Stand: 21.08.2019 16:08 Uhr

Wir müssen unsere Gewohnheiten hinterfragen!

Bei der ersten nationalen Luftfahrtkonferenz in Leipzig geht's um Verbesserungen im Flugverkehr hin zum klimaneutralen Fliegen, denn noch ist Fliegen laut dem Umweltbundesamt die klimaschädlichste Art sich fortzubewegen. Die Branche ist in der Defensive. Aber müssen nicht auch wir alle unser Flugverhalten überdenken?

Ein Kommentar von Verena Gonsch, NDR Info

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Auf der Suche nach Lösungen: Die Klima- und Umweltschutz-Debatte in Deutschland wird weitergehen, meint Verena Gonsch.

Auch wenn es vielen nicht passt: Greta Thunberg und ihre "Fridays for Future"-Bewegung zwingen uns, unser Verhalten zu überprüfen. Dazu gehört auch das Fliegen. Da ist es wie mit dem Fleischessen: Haben wir vor einigen Jahrzehnten nur sonntags den Braten genossen, essen viele von uns mittlerweile täglich Fleisch, oft von Tieren aus Massentierhaltung, deren umstrittene Haltung wir schwer ertragen.

In den 1980er-Jahren noch war Fliegen viel zu teuer, um jedes Jahr und vielleicht sogar nur über das Wochenende eben mal nach Lissabon, Paris oder Barcelona zu jetten. Jetzt ist das Flugticket oft billiger als die Bahnfahrt. Eine fatale Entwicklung, die natürlich den CO2-Ausstoß nach oben treibt.

Ein Flugzeug landet am Abend. © picture-alliance Foto: Robert Schlesinger

BUND: "Innerdeutsche Flüge ab 2030 verbieten"

NDR Info - Mittagsecho -

Nach Schätzungen wird sich der Flugverkehr in den nächsten 20 Jahren verdoppeln. Wie kann die Luftfahrt "grüner" werden? Fragen an den Verkehrsexperten Werner Reh vom BUND.

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Gut so: Wir reden wieder über unsere Gewohnheiten

Das Gute an der aktuellen Debatte ist: Wir reden wieder über unsere Gewohnheiten. Noch vor einiger Zeit war jemand, der fragte: "Warum nimmst Du nicht die Bahn?", noch eine Spaßbremse. Jetzt entwickelt sich zumindest eine Diskussion darüber. Wir fangen an zu überlegen, ob wir nicht doch klimafreundlicher Urlaub machen können. Ob wir mit dem Auto an die Ostsee fahren und nicht mit dem Flugzeug in die Toskana oder ob der Wanderurlaub auch im Schwarzwald stattfinden kann. Und am Arbeitsplatz sprechen wir darüber, ob die Dienstreise unbedingt mit dem Flugzeug sein muss, wenn wir dadurch nur drei Stunden früher ankommen als mit der Bahn.

Branchen-Vorschlag ist ein Anfang

Ja, es gibt noch andere Klimakiller als das Fliegen. Der Autoverkehr, die Massentierhaltung, auch die großen Server für unsere Smartphones heizen das Klima an. Aber das Fliegen spielt erwiesenermaßen ganz oben in der Liga mit. Und warum sollten wir uns da nicht selber Limits setzen: nur einmal im Jahr fliegen, nur in Europa. Und wenn es die große Reise sein muss, den Flug kompensieren, wie es so schön heißt - also Geld spenden an Organisationen, die Klimaprojekte unterstützen.

Und natürlich politisch Druck ausüben, damit für das Kerosin endlich tragfähige alternative Brennstoffe entwickelt werden. Der Vorschlag der Branche, die Luftverkehrssteuer für die Erforschung alternativer Brennstoffe zu verwenden, ist ja schon mal ein Anfang. 

Wie wichtig ist uns der Kampf gegen die Klimaerwärmung?

Aber wie all die Klimathemen, die in den vergangenen Wochen aufgetaucht sind, wird sich der Erfolg an der Frage messen lassen müssen, ob wir bereit sind, unser Verhalten zu ändern, ob wir auf etwas verzichten, was uns zur Gewohnheit geworden ist und einfach in unserem Konsum einen Gang oder zwei zurückschalten.

Flugscham ist da ein erster Schritt, genauso wie Fleischscham oder Autoscham. Die heftige Debatte in unserer Gesellschaft wird sicherlich noch eine Weile so weitergehen, bis wir einen Konsens gefunden haben, was wir bereit sind einzusetzen in unserem Kampf gegen die Klimaerwärmung. Und für eine Welt, in der unsere Kinder und Enkelkinder sich auch noch wohlfühlen.

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NDR Info | Kommentar | 21.08.2019 | 17:08 Uhr

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