Stand: 10.10.2016 13:38 Uhr

Insolvente KTG Agrar wird abgewickelt

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KTG Agrar hat auch in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg viele Flächen bewirtschaftet. (Archivbild)

Der insolvente Agrarkonzern KTG Agrar wird abgewickelt und von der Börse genommen. Die Gläubigerversammlung in Hamburg habe dem sogenannten Delisting der Aktie und der Anleihen zum Ende des Jahres und der Stilllegung des Unternehmens zugestimmt, teilte KTG Agrar am Donnerstag im Anschluss an die Versammlung mit. Damit dürften die Gläubiger weitgehend leer ausgehen. KTG Agrar hatte Anfang Juli einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt; mittlerweile ist das Unternehmen im regulären Insolvenzverfahren.

800 Mitarbeiter - bis zur Pleite

KTG Agrar war vor seiner Insolvenz mit 800 Mitarbeitern und mehr als 46.000 Hektar bewirtschafteter Fläche, vor allem in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, der größte deutsche Agrarkonzern. Anfang Juli hatte das Unternehmen einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt, nachdem die Zinsen für eine Anleihe nicht fristgemäß bedient werden konnten. Hoffnungen auf einen Erhalt der Gruppe zerschlugen sich bald. Der Unternehmensgründer und langjährige Vorstandsvorsitzende Siegfried Hofreiter musste das Unternehmen verlassen. Die Hauptversammlung der Aktiengesellschaft wurde abgesagt, die Wirtschaftsprüfer zogen ihren Bestätigungsvermerk für die Bilanz über das Geschäftsjahr 2015 zurück, mehrere Tochtergesellschaften des verschachtelten Agrarkonzerns gingen ebenfalls den Weg in die Insolvenz. 

Große Teile des Konzerns verkauft

Mittlerweile sind die Agrar-Aktivitäten und die Mehrheit an der Energiesparte des Konzerns ebenso verkauft wie mehrere Standorte. Große Teile des einstigen KTG-Imperiums hat die Gustav Zech Stiftung aus Bremen übernommen, darunter auch die vier Biogasanlagen der KTG Energie in Benz, Wendisch-Priborn, Groß Tessin und Dersewitz. KTG Agrar hatte bereits zuvor eigene Agrarflächen verkauft und zurückgepachtet. Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus erklärte, er werde sich nun auf den Verkauf der verbliebenen Beteiligungen in Deutschland, Rumänien und Litauen und die Geltendmachung von Organhaftungsansprüchen und insolvenzrechtlichen Sonderaktiva konzentrieren. Damit kann zum Beispiel gemeint sein, Ansprüche gegen Versicherungen zu prüfen.

Schlechte Aussichten für Gläubiger

Zu den Gläubigern des Konzerns gehören vor allem die Zeichner von zwei Anleihen über insgesamt 342 Millionen Euro. Dazu kommen Lieferanten und Dienstleister mit offenen Rechnungen, Arbeitnehmer und sonstiger Gläubiger, insgesamt wohl mehr als 10.000 Personen. Nach den letzten offiziellen Angaben des Insolvenzverwalters ist KTG Agrar mit 394 Millionen Euro überschuldet; die Gesamtschulden sollen bei mehr als 600 Millionen Euro liegen. Die Aussichten der Gläubiger, etwas von ihrem Geld wiederzusehen, werden von Insolvenzfachleuten als schlecht eingestuft.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 06.10.2016 | 08:00 Uhr

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