Stand: 02.02.2018 22:03 Uhr

IG Metall: "Sensationelle Bilanz" der Streiks

"Die Bilanz nach drei Tagen ist sensationell", sagte Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste, am Freitag, dem dritten und vorerst letzten Tag der 24-Stunden-Streiks in der Metallbranche. Insgesamt hätten sich 46.000 Mitarbeiter aus 30 norddeutschen Betrieben seit Mittwoch an den ganztägigen Warnstreiks beteiligt. Das Signal an die Arbeitgeber sei klar: "Wenn sie am Montag in Stuttgart an den Verhandlungstisch zurückkehren, müssen sie ein deutlich besseres Angebot mitbringen", sagte Geiken. Laut Thorsten Gröger, Bezirksleiter und Verhandlungsführer in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, seien die Aktionen unterm Strich ein Erfolg und ein starkes Signal der Beschäftigten an die Arbeitgeber.

Arbeitgeber beklagen hohen wirtschaftlichen Schaden

Die Arbeitgeberseite sieht das anders: "Die IG Metall hat mit ihren rechtswidrigen Tagesstreiks nun eine Woche lang einen millionenschweren wirtschaftlichen Schaden in der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie angerichtet", sagte der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Nordmetall, Nico Fickinger. Den Verhandlungen helfe das überhaupt nicht weiter.

Airbus schließt als Reaktion auf Arbeitskampf seine Werke

Schwerpunkte der Arbeitsniederlegungen am Freitag waren Airbus und die Werften. In den Werken des Flugzeugbauers Airbus in Hamburg, Niedersachsen und Bremen ging seit Beginn der Frühschicht am Freitag nichts mehr. Zudem legten Beschäftigte von einigen Zulieferern die Arbeit nieder.

Als Reaktion auf die Warnstreiks hat Airbus nach Informationen von NDR 90,3 seine Werke in Hamburg-Finkenwerder und Stade am Freitag von sich aus geschlossen. Der Schritt diene der Sicherheit und um ein Verkehrschaos zu vermeiden, hieß es in einer Erklärung der Unternehmensleitung. Airbus nannte die Maßnahme eine Suspendierung der Beschäftigten, die streikenden Metaller sprachen von Aussperrung und einem durchsichtigen Manöver der Geschäftsleitung, die Belegschaft zu spalten. Nach Angaben der IG Metall sind rund 4.500 der rund 13.000 Airbus-Angestellten Mitglieder und somit durch Streikgeld abgesichert. Alle Beschäftigten, die nicht in der Gewerkschaft sind, bekommen dagegen für Freitag kein Geld.

Erstmals 24-Stunden-Warnstreiks in Mecklenburg-Vorpommern

Erstmals war am Freitag auch Mecklenburg-Vorpommern in die ganztägigen Streiks einbezogen. In Rostock folgten dem Aufruf der IG Metall Küste 650 Beschäftigte der Neptun-Werft und des Motorenherstellers Caterpillar. Zudem waren die Metaller auf den Werften TKMS in Kiel und Meyer in Papenburg zum Warnstreik aufgerufen. In Niedersachsen wurde vor allem MAN Truck & Bus in Salzgitter bestreikt. Insgesamt sind an der Küste 14 Betriebe mit 30.000 Beschäftigten betroffen.

Arbeitgeberverband reagiert mit Klage

Der Arbeitgeberverband Niedersachsenmetall hatte gegen die Streikaktionen Klage am Arbeitsgericht Hannover eingereicht und die 24-Stunden-Streiks "eine gezielte Eskalation" der Gewerkschaft genannt. Der erste Vorsitzende der IG Metall, Jörg Hofmann, bedauerte die Klage. Juristisch sei die Tarifrunde nicht zu lösen. Damit werde nur Öl ins Feuer gegossen und eine weitere Eskalation des Konflikts vorangetrieben.

Gewerkschaft will sechs Prozent mehr Geld

IG Metall und Arbeitgeber hatten vergangene Woche die fünfte Runde der Tarifverhandlungen im Pilotbezirk Baden-Württemberg abgebrochen. Uneinigkeit herrscht vor allem über die von der Gewerkschaft geforderte neue Teilzeitregelung. Die IG Metall verlangt sechs Prozent mehr Geld und die Möglichkeit, dass Beschäftigte ihre Arbeitszeit befristet auf 28 Wochenstunden senken können. Schichtarbeiter, Eltern kleiner Kinder und pflegende Familienangehörige sollen einen Teillohnausgleich erhalten, wenn sie ihre Arbeitszeit reduzieren. Das lehnen die Arbeitgeber kategorisch ab. Sie bieten Lohnzuwächse von zwei Prozent ab April 2018 für zwölf Monate plus eine Einmalzahlung für die Monate Januar bis März 2018 an.

Weitere Informationen

Metall-Tarifverhandlungen ergebnislos abgebrochen

Arbeitgeber und die IG Metall haben ihre Tarifverhandlungen in Hamburg ohne Ergebnis beendet. Bei regionalen Themen habe man sich nicht einigen können, so die IG Metall. (25.01.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 02.02.2018 | 11:00 Uhr

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