in Rostock helfen: Sie entwickeln "schlaue Netze". mehr

Mehr Nachrichten

04:23
Hallo Niedersachsen

Ernteeinbußen durch die Trockenheit

19.07.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
03:29
Nordmagazin

Übung auf See: Abseilen vom Offshore-Heli

19.07.2018 19:30 Uhr
Nordmagazin
02:16
Hamburg Journal

Was wird aus der Roten Flora in Hamburg?

19.07.2018 19:30 Uhr
Hamburg Journal