Stand: 20.09.2019 19:44 Uhr

Klima-Demos im Norden: Streikende setzen Zeichen

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#AlleFürsKlima ist das Motto des Streiks am Freitag. Er richtet sich explizit an alle Altersgruppen.

Sie haben ein deutliches Zeichen für mehr Klimaschutz gesetzt: Zum dritten weltweiten Klimastreik der "Fridays for Future"-Bewegung sind bei Demonstrationen in ganz Norddeutschland mehr Menschen erschienen als erwartet. In Hamburg beteiligten sich laut Polizeiangaben rund 70.000 Menschen, die Veranstalter sprechen sogar von 100.000 Demonstranten. Im Vorfeld war mit bis zu 30.000 Menschen gerechnet worden. "Hoch mit dem Klimaschutz, runter mit der Kohle", riefen Teilnehmer in Hannover. Hier demonstrierten nach Angaben der Polizei rund 30.000 Leute für einen besseren Klimaschutz. In Kiel waren mehr als 15.000 Menschen auf der Straße und in Flensburg und Rostock kamen nach Angaben der Polizei mehr als 3.000 Demonstranten zusammen.

Aktionen im ganzen Norden

Von Westerland auf Sylt bis Göttingen - im ganzen Norden gab es öffentliche Aktionen. Neben den großen Kundgebungen beteiligen sich auch zahlreiche kleine Orte wie Joldelund (Kreis Nordfriesland), Ströhen (Landkreis Diepholz) und Fredeburg (Kreis Herzogtum Lauenburg) sowie Nord- und Ostseeinseln und Halligen - allein auf Langeoog zählten die Veranstalter rund 200 Teilnehmer. Das Motto "Alle fürs Klima" wandte sich dieses Mal an Menschen egal welchen Alters.

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Friedlicher Protest

Die Proteste verliefen friedlich. Die vom Verfassungsschutz beobachtete Interventionistische Linke (IL) hatte im Vorfeld unter anderem in Hamburg, Göttingen, Hannover und Bremen Verkehrsblockaden und andere Aktionen angekündigt. Nach der großen Demonstration in Hamburg kam es zu Blockadeaktionen am Hamburger Stephansplatz und an der Lombardsbrücke. Auch in Lübeck kam es zu einer Sitzblockade.

Kreative Aktionen begleiteten Streiks

Verschiedene Aktionen begleiteten den Protest. So ergänzten in Hamburg eine Fahrraddemo und eine Klima-Andacht den Streik. Musikalisch stimmte Henning May, Sänger der Gruppe AnnenMayKantereit, die Massen auf den Demonstrationszug ein. Rund um die Demos gab es auch Müllsammel-Aktionen und Picknicks.

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Organisationen unterstützten Aktivisten

Die jungen Aktivisten bekamen erneut Unterstützung von mehr als 200 Organisationen und Initiativen bundesweit. Darunter waren Umweltschutzorganisationen, Menschenrechtsorganisationen, Forschungseinrichtungen und Kirchen. "Macht weiter! Ihr habt ein so starkes Zeichen gesetzt, wie wir Alten von den Jungen lernen können", rief der Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover, Ralf Meister, den Demonstranten in Hannover zu.

Das fordert Fridays for Future

Die Fridays for Future-Bewegung Deutschland hat im April 2019 ihre Forderungen veröffentlicht. Sie fordern den Kohleausstieg bis 2030 und eine komplett nachhaltige Energieversorgung sowie die sogenannte Nettonull bis 2035. Bis Ende des Jahres 2019 solle ein Viertel der Kohlekraft abgeschaltet, Subventionen für fossile Energie beendet und die CO2-Steuer eingeführt werden. Ziel aller Maßnahmen ist die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad und die Einhaltung der Ziele des Pariser Klimaabkommens.

Signal an Bundesregierung und UN

Anlass des Streiks waren zum einen der bevorstehende Klimagipfel der Vereinten Nationen (UN) in New York sowie die Verhandlungen um ein Klimapaket in Berlin. Die Koalitionsspitzen von Union und SPD einigten sich am Freitagmittag auf ein Maßnahmenpaket zum Klimaschutz.

Bundesweit kam es zu etwa 570, meist lautstarken Demonstrationen. In Berlin gingen nach Angaben der Organisatoren etwa 270.000 Menschen auf die Straße, nach Angaben der Polizei waren es etwa 100.000. Weltweit demonstrierten mehrere Hunderttausende.

Beim ersten globalen Klimastreik am 15. März hatten sich nach Veranstalterangaben in Deutschland etwa 300.000 Menschen beteiligt, am 24. Mai sollen etwa 350.000 Teilnehmer dabei gewesen sein.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 20.09.2019 | 17:30 Uhr

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